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»Ich bin sehr froh, hier zu sein«

Übersee. »Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich hier in Übersee auf Dauer bleibe, aber versprechen kann ich es natürlich nicht«, sagt Dr. Pierre Makanga. Das Traunsteiner Tagblatt traf den neuen katholischen Pfarrer aus dem Kongo mitten im Umzugsstress. Am 31. August ist er zwar schon in der Gemeinde empfangen worden (wir berichteten), offiziell wird er jedoch erst am 30. September in sein Amt eingeführt.

»Ich habe in Deutschland eine Kultur gefunden, die zu mir passt und in der ich gut arbeiten kann. Das macht mich mehr als glücklich«, sagt Dr. Pierre Makanga. Offiziell ins Amt als Überseer Pfarrer eingeführt wird er am 30. September. (Foto: vom Dorp)

»Ich bin sehr froh, hier zu sein«, sagt der Pfarrer in exzellentem Deutsch. Der herzliche und grandiose Empfang an der Autobahn mit einer mit Blumen geschmückten Kutsche sei eine tolle Überraschung gewesen und habe ihn emotional sehr beeindruckt. Gleichzeitig habe er darin auch ein Signal gesehen, »dass die Leute mich akzeptieren und mir die Chance geben, hier zu leben und zu arbeiten.«

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Makanga hat acht Geschwister

Der 47-jährige Dr. Pierre Damien Ndombe Makanga, so sein vollständiger Name, hat einen weiten und ereignisreichen Weg vom Kongo bis nach Übersee zurückgelegt. Als ältestes von neun Kindern in Lubonge (Kongo) geboren, wuchs er in einem streng katholischen Haushalt auf. Für seinen Vater (Lehrer) und seine Mutter (Hausfrau) war die Kirche ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Makanga selbst war lange Ministrant und übernahm schon früh die Jugendarbeit und die Dienste eines Lektors in seiner Heimatgemeinde.

Gleich nach dem Abitur mit den Schwerpunktfächern Mathematik und Physik 1986, absolvierte er ein einjähriges Praktikum als Priesterkandidat. Es folgten neun Jahre Priesterseminar und anschließend die Weihe zum Diakon und im Jahr 1997 zum Priester. Danach sammelte er die ersten praktischen Berufserfahrungen als Kaplan im Kongo. Auf Wunsch seines kongolesischen Bischofs entschloss er sich wenig später, seine Studien fortzusetzen und seinen Doktor zu machen. Durch die Bemühungen seines Bischofs erhielt er dafür ein Stipendium in Deutschland. In sechs Monaten lernt er zunächst in Fulda die deutsche Sprache. Es folgen die Stationen Benediktbeuern während des Studiums, als Kaplan in Stockdorf bei Gauting, die Promotion in Theologie 2007 und als Pfarrer in Trudering. Seit dem Jahresende 2010 arbeitete er an seiner zweiten Dissertation in Sozial-Philosophie, die er jetzt abgeschlossen hat. Ab 1. September begann seine Tätigkeit als neuer Pfarrer von Übersee, in die er offiziell am 30. September eingeführt wird.

Mit dem Ort Übersee wird Makanga erstmals »konfrontiert«, als Erzbischof Reinhard Marx ihm vorschlägt, diese Pfarrei zu übernehmen. In der Zeit der Entscheidungsfindung habe er sich dann mehrmals privat in Übersee aufgehalten, um sich die Gemeinde und die Kirche anzuschauen. Alles habe ihm gefallen. Auch dass Übersee halb Dorf und halb Stadt ist, wie er sagt, kam ihm sehr entgegen. »So kann ich einen direkten Kontakt zu den Menschen im Dorf aufbauen, was in München kaum möglich ist«, freut sich der 47-Jährige.

Er liebe das Gespräch mit den Menschen. »Zum Einen, um deren Sorgen und Nöte kennenzulernen, zum Anderen aber auch, um meine eigene Spiritualität zu stärken«, so der Geistliche. Parallel dazu sei ihm das Schreiben ein großes Anliegen. Bislang seien drei Bücher in französischer Sprache erschienen, darunter über die »Politische Theologie« und die »Theorie der Anerkennung«. Weitere drei Bücher, diesmal auch in Deutsch, seien abschlussreif.

Kinderfilme zur Entspannung

Nach seinen Hobbys befragt, reagiert Makanga zurückhaltend: »Da bin ich zeitlich sehr begrenzt, weil ich meine Energie nicht verschwenden will.« Zur gelegentlichen Entspannung schaue er aber sehr gern Kinderfilme an, weil diese virtuelle Welt gut sei und keine Intrigen und Tricks kenne. Von seiner Lieblingsserie »Unsere kleine Farm« habe er sogar alle Folgen gekauft, gesteht er schmunzelnd.

Seit nahezu 14 Jahren ist Makanga mittlerweile in Deutschland. Was gefällt ihm an den Deutschen und was nicht? Als Afrikaner und als Mensch hätten ihn anfangs die Zurückhaltung, die mangelnde Offenheit und die geringe Spontaneität gestört. Er habe aber gelernt, dass das nichts mit Misstrauen oder Vorurteilen zu tun habe, und inzwischen könne er damit leben. Hoch schätzt Makanga dagegen die Disziplin und das Engagement der Deutschen gegenüber ihrer Arbeit. Vor allem im Vergleich zu den Afrikanern, aber auch zu den Franzosen und den Belgiern. »Ich habe in Deutschland eine Kultur gefunden, die zu mir passt und in der ich gut arbeiten kann. Das macht mich mehr als glücklich«, so Dr. Makanga strahlend. bvd