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»Ich bin vom Ordinariat quasi vergessen worden«

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Gehen am 1. September in den Ruhestand und zelebrierten gestern ihren letzten gemeinsamen Gottesdienst: Pfarrer Walter Laakmann (links) und Diakon Anton Lörzel.

Taching am See – Generationen von Tachingern, Tenglingern, Törringern und Tettenhausenern hat er die Sakramente gespendet, von der Taufe bis zur Beerdigung: Nach 40-jähriger Tätigkeit in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt ist Pfarrer Walter Laakmann am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Abschied von dem beliebten Seelsorger war tief bewegend; auch Tränen flossen während des Gottesdienstes. »Es muss weh tun, sonst wäre es nicht so schön gewesen«, sagte Laakmann. Im Anschluss klang der Tag im Festzelt neben der Neuen Kirche mit einem Pfarrfest aus.


Tosender Applaus im Gotteshaus

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Als Laakmann vor dem Gottesdienst in »Zivil« die Kirche betrat, brannte spontan tosender Applaus auf. Vor dem Altar, den Gartler aus Taching, Tengling und Törring geschmückt hatten, blieb er stehen vor einem Porträt von ihm aus Körnern. Kopf schüttelnd ging er zur Sakristei – großes Aufhebes um seine Person hat er stets vermieden. Auch seinen Abschied wollte er »heimlich, still und leise« nehmen.

Da hatte der Herr Pfarrer die Rechnung jedoch ohne seine »Schäfchen« gemacht. Beim Einzug in die Neue Kirche ging Diakon Anton Lörzel vor ihm. Auch er geht am Dienstag in Ruhestand. Beiden war die Rührung deutlich anzumerken.

In Laakmanns Predigt ließ er immer wieder auch persönliche Erinnerungen einfließen. Denn eigentlich wollte der 35-Jährige bei Dienstantritt am 15. August 1975 gar nicht in Taching bleiben. Die Einheimischen begegneten dem »Preißn« mit Zurückhaltung. »Wenn ich meinem Heimatpfarrer sagte, die mögen mich hier nicht, bekam ich stets zu hören, ich solle zwei Jahre in Taching bleiben. Dann würde man weitersehen. Ich habe dann diesbezüglich nichts mehr unternommen und das Ordinariat auch nicht. So bin ich quasi vergessen worden«, resümierte er unter dem Lachen der Gottesdienst-Besucher. Inzwischen seien ihm Bayern und Taching zu einer lieb gewonnenen Heimat geworden: »Und ich hoffe, dass ich nie ein falsches Gefühl von Heimat vermittelt habe.«

Alle durften ihn stets mit »Du« anreden

So durften alle Pfarrei-Mitglieder ihn von Anfang an mit »Du« anreden. »Das habe ich von euch gelernt«, erinnerte er sich. Auch wenn es schmerze, so gehe er nun mit Freude und Neugier auf dem neuen Lebensweg. Seinem Nachfolger, Dr. Christoph Hentschel, rief er zu: »Fang an, ohne mich. Du findest hinein. Die Pfarrei lässt sich nur schwer führen, denn sie will mitmachen!«

»Wir nehmen Abschied von einer markanten Persönlichkeit«, sagte Pfarrei-Mitglied Anton Stief. Er wünschte Laakmann noch viele Jahre voller Glück, Erfüllung und Gottes Segen: »Du bist aus der Fremde gekommen und hast uns Heimat geschenkt. Jetzt geht ein Stück Heimat mit Dir.« Auch Kirchenpfleger Hans Frisch würdigte seinen Einsatz beim Zusammenwachsen der vier ehemals selbstständigen Pfarreien

Sehr emotionale Ansprachen hielten die Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Maria Kaiser und ihre Vorgängerin Astrid Fenninger. »Ich sage einfach nur danke. Denn es gibt so vieles, wofür wir Dir zu danken haben«, erklärte Kaiser. Viele Dorfbewohner verbänden heitere Kindheits- und Jugenderinnerungen mit Laakmann; die Feste mit ihm seien unvergesslich. Seine Lieder und Predigten berührten die Menschen, ließen sie an seinen Gedanken teilhaben und übertrugen die Erzählungen der Bibel in die heutige Zeit. »Du hast uns gezeigt, worauf es im Leben wirklich ankommt und hast uns für den Alltag gestärkt«, sagte sie.

