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»Ich hielte eine Neuplanung für einen Schildbürgerstreich«

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Die Risse in der Decke der Traunsteiner Klosterkirche zeigen, wie dringend der Sanierungsbedarf mittlerweile ist. Darüber besteht weitgehend Einigkeit im Stadtrat. Was allerdings darüber hinaus gemacht werden soll, darüber diskutieren die Stadträte sicher noch eine Weile. (Foto: Reiter)

Traunstein – Das war knapp: Mit fünf zu vier Stimmen entschied der Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung, die Vorplanung für die Sanierung des Kunst- und Kulturraums Klosterkirche wie bisher geplant (Variante eins) weiterzuverfolgen. Denn der Beschlussvorschlag enthielt als Variante zwei die völlige Neuplanung und als Variante drei die bloße Sanierung des Gebäudes ohne Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten. Entscheidet der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung ebenso wie der Finanzausschuss, dann bleibt es also dabei, dass das Projekt von der Vor- in die Entwurfsplanung geht, im Zuge derer es nun um Details gehen wird.


»Kulturförderung ist auch Wirtschaftsförderung«

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»Das Projekt beschäftigt den Stadtrat ja bereits seit 1987«, so Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). Laut Architekt Peter Färbinger könne man nicht einzelne Teile aus der Planung herausnehmen. Wenn, dann wäre eine Neuplanung erforderlich. »Aber selbst bei Variante drei kommen wir auf einen deutlich siebenstelligen Betrag, dann aber ohne Förderung«, so Kegel. Es gebe aber auch bei Variante eins noch Einsparmöglichkeiten, etwa die 1,1 Millionen Euro für den Außenbereich. »Konsens sind der Erhalt der Klosterkirche und die Barrierefreiheit, also der Aufzug. Das erfordert aber ein Treppenhaus und eine Unterkellerung. Freilich sind wir alle erschrocken über die Kosten.« Aber »Kulturförderung ist auch Wirtschaftsförderung«.

Gerade aber diesen Konsens stellte Wilfried Schott von den Grünen in Frage. »Barrierefreiheit ja, aber die Ganzjahresnutzung wird bei uns schwer diskutiert«. Auch wenn die 250 000 Euro für die Heizung nur drei Prozent der Gesamtkosten ausmachten, entstünden Folgekosten. Und: »Verträgt ein so altes Gemäuer die Beheizung überhaupt?« Außen wäre der Aufzug deutlich billiger, als wenn man das ganze Gebäude »umreißen« müsste. Seine Meinung hätten ihm mehrere Architekten bestätigt. Den Keller einzusparen, bedeute zudem nicht automatisch den Verzicht auf Toiletten und Barrierefreiheit.

Dem hielt Bauamts-Leiter Klaus Hechfellner entgegen, dazu habe auch die Verwaltung Bauphysiker befragt. Derzeit sei man in der Vorplanung, Details würden in der Entwurfsplanung geregelt. Außen wäre ein Aufzug schwieriger in die Konzeption einzubinden, die Einsparung wäre marginal. »Die Frage, unterkellert man oder nicht, hat nichts mit dem Aufzug zu tun.«

»Die Architekten erzählen uns da einen Schmarrn!«

Wolfgang Ostenstätter (CSU) gab zu bedenken: »7,5 Millionen Euro sind viel Geld. Ich sehe bis jetzt wenig Alternativen des Architekturbüros, die erzählen uns da einen Schmarrn!« Seine Fraktion habe immer Variante drei gefordert, er könne sich auch mit Variante zwei anfreunden.

»Das schließt aber die Behinderten aus und aufs Klo gehen darf man auch nicht«, entgegnete Kegel. »Dass wir jetzt Schulden machen, ist die Summe der Projekte aus den letzten Jahren«, betonte er, »da ist nichts Neues von mir dabei.« Und Hechfellner ergänzte, die jetzige Planung sei das Ergebnis unzähliger Sitzungen, es wäre schade, jetzt den ganzen Vorlauf wieder in Frage zu stellen. Er wie auch Kegel schlugen vor, die Außenanlagen mit 1,1 Millionen Euro herauszunehmen.

Die gleichmäßige, geringfügige Beheizung sei auch für die Bilder wichtig, so Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD). »Wenn, dann machen wir das jetzt und reißen nicht später den Boden raus.« Die Außenanlagen gehörten zum Straßenbau Ludwigstraße, »das muss grad gar nicht sein«. Auch der Schulhof der Ludwig-Thoma-Schule müsse nicht 800 000 Euro kosten. Sie schlug vor, die Kosten für Variante eins mit Zuschüssen der Städtebauförderung den Kosten für Variante drei ohne Zuschüsse gegenüberzustellen – »wir sparen uns ganz wenig.« Ein Kulturzentrum wäre wichtig für ein Oberzentrum wie Traunstein. Auch sei der Betrag ja auf viele Jahre verteilt.

»Sonst dauert's wieder 20, 30 Jahre, bis sich was tut«

Mit der Städtebauförderung sei die Belastung durchaus zu schultern, »auch wenn die Zahl auch uns erschreckt hat«, meinte Ernst Haider (UW). Man müsse die Chance jetzt nutzen, »sonst dauert's wieder 20, 30 Jahre, bis sich was tut«. Neben der Streichung der Außenanlagen könne man sicher auch noch den einen oder anderen Euro sparen. Und Kegel ergänzte: »Das Konzept ist wohlüberlegt, wir können schon nochmal von vorn anfangen, aber irgendwann fällt Traunstein aus der Städtebauförderung raus, wenn wir uns nicht einigen können.«

Ursula Lay (UW) sagte, »wir drehen uns immer wieder im Kreis mit Dingen, die längst beschlossen sind. Der Bedarf ist doch nicht aus der Luft gegriffen, wenn man sieht, welche Anstrengungen der Kulturförderverein ARTS unternehmen muss, damit ein Konzert akustisch möglich ist«. Ihr Rat: »Außenanlagen raus und am Schulhof sparen.« Dem hielt Zweiter Bürgermeister Hans Zillner (CSU) entgegen, bei dem Konzert des Kinderchors sei nur der Lautsprecher falsch eingestellt gewesen. Und ihm gegenüber hätten Kulturschaffende erklärt, sie würden im Winterhalbjahr nichts in der Klosterkirche machen wollen.

Christa Fuchs (CSU) gab ihrem Befremden Ausdruck mit dem Verweis auf die Anfänge der Debatte: »Damals waren wir entsetzt, als es darum ging, dass die Dachreparatur 600 000 Euro kosten sollte – jetzt sind wir bei sieben Millionen Euro.«

Klaus Hechfellner erklärte, die Variante drei koste 1,8 Millionen Euro, die Variante eins nach Abzug der Zuschüsse etwa drei Millionen Euro, und der Dachstuhl werde jedes Jahr schlechter. Auch Ingrid Bödeker (SPD) mahnte, dringend in die Entwurfsplanung einzusteigen, »dann können wir immer noch sehen, was wir wollen. Bisher war immer von einer Ganzjahresnutzung die Rede.« Dringend seien Barrierefreiheit und ordentliche Garderoben. »Jetzt ziehen sich die in einer kleinen Küche um, es ist ein Wunder, dass die Künstler überhaupt noch nach Traunstein kommen. Ich hielte es für einen Schildbürgerstreich, alles neu zu planen. Das kostet ja auch wieder Geld.« coho