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»Ich fühl' mich so richtig daheim«

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Sehr zur Freude von Verleger Thomas Miller und seiner Ehefrau Patricia segnete der Heilige Vater ihre drei Monate alte Tochter Magdalena. (Fotos: Artes)

Dieser Abend wird dem emeritierten Papst Benedikt XVI. noch lange in Erinnerung bleiben: Rund 120 Gratulanten waren auf Initiative der Stadt Traunstein, und organisiert von Hans Wembacher, in den Vatikan gereist, um dem Heiligen Vater zu seinem 65. Priesterjubiläum zu gratulieren. Mit großer Freude nahm er vor dem Kloster Mater Ecclesia, in dem er seit seinem Rücktritt vor rund drei Jahren lebt, die vielen Glückwünsche entgegen: »Ich möchte einfach ganz herzlich für alles Vergelt's Gott sagen. Ich fühl' mich so richtig daheim.«


Der 89-Jährige strahlte vor Freude, als er die Gäste aus seiner Heimat mit einem schlichten »Guten Abend« begrüßte. Zum Auftakt in einen Abend in ungezwungener Atmosphäre hatte die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Unterpfaffenhofen dem Heiligen Vater ein flottes Stück aufgespielt.

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Auch wenn Benedikt XVI. altersbedingt geschwächt die meiste Zeit saß, ließ er es sich dennoch nicht nehmen, immer wieder aufzustehen, um die Gratulationen und Geschenke seiner Ehrengäste entgegen zu nehmen. Außerdem nahm er sich für jeden Gratulanten Zeit für ein kurzes Gespräch, fragte nach der Heimat und erzählte Anekdoten aus seiner Zeit in Traunstein.

Den Auftakt bei den Glückwünschen machte der Landeshauptmann der Gebirgsschützen, Karl Steininger. Er dankte Papst Benedikt XVI. nicht nur dafür, dass Gebirgsschützen und Ehrengäste an der Feier in kleiner Runde teilnehmen dürfen, sondern brachte auch Geschenke mit: eine CD mit Marsch-Musik für den Heiligen Vater sowie für seinen Bruder Georg Ratzinger, der aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Rom gereist war.

Verbundenheit zu Traunstein

Traunsteins Stadtpfarrer Georg Lindl überbrachte die Grüße der Pfarrei St. Oswald. Er warf einen Blick in die Geschichte: So sei Benedikt XVI. erst der zweite Papst, der sein 65. Priesterjubiläum feiern dürfe. Lindl dankte dem Heiligen Vater, dass er bei seiner Priesterweihe bereit war, sich wortwörtlich binden zu lassen, denn den Priestern wurden damals die Hände verbunden, als sie ihren Segen erhielten. Durch diese Bindung sei schließlich auch die Verbundenheit zu Traunstein entstanden.

Sehr erfreut war der Heilige Vater vor allem, als ihm Pfarrer Lindl die Glückwünsche von Rupert Berger übermittelte. Zu diesem hat Benedikt XVI. eine besondere Beziehung: Gemeinsam haben sie vor 65 Jahren die Priesterweihe empfangen und kurz nacheinander in Traunstein Primiz gefeiert. Seitdem pflegen sie eine jahrzehntelange Freundschaft. Doch wie auch schon Benedikts Bruder Georg Ratzinger konnte auch Rupert Berger aus gesundheitlichen Gründen nicht mit in den Vatikan kommen.

»...dass wir nicht wieder 1000 Jahre warten müssen«

Gratuliert wurde dem emeritierten Papst auch von Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel, der ebenfalls zurückblickte. 1951 haben Hunderte Traunsteiner die Primizianten gefeiert, zu denen Benedikt damals gehörte, und auch heute – 65 Jahre später – sei die Begeisterung für den Papst in der Großen Kreisstadt noch sehr groß. Auch wenn es für Benedikt XVI. wohl eher nicht möglich sein wird, äußerte Kegel dennoch den Wunsch, den 89-Jährigen einmal in Traunstein begrüßen zu dürfen.

Die Glückwünsche des Landkreises Traunstein überbrachte Landrat Siegfried Walch. Es habe schon einmal einen Papst aus Bayern gegeben, fast 1000 Jahre seien danach vergangen. Nun gebe es endlich einen »Chiemgauer Papst«: »Lasst uns beten, dass wir nicht wieder 1000 Jahre warten müssen«, sagte Walch und brachte Benedikt XVI. damit zum Lachen. Er wünschte dem »Chiemgauer in Rom« noch viel Zeit auf Erden in verdienter Ruhe.

Seit seinem Rücktritt lebt Papst Benedikt XVI. im Vatikan sehr zurückgezogen. Große Auftritte gibt es von ihm nicht und auch beim Empfang von Gästen verzichtet der 89-Jährige komplett auf Medienbegleitung. Umso größer war deshalb die Freude, dass für unsere Zeitung eine Ausnahme gemacht wurde. Unser Verleger Thomas Miller und Redakteurin Julia Artes durften an der Feierstunde teilnehmen und übermittelten die Glückwünsche unserer Leser. Thomas Miller übergab dem Heiligen Vater ein Bild mit vielen Fotos von seiner Primizfeier in Traunstein und dem Artikel, der damals in unserer Zeitung erschienen ist. Mit den Worten »Damals waren wir noch jung« nahm Papst Benedikt das Geschenk dankbar entgegen. Sichtlich gefreut hat er sich auch über eine Ausgabe des Traunsteiner Tagblatts sowie Pralinen, die Julia Artes mitbrachte.

Noch größer war die Freude dann aber bei Thomas Miller und seiner Ehefrau Patricia: Benedikt XVI. segnete ihre drei Monate alte Tochter Magdalena, die jüngste Gratulantin an diesem Abend, die den 89-Jährigen als Dank anlächelte.

Bier und Bücher als Geschenke

Im Mittelpunkt stand an diesem Abend aber nur Papst Benedikt. Er hatte sichtlich Freude an den kurzen Gesprächen und den vielen Geschenken, die vor allem mit seiner Heimat zu tun hatten. So gab es von Stadtpfarrer Georg Lindl Bücher über das Ettendorfer Kircherl und den Georgiritt. Landrat Siegfried Walch und die stellvertretenden Landräte Resi Schmidhuber, Sepp Konhäuser und Andreas Danzer haben dem emeritierten Papst Bier aus der Region mitgebracht, die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber hatte Spezialitäten aus dem Berchtesgadener Land dabei.

Obwohl noch lange nicht alle Gratulanten persönliche Worte mit Papst Benedikt wechseln konnten, beendete Erzbischof Georg Gänswein den Empfang nach rund einer Stunde. Wie er sagte, sei für den Heiligen Vater alles sehr anstrengend. So wirkte dieser zum Ende zwar sehr geschwächt, er ließ es sich allerdings nicht nehmen, noch einmal aufzustehen und gemeinsam mit den Gebirgsschützen die Bayernhymne zu singen - der perfekte Abschluss für einen Abend, der sowohl für Benedikt XVI. als auch für die Besucher ein ganz besonderes und einzigartiges Erlebnis war. Julia Artes