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»Ich bin im Paradies gelandet«

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Traunstein. Im Prozess gegen einen 65-jährigen Priener wegen Totschlags an seiner 63-jährigen Freundin – die Frau starb am 11. August 2013 nach 14 Messerstichen (wir berichteten) – hörte das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gestern Freunde, den Sohn und den Mann des Opfers an. Sie berichteten, die Frau habe sich in den Angeklagten verliebt, sich zurückgezogen und krank gewirkt. Der Prozess wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt.


Mehrere Behauptungen des Angeklagten wurden gestern von Zeugen widerlegt. So hatte er als Grund für den Umzug der Frau nach Prien deren »Eheprobleme« angegeben. Der 75-jährige Mann der Getöteten berichtete hingegen von gemeinsamen Plänen. Seine Frau und er hätten kurzzeitig in ein Wohnstift gewechselt, seien aber wieder ausgezogen. Gemeinsam habe man den Umzug der Frau im Januar 2013 nach Prien beschlossen. Sie habe dort Jugendfreunde gehabt, neue Freunde gefunden und ihm geschrieben: »Ich bin im Paradies gelandet.« Sie hätten »getrennt vereint« leben wollen.

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Eine Maklerin habe ihm eine kleine Wohnung suchen sollen: »Danach wollten wir uns um etwas Größeres umsehen.« Am 4. März 2013 habe er seine Frau letztmals gesehen. Kurz danach habe sie »Knall auf Fall« die Scheidung eingereicht. Ihr Freundeskreis habe sich Sorgen gemacht. Auf Vorhalt durch Nebenklagevertreter Walter Lechner wegen finanzieller Sorgen des Opfers reagierte er empört: »Es ist eine Unverschämtheit, dass sich der Angeklagte selbst entlastet, der Habenichts. Ich bin kein armer Schlucker.«

Der 29-jährige Sohn des Opfers, mit seiner 32-jährigen Schwester Nebenkläger, betonte das »distanzlose Verhalten« des Angeklagten. Freunde sagten, die Frau sei schriftstellerisch tätig gewesen. Einem Zeugen gegenüber äußerte sie den Verdacht, der Freund stütze sich finanziell auf sie. Eine Freundin vermutete als Grund für ihren Rückzug: »Wir dachten an Drogen. Der Angeklagte war Chemiker. Wir dachten, er gibt ihr Substanzen, die ihre Persönlichkeit verändern.«

Als »absurd« und »Lüge« bezeichnete der in dritter Ehe verheiratete Angeklagte eine Aussage einer seiner Ex-Ehefrauen, wonach er sie »wie eine Sklavin gehalten«, Sex mit Messern erzwungen, Todesdrohungen ausgestoßen, insgesamt ihr Leben »zerstört« habe. Eine tödliche und fünf weitere schwerste Verletzungen durch Stiche mit heftiger Gewalt von vorne stellte Professor Wolfgang Keil vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München bei der Obduktion fest. Beim Angeklagten habe er nur zwei kleine, nicht lebensbedrohliche Wunden entdeckt – was dazu passe, dass er Selbstmord im Sinn gehabt habe. kd