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»Ich bin der letzte Mensch«

Traunstein. Gemeinsam mit der schuleigenen Jazz-Combo zeigten die Mitglieder der Theatergruppe am Chiemgau-Gymnasium das absurd-dramatische Stück »Die Nashörner« von Eugen Ionesco an zwei Abenden in der Traunsteiner Klosterkirche. Dabei konnten die Zuschauer sich ein Bild davon machen, dass die Jugendlichen keine Mühen gescheut hatten, den hohen Anspruch des Stücks, die schwierige Thematik und die fordernden Textpassagen in sich aufzunehmen und für das zahlreich erschienene Publikum auf das Beste vorzubereiten.

Zu »Nashörnern« wurden die jungen Schauspieler auf der Bühne: Jonas Trautner (von links), Florian Schweiger, Alexandra Kick und Hannah Hächer. (Foto: B. Heigl)

Ionesco, so wird vermutet, hat in seinem gleichnamigen Buch Kritik an totalitären Regimen geübt und gleichzeitig die Gefahr aufgezeigt, wie gefährlich beeinflussbar der Mensch als Massefaktor sein kann. Die Geschichte spielt in einer Stadt, in der plötzlich ein Nashorn auftaucht. Zuerst ist es nur ein Nashorn, das durch die Stadt rennt – von der Jazz-Combo musikalisch spannend umgesetzt –, dann werden es immer mehr. Anfangs verschließen die Menschen noch die Augen vor der Tatsache und verleugnen die immer größer werdende Population der Unpaarhufer, dann aber werden sie selbst zu Nashörnern.

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Wie eine ansteckende Krankheit breitet sich die Rhinositis aus. Nur einer bleibt von dieser »Krankheit« verschont. Ein junger Mann namens Behringer, gespielt von Jonas Trautner, widersteht dem Treiben. Er macht sich seine eigenen Gedanken, während sich seine Freunde und Bekannte meist mit einem schablonenartigen Sprachpanzer umgeben und im Laufe der Handlung selbst zu Nashörnern werden. Das Stück hat auch ein trauriges Ende, welches mit Behrings Resümee »Ich bin der letzte Mensch« die Zuschauer zurücklässt.

Die Schüler haben sich bei den beiden Aufführungen die Seele aus dem Leib gespielt, sind eingetaucht in das immer bedrückender werdende Szenario. Trotz begeisterten Schlussapplauses blieben die Gesichter der Darsteller noch lange ernst. Das war schön. Auch wenn dies womöglich noch zur gelungenen Theaterregie des Deutsch-Lehrers Richard Steiger dazugehört hat. Erst als der Schulleiter, Oberstudienrat Klaus Kiesl, den etwa 30 Mitwirkenden höchstpersönlich jeweils eine Rose überreichte, entspannte sich das Mienenspiel der jungen Mimen ein wenig. Die Leitung der Jazz-Combo lag in den Händen von Lehrerin Christina Pigerl, die auch am Piano saß.

Keinen unwesentlichen Anteil an diesem faszinierenden Theaterabend, bei dem es den Schülern mit großem Aufwand gelang, der Klosterkirche mit Stühlen, Tischen und einer Sitztribüne Jazzlokalflair zu entlocken, hatte die Hausherrin, Sigrid Ackermann von ARTS. Auch sie musste zaubern. Um die Akustik der Kirche zu verbessern, hat sie noch schnell nebenbei ein großes Stoffsegel genäht und mit Hilfe des Bauhofes aufgehängt. heib