Astrid Fenninger blickte auf die rast- und ruhelosen Anfangsjahre des Geistlichen zurück. »Im Wandel der Zeit ist aus dem Rastlosen ein Wanderer und schließlich ein Pilger geworden«, bilanzierte sie. Laakmann habe seine Lebensfreude, Spontanität und Kreativität mit den Mitgliedern der Pfarrei geteilt. Niemals habe er die Gläubigen mit Floskeln und Phrasen abgespeist. »Ich habe Dich stets als Mensch erlebt, der ein besonderes Herz hat. Es sitzt am rechten Fleck und hat die Fähigkeit zu lieben«, erklärte sie: »Ich hoffe, das 'Du' verbindet uns auch über den heutigen Tag hinaus.« Fenninger, Kaiser und Frisch überreichten Laakmann ein Gemälde von Altbürgermeister Hubert Schmid, das die Kirche in Burg darstellt.

Pfarrer Dr. Hans Huber, Dekan des Dekanats Baumburg, gab Walter Laakmann den »Wegsegen« von Katja Süß mit auf den bevorstehenden Lebensabschnitt. An die Gläubigen appellierte er, Laakmanns Nachfolger offen aufzunehmen: »Schätzt Euch glücklich, dass es einen Nachfolger gibt. In vielen anderen Pfarreien ist das nicht mehr der Fall.«

Bürgermeisterin Ursula Haas rief den Anwesenden die Entwicklung der Pfarrei in Erinnerung. Bis 1980 waren Tengling und Törring noch eigene Pfarreien, zehn Jahre später kam Tettenhausen zum Pfarrverband dazu. »Allerdings existierte dieser zunächst nur auf dem Papier. Es gab wenige Verknüpfungspunkte«, sagte sie. Um das Zusammenwachsen zu fördern, habe Laakmann die Kinder und Jugendlichen in die Kirchenarbeit eingebunden.

Schon 1980 gab es eine gemeinsame Kommunion und Firmung. Auch über die Musik und seine unkonventionelle Art, mit der Laakmann mit den Pfarrangehörigen lebte, hätten dazu beigetragen, dass aus den ehemals vier Pfarreien und dem Pfarrverband 2007 eine Pfarrei wurde. »Herr Pfarrer, Du kannst sehr zufrieden sein, mit dem, was Du hier bewirkt, gestaltet und geleistet hast«.

»Wie gut, dass Sie damals vergessen worden sind«

»Wie gut für die Pfarrei Mariä Himmelfahrt, dass Sie damals vergessen worden sind«, begann Tittmonings Zweiter Bürgermeister Andreas Bratzdrum seine kurzen Ausführungen. Er würdigte Laakmann als »Seelsorger und Manager mit unbändiger Energie«, der auch die schwierige Entstehungsgeschichte des Kindergartens Tittmoning zu einem guten Ende geführt habe. Den Präsentkorb mit bayerischen Spezialitäten verstand er nicht nur als Abschiedsgeschenk, sondern auch als Willkommensgruß an den Geistlichen. Denn im Tittmoninger Ortsteil Ettenau wird Walter Laakmann seinen Ruhestand verbringen. »Vergelt's Gott für ois, Pfarrer«, sagte er.

Danach wurde ausgelassen gefeiert. Die Musikkapellen Tengling und Törring unterhielten mit bekannten Melodien und Ludwig Stief zeigte in der Neuen Kirche eine Diaschau über die vergangenen 40 Jahre mit Pfarrer Walter Laakmann. Mit einem bunten Programm und einer Matinee der Salonmusik »Saitensprünge« klang das Pfarrfest aus. mia