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»Ich weiß nicht, ob sich die Stadt das antun sollte«

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Geht es nach dem Hauptausschuss, darf im Jugendtreff kein Alkohol an Jugendliche über 16 Jahren ausgeschenkt werden.

Traunstein – Erneut kontroverse Diskussionen gab es zum Thema »Alkoholausschank im Rahmen der offenen kommunalen Jugendarbeit in Traunstein«. Nachdem sich der Stadtrat vor rund drei Wochen mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, stand es nun wieder auf der Tagesordnung des Hauptausschusses. Am Ende fasste das Gremium mehrheitlich den Beschluss, keinen Alkohol an Jugendliche ab 16 Jahren auszuschenken.


Wie Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) zu Beginn der Sitzung erklärte, ist von Stadtjugendpflegerin Petra Breutel inzwischen ein Konzept erarbeitet worden, wie der Alkoholausschank im erweiterten Jugendtreff in den Räumen des ehemaligen Cafés im Rathausinnenhof funktionieren soll. So würde »weicher Alkohol« nur an einem Tag pro Woche, am Freitag von 19 bis 22 Uhr, ausgeschenkt werden. Den Ausschank würden Erwachsene übernehmen und es würde auch scharfe Kontrollen geben.

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Verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol lernen

Jugendreferent Thomas Stadler (Grüne) unterstützte das Konzept, denn es würde »einen klaren Rahmen geben«. Sollte das Konzept nicht funktionieren, könne man es wieder einstellen. »Die Herausforderung ist es, den verantwortungsbewussten Umgang zu erlernten.«

Auch Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) setzte sich dafür ein, es mit dem Alkoholausschank mal zu probieren. Auch im früheren Haus der Jugend an der Wasserburger Straße sei Alkohol ausgeschenkt worden. Damals habe es aber auch strenge Kontrollen gegeben. Die dritte Bürgermeisterin regte aber auch an, Prävention zu machen. So könnte man zum Beispiel das Saftmobil, die Sansibar des Kreisjugendrings, einbeziehen und den Jugendlichen »auch andere tolle Getränke ohne Alkohol anbieten«.

»Was ist, wenn auf dem Heimweg etwas passiert?«

Für ein striktes Alkoholverbot ist Christa Fuchs (CSU). Sie berichtete, dass der Jugendtreff der Pfarrei St. Oswald auch ohne Alkohol bestens funktioniere. Ein ganz anderes Problem sprach Albert Rieder (UW) an: »Was ist, wenn auf dem Heimweg etwas passiert?« Bei einer klaren Linie ohne Alkohol müsste die Stadt nicht die Verantwortung übernehmen. Sollte der Jugendliche doch etwas getrunken haben, »kann er es nicht von uns gehabt haben«, so Rieder. Das selbe Thema bereitet auch Stefan Namberger (CSU) »Magenweh«: »Ich weiß nicht, ob sich die Stadt das antun sollte.«

Christian Hümmer (CSU) ist es nicht ganz klar, »wieso der Alkohol so wichtig ist?« Die Attraktivität eines Jugendtreffs hänge nicht davon ab, ob Alkohol da ist oder nicht. Außerdem meinte er, »dass es schon immer Wege gegeben hätte, um an das dritte oder vierte Bier zu kommen«. Auch stellt er sich die Frage: »Haben wir es wirklich im Griff, wenn es darauf ankommt?«

Ohne Ausschank kommen bestimmte Gruppen nicht

Der Hauptausschuss gewährte Petra Breutel schließlich, selbst zu Wort zu kommen. Die Jugendpflegerin setzte sich stark für den Ausschank von Alkohol ein. »Ich habe schon in München in dieser Weise gearbeitet und weiß, was ich tue.« Sie hält den Alkoholausschank in gewisser Weise auch für pädagogisch wertvoll. Zum einen würde man bestimmte Jugendgruppen ohne Ausschank gar nicht zu Gesicht bekommen, zum anderen würden die Jugendlichen sonst woanders hingehen, um zu trinken. Im Rahmen des Jugendtreffs bestünde die Möglichkeit, das Trinkverhalten verantwortungsvoll zu erlernen. »Warum sollen die Jugendlichen nicht bei uns ein, zwei Bier trinken und mit uns darüber reden?«

Am Ende stimmten nur Oberbürgermeister Christian Kegel, Waltraud Wiesholler-Niederlöhner und Thomas Stadler dafür, Alkohol an die Jugendlichen auszuschenken. Ganz vom Tisch ist das Thema aber noch nicht: Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 21. Juli, um 15 Uhr. jar

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