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»Ich habe unangemessen reagiert«

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Viele Akten lagen gestern beim Prozessbeginn gegen den ehemaligen Polizeichef von Rosenheim auf einem Tisch. Der Beamte ist wegen Körperverletzung im Amt angeklagt.

In einer dienstlichen Stellungnahme ist noch von einer Art Unfall die Rede gewesen. Gestern räumte der wegen Körperverletzung im Amt an einem 15-jährigen Schüler zur Herbstfestzeit 2011 angeklagte frühere Chef der Polizeiinspektion Rosenheim vor dem Landgericht Traunstein immerhin strafbares Tun ein. Der 51-Jährige sprach von »Kniestößen« und »Watschen«. Den Buben habe er in der Wache gegen die Wand gestoßen, ihn aber »nicht mit Genuss fünfmal gegen die Wand gehauen«. Entsprechende Vorwürfe der Familie im Vorfeld wies er zurück. Solche Behauptungen seien »schlicht und einfach gelogen«. Der Prozess war gestern unter großem Medieninteresse gestartet. Er wird am heutigen Dienstag sowie am 27. und 29. November jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.


Der Angeklagte soll den Schüler nach einer Schlägerei vor einem Fahrgeschäft gegen 22 Uhr auf die Wiesenwache gezerrt haben. Schon auf den Weg dorthin soll er den Buben – der sich nicht körperlich, nur verbal wehrte – an der Schulter gepackt und ihn mindestens fünfmal Mal mit dem Knie gegen das Gesäß gestoßen haben. Eine Ohrfeige soll gefolgt sein, als der 15-Jährige aufgebracht nach dem Grund für die Behandlung fragte. In der Wiesenwache soll der 51-Jährige den bereits blutenden Geschädigten von einer Bank hochgezogen, den Schüler gedreht und mindestens zwei Mal mit dem Gesicht gegen die Wand geschlagen haben. Der Jugendliche trug starke Schmerzen, einen abgebrochenen Schneidezahn, eine Platzwunde an der Unterlippe, Schäden an zwei Backenzähnen und einen Bluterguss am Schienbein davon.

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Der Angeklagte, dem mit der Suspendierung im März die A-14-Dienstbezüge um ein Viertel gekürzt worden sind, gab sich gestern reuig, nicht aber geständig im Sinne der Anklage. Nach 14 Jahren als Dienststellenleiter der Münchener Verkehrspolizei war er 2009 an das Polizeipräsidium Oberbayern in Rosenheim gewechselt. Mitte 2010 übernahm er die angegliederte Inspektion. Damit war er auch für das Herbstfest 2011 zuständig.

An jenem Tag mit Dienst ab 18 Uhr sei er gestresst gewesen – durch eine Rockergruppe, die abends auf das Herbstfest wollte. Der Angeklagte schilderte, nach dem Rockereinsatz seien ihm Kollegen entgegen geströmt, die zu einer Schlägerei vor der Wildwasserbahn gerufen worden waren. Er sei hinterher. Der 15-Jährige als einer der mutmaßlichen Täter habe bereits Handschellen getragen. Um die Beamten bei der Suche nach dem Haupttäter zu entlasten, habe er zusammen mit einem Kollegen den Jugendlichen mitgenommen.

Im Fußgängerstrom habe der Junge mehrfach angehalten, ihn auch in Rappersprache beschimpft: »Ich habe ihn mit dem Knie angestoßen, aber nicht in die Nieren.« Im Wachraum habe er verlangt, dass sich der 15-Jährige setzt. Der Jugendliche habe nicht reagiert. Da habe er ihn geschubst. Aus Angst, mit dem Kopf gegen die Wand zu stoßen, habe sich der Bub gedreht und sei dadurch mit dem Gesicht gegen die Wand gefallen. Erst habe der Jugendliche kaum geblutet, später stärker: »Das hat mir leid getan«, so der Angeklagte gestern. In einem Entschuldigungsschreiben vom 20. Oktober 2012 an den inzwischen 16-Jährigen schreibt der suspendierte Polizeichef: »Es war nicht meine Absicht, dass Du mit dem Kopf gegen die Wand stößt.«

Der schmächtige 16-Jährige schilderte gestern, dass der Angeklagte ihm auf dem Weg zur Wache mehrere Tritte in die Nieren gegeben habe. In der Wache sei er immer lauter geworden, er selbst »natürlich auch«. Beleidigt habe er den 51-Jährigen »da noch nicht«, antwortete der Schüler auf Fragen. Dann sei er, immer noch mit Handfesseln am Rücken, von der Bank hochgerissen, umgedreht und mit dem Gesicht mindestens drei Mal gegen die Wand geschlagen worden.

Der 51-jährige Angeklagte entschuldigte sich gestern bei dem Schüler, schränkte gleichzeitig ein, dessen Darstellung weise er in Teilen zurück. kd