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»Ich war nicht betrunken, nur extrem müde«

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Eigentlich hätte der 50-jährige Traunreuter nur seinen Autoschlüssel abgeben sollen. Am Ende gab es eine Rangelei mit den Polizeibeamten.

Er trinke ab und zu am Wochenende, gestand der 50-jährige Kraftfahrer aus Traunreut am Laufener Amtsgericht. Allerdings mache er sich Sorgen darüber, was »die Leute« über ihn denken würden, wenn ihm »immer der Schlüssel weggenommen wird«. Darum wollte er den am 25. April 2015 in Laufen erst gar nicht abgeben. Was folgte, war eine Rangelei mit drei Polizeibeamten, die dabei allesamt leicht verletzt wurden. Widerstand und fahrlässige Körperverletzung lautete deshalb die Anklage. Am Ende wurde der Kraftfahrer zu einer Strafe von 7800 Euro verurteilt.


Eine Anwohnerin hatte sich Sorgen gemacht. Da hatte am Sonntagmorgen um 9 Uhr ein Mann in seinem Auto gelegen und sich nicht gerührt. Im Radio lief laute türkische Musik, der Schlüssel steckte im Zündschloss. Auch den beiden Laufener Polizeibeamten war es zunächst nicht gelungen, den scheinbar bewusst- oder leblosen Mann durch Klopfen zu erreichen. Erst nachdem die Beamten die Türe geöffnet hatten, reagierte der Traunreuter. »Gereizt, aggressiv und stark angetrunken«, schilderte ihn ein 31-jähriger Polizeihauptmeister, »ein vernünftiges Gespräch war nicht möglich.« Dabei wollten ihm die Polizisten lediglich die Autoschlüssel abnehmen.

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Im Wohnwagen gab es keine Musikanlage

Er sei rechtlich gar nicht dazu verpflichtet, den Schlüssel abzugeben, behauptete der Angeklagte, er sei auch »keinesfalls betrunken« gewesen. Nur erschöpft von harter körperlicher Arbeit während der Woche. Nach einem Abend bei Freunden in Laufen habe er lediglich zu seinem Wohnwagen am nahen Fischer-Huber-Parkplatz gewollt. Warum er denn stattdessen in seinem Auto am Briouder Platz vor der Salzachhalle gelegen habe, wollte Staatsanwalt Dr. Christian Liegl von dem Traunreuter wissen. Weil er im Wohnwagen keine Musikanlage habe, nannte der 50-Jährige als Grund.

Die Beamten hatten dem Mann angeboten, ihn zu seinem Wohnwagen oder zu Freunden zu fahren, seinen Schlüssel könne er abholen, wenn er wieder nüchtern sei. Vergeblich: Der Traunreuter ging einfach Richtung Bundesstraße 20 los. »Wir haben uns ihm in den Weg gestellt«, erinnerte sich der Polizeihauptmeister, denn die Straße sei an diesem Sonntag stark befahren gewesen. Mit einem dritten Kollegen als Verstärkung habe man den Angeklagten gepackt, und gemeinsam sei man zu Boden gegangen, erinnerte sich der 31-jährige Beamte.

Was dann genau passierte, konnte nicht mehr exakt rekonstruiert werden, auch wenn Verteidiger Axel Reiter immer wieder nachbohrte. Sicher ist, dass schließlich drei Beamte erforderlich waren, um den Mann zu fesseln. Alle drei erlitten dabei Hämatome und Abschürfungen. Dass der Traunreuter auch noch spuckte und beleidigte, nannte ein 54-jähriger Kollege nur »das Übliche«.

Schließlich gelang es, den 50-Jährigen zu fesseln und auf die Wache zu bringen. Mit einem Alkoholtest war der Traunreuter nicht einverstanden. »Ich habe kein Vertrauen mehr«, begründete er die Ablehnung, stattdessen will er eine Fahrt ins Krankenhaus zur Blutentnahme erbeten und angeboten haben. Daran konnte sich keiner der Beamten erinnern, allerdings daran, dass man dem Angeklagten mehrfach angeboten hatte, ihn zum Wohnwagen oder zu Freunden zu bringen. Das wiederum bestritt der Traunreuter. Auch die Schilderung der Beamten, dass der Angeklagte mit der »blonden Frau« – einer 31-jährigen Polizeibeamtin – schon gar nicht reden wollte, bestritt der Mann.

»Ein Geständnis haben wir heute nicht gehört«

»Das Einschreiten der Beamten war gerechtfertigt«, ließ Liegl keinerlei Zweifel, und die Aggression sei von dem Angeklagten ausgegangen. »Ein Geständnis haben wir heute nicht gehört«, fasste Liegl zusammen. Fast genau einen Monat vor dem Vorfall hatte der Traunreuter einen Strafbefehl über 90 Tagessätze zu je 40 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung erhalten. Unter Einbeziehung dieser Strafe plädierte der Staatsanwalt auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten und eine dreijährige Bewährungszeit. Darüber hinaus sollte der Angeklagte 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

»Weit weg von einer Freiheitsstrafe«, sah Verteidiger Axel Reiter seinen Mandanten. Eher schlaftrunken als betrunken sei der gewesen. Der Anwalt erachtete die Maßnahmen der Polizei als nicht gerechtfertigt. Die fahrlässige Körperverletzung sei allein als Reaktion darauf passiert. Reiter plädierte auf Freispruch, widrigenfalls auf eine Geldstrafe nicht über 60 Tagessätze.

Dreimal schon habe er seinen Autoschlüssel abgeben müssen, betonte der Traunreuter in seinem Schlusswort, und bat daher um Verständnis, dass ihm die »Geduld« ausgegangen war, und man daran denken müsse, »was die Nachbarn sagen«. – »Ich war nicht betrunken, nur extrem müde«, behauptete er abermals und bat ebenfalls um Freispruch.

Den gewährte Richterin Mona Peiß nicht. Sie erachtete das Einschreiten der Polizei als »formal rechtmäßige Handlung«, und der anschließende »unmittelbare Zwang« als eine Folge der Weigerung. Peiß entschied unter Einbeziehung des Strafbefehls auf eine Gesamtstrafe von 130 Tagessätzen zu je 60 Euro, in Summe also 7800 Euro. »Sie hätten das leicht abwenden können«, verabschiedete Peiß den Traunreuter. höf

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