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»Ich verlasse mich nicht auf den Wetterbericht«

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Manfred Huber beim Durchblättern seiner über die Jahre gesammelten Wetterdaten.

Traunstein – Das Wetter ist seine große Leidenschaft: Manfred Huber aus Traunstein führt seit über zwei Jahrzehnten ein Wettertagebuch – nicht etwa für den Wetterdienst, sondern nur für sich.


Inzwischen kennt er sich so gut aus, dass er die Wetterentwicklung der nächsten ein bis zwei Tage voraussagen kann.

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Jeder könne das lernen, ist der 60-Jährige überzeugt. Man müsse nur die Natur mit Interesse beobachten und über das Beobachtete nachdenken, erklärt er. Weil er auch segelt, ist ihm sein Wissen oft von großem Nutzen. »Ich verlasse mich nicht auf den Wetterbericht, sondern auf mich selbst«, sagt er schmunzelnd.

Wetterstation und Regenmesser

Manfred Huber beobachtet das Wetter aber nicht nur, sondern er besitzt auch eine ganze Reihe an Gerätschaften in und um sein Haus, um alles genau zu messen. Mit der Wetterstation, die in seinem Haus angebracht ist, misst er jeweils die höchste beziehungsweise niedrigste Temperatur eines Tages sowie Luftfeuchtigkeit und Luftdruck. Darüber hinaus besitzt der Traunsteiner einen Regenmesser. Dabei verlässt er sich nicht nur auf die moderne Variante. Für den Fall, dass die Technik versagt, kommt ein herkömmlicher Regenmesser zum Einsatz.

Hobbymeteorologen arbeiten sehr genau, unterscheiden zum Beispiel verschiedene Niederschlagsarten wie Niesel, Regen, Stark-regen oder Schnee. Das viele Wissen, das für sein Hobby nötig ist – unter anderem auch, welche verschiedenen Wolkenarten es gibt –, holt sich Manfred Huber aus zahlreichen Fachbüchern.

Besonders stolz ist Manfred Huber auf sein Goethe-Glas zum Messen des Luftdrucks. »Es reagiert schneller auf Druckveränderungen als technische Geräte, sodass Veränderungen hier bereits nach sehr kurzer Zeit sichtbar werden«, erklärt der Traunsteiner. Einige Zeit beschäftigte sich Huber auch mit der Windmessung, doch das erwies sich bereits nach kurzer Zeit als wenig sinnvoll. »Unser Haus liegt in einem Tal, wo sowieso kaum Wind weht beziehungsweise die Windrichtung nicht der echten Windrichtung entspricht.«

Alles andere als zeitaufwändig

Jeden Tag notiert der 60-Jährige, was er beobachtet und gemessen hat. Am Ende jeden Monats vergleicht er die Daten und wertet sie aus. Zudem erstellt er Grafiken, die die Entwicklung des Wetters im Laufe der Zeit veranschaulichen. »Das Ganze ist jedoch weniger zeitaufwändig, als man zuerst denkt«, sagt Manfred Huber. An vielen Tagen ist er lediglich ein paar Minuten beschäftigt.

Regelmäßig schreibt Manfred Huber auch Wetterberichte für das Traunsteiner Tagblatt, eine Aufgabe, die er von seinem Schwiegervater übernommen hat. Seine Leidenschaft fürs Wetter hat der Traunsteiner ebenfalls vom Schwiegervater »geerbt«. Dieser hatte seit 1974 ein Wettertagebuch geführt. Daten, auf die Manfred Huber und seine Frau – sie teilt das Hobby mit ihrem Mann und unterstützt ihn – jetzt zurückgreifen können.

Nicht anders als vielen anderen, bleibt Manfred Huber gerade das extreme Wetter in Erinnerung. »Das war extrem, was da Schnee gelegen ist«, erinnert er sich zum Beispiel an den Winter 2005/2006. Vor seiner Haustür stapelte sich der Schnee damals eineinhalb Meter hoch. Auch das Hochwasser 2002 zählt zu den spektakulärsten und extremsten Wetterphänomenen, die der Traunsteiner bis jetzt erlebt hat. Damals musste Manfred Huber aus Sicherheitsgründen sogar sein Haus am Traundamm verlassen. Aber auch starke Unwetter, wie es sie diesen August gab, gehören in diese Kategorie.

Als »alter Hase« im Wettergeschäft weiß Manfred Huber, dass das Jahr 2017 bisher relativ durchschnittlich verlaufen ist – auch wenn es nach seinem Gefühl nicht mehr so viele durchgehende Sonnentage gibt wie früher. »Die Zeiten von konstantem Wetter, die sind vorbei«, glaubt der Traunsteiner.

Klimaerwärmung als »reales Phänomen«

Was die Klimaerwärmung betrifft, ist sich Manfred Huber sicher, dass sie ein »reales Phänomen« ist. Seien doch die Temperaturen im Laufe der Jahre um etwa zwei Grad Celsius angestiegen. Und auch die Winter seien nicht mehr das, was sie einmal waren.

Auf die Frage nach seinem Lieblingswetter muss Manfred Huber erst ein wenig nachdenken. Er hält Regen durchaus für wichtig, dennoch sagt er von sich selbst: »Ich bin ein Sonnenfreak.« Was er nicht so sehr mag, sind Gewitter, er findet sie faszinierend, hat aber gehörigen Respekt davor. mai

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