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»Ich glaube nicht, dass er das will«

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Traunstein. So gut wie er kennt wohl kein anderer Mensch im Landkreis Traunstein Papst Benedikt XVI.: Dr. Rupert Berger hat im Sommer 1951 zusammen mit den Ratzinger-Brüdern Primiz gefeiert, noch heute verbindet ihn mit beiden eine Freundschaft. Der Traunsteiner Ruhestandspfarrer und das Kirchenoberhaupt schreiben sich regelmäßig Briefe, Dr. Rupert Berger besucht den Papst seit dessen Amtsantritt alle zwei Jahre in Rom. Mit dem Traunsteiner Tagblatt hat der 86-Jährige gestern über den Rücktritt des Pontifex gesprochen.


Wie haben Sie vom Rücktritt des Papstes erfahren?

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Dr. Rupert Berger: Beim Spazierengehen hat man mich auf der Straße angesprochen. Ich bin dann zu meiner Schwester und habe den Fernseher angeschaltet. Da ist fast überall was über den Rücktritt gelaufen.

Was schoss Ihnen als erstes durch den Kopf?

Berger: Das ist schwer zu sagen. Er hatte ja schon angedeutet, dass ein Rücktritt für ihn im Bereich des Möglichen liegt. Also konnte man irgendwie damit rechnen. Ich kenne ihn ja gut und wusste, dass er in letzter Zeit gesundheitliche Probleme hatte. Er schrieb mir ein paar Mal, dass vor allem die Auslandsreisen für ihn beschwerlich sind. Darum war die Nachricht für mich nicht direkt überraschend. Und doch bleibt einem im ersten Moment fast das Herz stehen.

Wie schwer glauben Sie, ist ihm die Entscheidung, zurückzutreten, gefallen?

Berger: Zum einen glaube ich, dass er die Entscheidung im Kern sicher alleine getroffen hat. Der Schritt ist ihm sicherlich schwer gefallen und doch glaube ich, dass er ihm auch eine Erleichterung gebracht hat. Ich glaube, dass er gerade im vergangenen Jahr auch viele negative Erlebnisse hatte. Wenn vieles zum Beispiel nicht vorwärts ging, etwa mit der Piusbruderschaft. Ich glaube aber auch, dass er in Rom einige Enttäuschungen erfahren musste. Das mit dem Leibdiener war in meinen Augen nicht mal das Ärgste.

Halten Sie den Rücktritt für einen mutigen Schritt?

Berger: Dieses Eingeständnis der menschlichen Schwäche, das »Ich kann nicht mehr«, das ist sicher nicht ganz einfach.

Wie glauben Sie, wird es für Papst Benedikt jetzt weitergehen?

Berger: Der erste und einzige Papst, der vor ihm zurückgetreten ist, hat sich in ein Kloster zurückgezogen. Ich glaube aber nicht, dass Papst Benedikt das will.

Glauben Sie, dass er zurück nach Bayern kommen wird?

Berger: Das Klima, also das Wetter, taugt ihm in Rom besser. Von daher glaube ich, dass er in Rom bleiben wird. Nein, ich glaube nicht, dass er zurück nach Bayern kommen wird. Aber ich bin mir sicher, dass er sich zurückziehen will, in ein Häuschen zum Bücherschreiben. Ob ihm das gelingen wird, weiß ich nicht.

Was wird über Papst Benedikt XVI. in den Geschichtsbüchern stehen?

Berger: Seine Hauptstärke war der geistliche Dienst, seine Enzykliken zum Beispiel. Da hat er einfach eine geniale Begabung. Die hatte er schon immer. Was mich aber wirklich erstaunte, war, wie zugänglich er mit seinem Amtsantritt wurde, wie er sich geöffnet hat. san