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»Ich stand wirklich am Abgrund«

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»Ich war wirklich in einer Ausnahmesituation«, sagt Andrea. »In dieser Zeit hat mich die Traunsteiner Brücke aufgefangen.« Dafür ist sie Christa Strohmayer und Horst Trüdinger, den ehrenamtlichen Beratern, sehr dankbar. (Foto: Reiter)

Traunstein. Andrea traute sich kaum noch aus dem Haus, sie litt unter Angstzuständen und erlebte in der Arbeit Mobbing und Leistungsdruck. Irgendwann wurde sie richtig krank. »Ich war wirklich in einer Ausnahmesituation. Das war wie in einem schlechten Traum«, sagt die 55-Jährige. Geholfen hat ihr in der schweren Zeit eine soziale Einrichtung, die »Traunsteiner Brücke«.


»Eine Brücke zur Selbsthilfe bauen«

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Das Bild der Brücke sei ganz bewusst gewählt worden, sagt Horst Trüdinger, der seit acht Jahren ehrenamtlicher Berater der »Traunsteiner Brücke« ist. »Denn wir wollen eine Verbindung herstellen von den sozialen Problemen der Menschen zu den Einrichtungen, die beraten oder weiterhelfen können.« Und Christa Strohmayer ergänzt: »Wir wollen auch eine Brücke zur Selbsthilfe bauen.« Denn oft seien die Menschen, die zu ihnen kämen, wie blockiert. »Die vielen Probleme machen sie handlungsunfähig. Wir hören uns alles an, und machen dann Vorschläge, wie das große Ganze Schritt für Schritt angegangen werden könnte«, sagt die ehrenamtliche Beraterin. Sie ist seit zehn Jahren bei der »Traunsteiner Brücke«. »Dieses positive Erlebnis, dass wieder etwas vorangeht, hilft den Menschen meist schon unglaublich weiter.«

Das bestätigt auch Andrea. Sie war überglücklich, als sie vor einigen Jahren Horst Trüdinger am Telefon hatte und er eineinhalb Stunden einfach nur zuhörte. »Das Gefühl, zu merken, dass ich nicht alleine auf der Welt bin, dass jemand meine Probleme ernst nimmt, das hat mir so gut getan«, sagt Andrea mit Tränen in den Augen. »Das Bild der Brücke passt für mich sehr gut, denn ich stand wirklich am Abgrund.« Christa Strohmayer und Horst Trüdinger hätten ihr geholfen, diesen zu überwinden.

Die 55-Jährige erzählt, dass bei ihr alles mit einer »normalen« Ehekrise begonnen hätte. Dann kamen die Trennung, finanzielle Probleme, Druck in der Arbeit, eine schwere Krankheit und die Kündigung. »Das war wie eine Spirale, aus der ich nicht mehr raus kam«, sagt Andrea. Nach ihrem Anruf bei der »Traunsteiner Brücke« kam es sehr schnell zu einem ersten persönlichen Treffen mit Horst Trüdinger. »Das war ein großes Glück für mich. Ich hätte in der Phase nicht lange warten können, denn sonst wäre ich zusammengebrochen.« Für den ehrenamtlichen Berater ging es zunächst vor allem darum, die 55-Jährige zu verschiedenen Behörden zu begleiten. Denn es war einiges aufgelaufen in der Zeit, in der sich Andrea nicht mehr aus dem Haus traute und ihre Post ignorierte.

Außerdem füllten sie gemeinsam ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente aus, der auch zu 100 Prozent gewährt wurde. »Mit solchen Anträgen tun sich die meisten Leute schwer. Aber in einer solchen Ausnahmesituation ist es unmöglich, so etwas zu meistern«, weiß Horst Trüdinger, der hier ganz allgemein ein großes Problem sieht. »Viele Menschen hätten Anspruch auf soziale Leistungen, wissen aber nichts davon oder sind unsicher, an wen sie sich wenden müssen.« Hier könne die »Traunsteiner Brücke« helfen, die bei so gut wie jeder Behörde einen direkten Ansprechpartner habe. Außerdem arbeiten Horst Trüdinger und Christa Strohmayer eng mit hauptberuflichen Beratern der Caritas, mit Seelsorgern, Psychologen und dem Verbraucherservice Bayern, der im gleichen Büro untergebracht ist, zusammen. Die Mitarbeiter würden sich beispielsweise bei Problemen mit Abzockfirmen, Stromverträgen oder auch falschen Nebenkostenabrechnungen sehr gut auskennen, sagt Trüdinger.

»Ich kann wieder durchschlafen«

»Ohne die Brücke wäre ich nicht an dem Punkt, wo ich jetzt bin. Ich kann sogar wieder durchschlafen«, sagt Andrea mit einem Lächeln. Leicht hat sie es immer noch nicht, denn sie muss von 900 Euro im Monat leben und bekommt keinen Mietzuschuss. Doch sie ist Horst Trüdinger und Christa Strohmayer unglaublich dankbar. »Wer in schwierigen Situationen keinen festen Freundeskreis hat, der kann bitterböse abstürzen. Deshalb ist es wichtig, solche Einrichtungen wie die Brücke bekannt zu machen.«

Für Menschen, die Probleme haben, einsam sind oder Schwierigkeiten mit Behörden haben, ist die »Traunsteiner Brücke« eine gute Anlaufstelle. Organisiert wird diese kostenlose Hilfe von den Pfarreien St. Oswald, Heilig Kreuz, Haslach und Kammer. Das Büro in der Bahnhofstraße 1 kann ohne Anmeldung jeden Mittwoch von 9 bis 11 Uhr besucht werden. Telefonisch sind Horst Trüdinger und Christa Strohmayer unter Telefon 0861/9094902-0 zu erreichen. Wer Interesse hat, bei der »Traunsteiner Brücke« mitzuarbeiten, kann sich an die beiden ehrenamtlichen Berater wenden. KR