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»Ich verlasse nicht das sinkende Schiff!«

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Traunstein. Die Kliniken Südostbayern AG steht vor einer Riesenherausforderung und hat einen Berg Schulden – und der Geschäftsführer Stefan Nowack geht. Er verlässt die AG und wechselt als Geschäftsführer ans Klinikum nach Passau. »Nein, ich verlasse nicht das sinkende Schiff«, betont der 55-Jährige. »Das Unternehmen steht gut da und bietet ausgezeichnete medizinische Versorgung.«


»Neue Besen kehren gut«

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Stefan Nowack gibt zu, »dass es natürlich wirtschaftliche Probleme gibt«, doch von einer Krise sei man weit entfernt. »Es gibt ein paar Aufgaben zu erledigen, dann geht es mit der AG wieder aufwärts.« Er wäre gerne erst gegangen, wenn das Unternehmen konsolidiert ist – seiner Meinung nach ist das 2016 der Fall – doch die Stelle in Passau sei nun frei geworden und habe ihn schon immer gereizt. »Das Klinikum dort ist ein wunderschönes Haus.«
Die letzten zwei Jahre seien für ihn sehr kräfteraubend gewesen und ein Haus sei sicher leichter zu führen als sechs. Doch ausschlaggebend sei gewesen, dass in Passau der Geschäftsführer in den Ruhestand geht »und sie mich gefragt haben, ob ich das machen möchte. Ich wollte einfach noch einmal eine Veränderung.« Auf die Frage, wie schwer es für seinen Nachfolger werden wird, das Millionendefizit der Kliniken AG in den Griff zu bekommen, sagt Nowack: »Es gibt ja das Sprichwort: Neue Besen kehren gut. Ich glaube nicht, dass er es schwerer haben wird als ich, denn er geht viel unbelasteter an die Sache ran: Ich sehe meinen Weggang deshalb nicht negativ. Mein Nachfolger wird die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen, da bin ich sicher.«

»Müssen nach vorne schauen«


Der 55-Jährige hatte den Aufsichtsratsvorsitzenden Landrat Siegfried Walch bereits vor gut zwei Wochen informiert, dass er an das Klinikum Passau wechseln will und um die Auflösung seines Vertrags gebeten. Der Aufsichtsrat wird hierüber und über das weitere Vorgehen in einer Aufsichtsratssitzung am 15. September beraten und entscheiden. Im Gespräch mit uns sagte der Landrat: »Es gibt sicher Dinge, die mich glücklicher machen würden. Doch nun müssen wir nach vorne schauen und einen Nachfolger finden.« Man sei derzeit in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, »doch der Wirtschaftsprüfer hat klipp und klar gesagt, dass die Substanz gut ist und wir das Ganze sanieren können«, betont der 30-Jährige. Und möglicherweise bedeute ein neuer Chef ja auch eine neue Chance. »Bis dahin wird Stefan Nowack, so wie ich ihn kenne, Vollgas geben, dass der Konsolidierungsvertrag weiter greift«, betont Landrat Siegfried Walch.
Sein Kollege aus dem Berchtesgadener Land, Georg Grabner, findet den Zeitpunkt für Nowacks Weggang nicht ideal. »Das kam schon überraschend. Jetzt müssen wir schauen, wie wir uns mit der Situation auseinandersetzen.«


Stefan Nowack wird zum 31. März 2015 die AG verlassen. Er leitet seit über 22 Jahren die Kliniken Traunstein und Trostberg, seit 2006 ebenfalls die Kliniken des Berchtesgadener Landes und seit der Fusion der Kliniken beider Landkreise die Kliniken Südostbayern AG. Diese besteht aus den Kliniken Traunstein, Trostberg, Ruhpolding, Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing und ist mit über 3700 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region. Im vergangenen Jahr machte die Aktiengesellschaft ein Defizit von 8,8 Millionen Euro.
Vonseiten einiger Mitarbeiter wird bezweifelt, dass Stefan Nowack wirklich an die Konsolidierung glaubt: »Wenn ich so ein Ziel vor Augen habe, dann verlasse ich doch nicht das Unternehmen. Das motiviert mich doch, weiterzumachen.« Andere sagen – »er war ein sehr guter Chef«, »die Rahmenbedingungen stimmen nicht, Nowack kann sicher nichts für das hohe Defizit« und »er hat wirklich alles gegeben und sich aufgearbeitet, das sah man ihm in der letzten Zeit auch deutlich an.«   

Klara Reiter