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»Ich hatte Todesangst«

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Um zweifache besonders schwere räuberische Erpressung, erpresserischen Menschenraub und gefährliche Körperverletzung geht es derzeit in einem Prozess vor dem Landgericht Traunstein.

Traunstein – Ein 29-jähriger Ampfinger wurde Opfer eines Raubüberfalls von drei Männern in seiner Wohnung. Einer hielt ihm eine Pistole an den Kopf, forderte Geld und feuerte einen Schuss an die Zimmerdecke ab, der Zweite hatte ein Messer, der Dritte eine Bierflasche in der Hand. Das Opfer dazu vor Gericht in Traunstein: »Ich hatte Todesangst.«


Das Trio aus Waldkraiburg, 29, 25 und 30 Jahre alt, muss sich derzeit vor der Zweiten Strafkammer mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verantworten – wegen zweifacher besonders schwerer räuberischer Erpressung, wegen erpresserischen Menschenraubs und gefährlicher Körperverletzung, alles gemeinschaftlich begangen. Das Urteil soll am 18. Februar ergehen.

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Tür geöffnet und sofort ins Gesicht geschlagen

Im Vorfeld hatte der 29-jährige Angeklagte den Pfingstsamstag bei seinem Kollegen und späteren Opfer verbracht – um Probleme an seinem Laptop und seinem Handy beheben zu lassen. Dabei installierte der Anlagenbediener, der selbst nur Computergrundkenntnisse besaß, ein neues Betriebssystem. Am Pfingstmontag klingelte es nachmittags an der Haustür des 29-Jährigen. Er öffnete und erhielt von dem Kollegen sofort einen »Faustschlag ins Gesicht«. Ein Brillenglas sei rausgeflogen, er zu Boden gegangen. Beim Aufstehen habe ihm der Kollege vorgeworfen, ihm einen Computervirus beschert zu haben.

Mit verantwortlich sei ein weiterer Mann, ein 41-jähriger Waldkraiburger. Sie hätten bei Amazon und Zalando Sachen bestellt, die Kaufsummen aber bei ihm abbuchen lassen, so der Hauptangeklagte gegenüber dem Opfer. Durch das Virus seien von seinem Internetkonto 8000 Euro verschwunden. Der Angegriffene beteuerte damals, damit habe er nichts zu tun. Nach weiteren Faustschlägen sei er »wie in Schockstarre« gewesen. Er habe sich nicht gewehrt. Die anderen Angeklagten hätten nicht geschlagen, aber mit Messer und Bierflasche gedroht, schilderte er. Der Kollege habe plötzlich eine Pistole in der Hand gehabt, sie ihm an die Stirn gehalten und auf den Kopf geschlagen, damit dann im Raum geschossen. Die Täter zwangen den Anlagenbediener, den 41-Jährigen anzurufen und unter einem Vorwand einen Besuch anzukündigen.

Der eingeschüchterte 29-Jährige, dem Portemonnaie und Hausschlüssel abgenommen worden waren, musste mit nach Waldkraiburg kommen. Der Wagen sei während der Fahrt verriegelt gewesen. Nach der Ankunft sei der 41-Jährige im Hausgang von dem Haupttäter zu Boden geschlagen und nach Geld gefragt worden. Er hatte 5000 Euro im Haus – weil er die Wohnung renovieren wollte. Obwohl er mit einem Kontoauszug nachwies, dass er zu Recht Eigentümer des Geldes war, habe dies niemand interessiert. Der Ampfinger erinnerte sich, der 30-Jährige habe das Messer in der Hand gehalten und gesagt: »Ich zähle bis drei.«

Gedroht, in zwei Wochen wiederzukommen

Diese Äußerung hatte der 41-Jährige selbst nicht im Gedächtnis. Er erklärte, er sei nach dem Öffnen der Tür überrumpelt, geschubst, drei- oder viermal auf den Kopf geschlagen worden und habe »Sternchen gesehen«. Die Drei hätten »Druck gemacht«. Der 25-Jährige habe sich dicht neben ihn gestellt, der 30-Jährige »mit dem Messer gespielt«. Schließlich habe er dem Angeklagten die 5000 Euro überreicht. Der 29-Jährige, der eine Pistole im Hosenbund stecken hatte, habe das Geld nachgezählt. Mit der Drohung, sie kämen in zwei Wochen wieder und wollten weiteres Geld, zogen die Täter ab.

Der Ampfinger musste wieder zu ihnen ins Auto steigen. Für ihn waren die Schrecken, noch nicht zu Ende. In seiner Wohnung wurden ihm seine gesamten Ersparnisse in Höhe von 1320 Euro abgenommen. 1100 Euro hatte er für eine Prüfung, 220 Euro für eine neue Brille zurückgelegt. Die Täter forderten weitere 2000 Euro. Außerdem warnten sie ihn, zur Polizei zu gehen, sonst werde man ihm »krassere Leute schicken«. Als das Trio weg war, schrieb der 29-Jährige dem 41-Jährigen und entschuldigte sich bei ihm. Beide Opfer erlitten Verletzungen – der Ampfinger Prellungen, Schürfwunden und mehrere Blutergüsse im Gesicht, der Waldkraiburger eine Schädelprellung und eine Gesichtszerrung. Beide sind in dem Prozess Nebenkläger mit ihren Anwälten Axel Reiter und Jörg Zürner, beide aus Mühldorf.

Nur ein Opfer nahm die Entschuldigung an

Die Angeklagten versuchten in der Verhandlung, sich bei den zwei Opfern zu entschuldigen. Der 41-Jährige war einverstanden, der 29-Jährige lehnte ab, akzeptierte aber den ihm von einem der Verteidiger übergebenen Schadensersatz in Höhe von 1320 Euro in bar. Die 5000 Euro des älteren Opfers hatten Beamte der Kripo Mühldorf mit weiteren 200 Euro bei zeitgleichen Durchsuchungen in der Wohnung des 29-jährigen Angeklagten sichergestellt. Unter einem Autositz entdeckten die Ermittler eine mit sechs Patronen geladene Gaspistole, aus der kurz vorher ein Schuss abgefeuert worden war, wie der Polizist informierte.

In dem Prozess mit Staatsanwältin Carolin Schwegler spielten die Angeklagten ihre Tatbeiträge herunter. Der 29-Jährige behauptete, er habe »unter Suchtdruck gestanden« und bei dem ersten Überfallenen Heroin vermutet. Als man dort nichts gefunden habe, sei man weiter zu dem 41-Jährigen. Beide Nebenkläger wiesen zurück, mit Drogen etwas zu schaffen zu haben. kd