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»I mogs sauba hom«

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»Servus!« »Moagn.« »Hawidehre!« – Es gibt kaum einen Passanten, den Hans Hack auf seinen Touren nicht grüßt. Fast alle grüßen lächelnd zurück. Mit seinem »Karrei« sorgt er für Sauberkeit in Traunsteins Innenstadt. (Foto: Bauer)
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Traunstein – 6 Uhr morgens. Der Himmel ist sternenklar und es ist kalt. Arbeitsbeginn für Hans Hack. In der »finstern Stiagn« hinter dem Rathaus hat der Wegmacher sein Kammerl. Da hängen die Arbeitskleidung, allerhand Schaufeln, Eimer und sein »Karrei«. Besen auf die eine Seite, Eimer auf die andere, hinten rein noch ein paar Mülltüten und Putzzeug, orangefarbene Jacke übergeworfen und schon geht’s los.


»Jetzt muaß i erst amoi mei Streckn macha«, sagt der 54-Jährige. Seit sieben Jahren ist Traunsteins Innenstadt das Revier des kräftigen Mannes mit dem freundlichen Gesicht. Mit seinem Eimer in der Hand stapft er die Treppe zum Karl-Theodor-Platz hinunter, schaufelt in der Parkgarage Streusalz in den Eimer und streut damit die Wege rund um die Zugänge zum Rathaus, zur Parkgarage, zu den Notausgängen und der Höllbräupassage. »Immer ausm Handglenk raus« lässt er das Salz über die glatten, gefrorenen Stellen rieseln. Nicht zuviel, sonst zieht das Salz wieder Wasser.

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»Da braucht’s ned vui und scho liegst do«

Die Stadt ist um diese Zeit noch menschenleer. Eine angenehme Ruhe. Nur der gefrorene Schnee knirscht unter seinen Füßen. Weiter geht es die Treppe hinauf zur nächsten Salzkiste. Eimer füllen und streuen, vor dem Rathaus und der Pfarrkirche St. Oswald, die Schnitzlbaumer-Stiege runter, wieder rauf und rüber zum Löwentor. »Des Pflaster is a Luada. Da braucht’s ned vui und scho liegst do«, prüft er verschiedene Stellen auf dem Kopfsteinpflaster. Von Salzkiste zu Salzkiste muss er sich sein Streugut einteilen. »I hob sieben Parkautomaten, de muas i a olle freimacha.« Heute bedeutet das Salzstreuen. An anderen Tagen streut er auch Kiesel oder muss, wenn es schneit, schaufeln. Viel schaufeln. Denn überall, wo der Schneepflug nicht hinkommt, müssen die Mitarbeiter des Bauhofs die Zugänge, Zufahrten und Wege per Hand freimachen. »Do host scho richtig vui zum doa«, erinnert er sich an die verschneiten Wochen im vergangenen Januar.

Dagegen ist heute ein entspannter Tag. Es ist immer noch dunkel, als Hans Hack mit seiner ersten Runde fertig ist. Langsam erwacht die Stadt und die ersten Leute gehen dick eingemummelt in die Arbeit. »Moagn Hans« hört man von allen Seiten. »Moagn, Hawidehre« erwidert der freundliche Mann. Er ist beliebt bei den Bürgern der Stadt, das spürt man bei jeder Begegnung, bei jedem kurzen Gespräch. Auch ihm ist es wichtig, mit den Leuten gut auszukommen. »Ich pass auch a bisserl auf die Bürger auf«, erzählt er nicht ohne Stolz und erinnert sich an die ein oder andere Situation, wo er vom Wegmacher zum Helfer in der Not mutierte.

Jetzt geht es mit dem »Karrei«, wie Hans sein Wagerl nennt, weiter. Er leert die Mülleimer und sammelt mit einer langen Greifzange Müll vom Boden ein. »Ja, do hamma heid a Pech« versucht er, festgefrorene Zettel vom Pflaster aufzugreifen. Mit dem Schuh probiert er, den Papierfetzen loszulösen. »Hi und do muaßt a a Glück hom«, freut er sich beim nächsten Stück Papier, das sich löst. Hans Hack nimmt es genau mit seiner Arbeit. »I mogs sauba hobn.« Das Karrei füllt sich langsam. Mindestens zwei volle Wagerl Müll sammelt er Tag für Tag. Immer von 6 Uhr früh bis 15.30 Uhr ist er in der Innenstadt unterwegs.

»De Leit sagn, sie segn, wenn i moi ned da bin.« Aussagen wie diese freuen den 54-Jährigen. Neben Hans Hack ist noch ein zweiter Wegmacher bei der Stadt beschäftigt. Er ist im Umfeld des Bahnhofs im Einsatz - eben dort, wo sich im Laufe des Tages die meisten Menschen tummeln.

»Hans, Dich müsste man in Bronze gießen«

Hack mag seinen Beruf. Einen Traumjob würde es der einstige Kranfahrer nicht nennen: »Dass i sowas moi mach, hätt i nie glabt. Aber i bin mei eigenen Herr und i woaß, wos i konn. Des reicht ma.« Hans hebt mit der Greifzange geschickt ein Centstück vom Boden auf und schiebt es freudestrahlend in seine Tasche: »Mei Glückscent für heid.«

Die Sonne geht langsam auf, die Marktleute bauen ihre Stände auf. Hans kümmert sich jetzt um den Stadtplatz, leert auch dort die Mülleimer aus, sammelt Müll vom Boden ein und putzt die Toiletten. »Hans, Dich müsste man in Bronze gießen«, begrüßt ihn ein vorbeieilender Passant. »Des war’ a moi was. Ein netter Kerl...« lächelt Hans Hack ihm hinterher. Von 1. November bis 31. März ist er sieben Tage die Woche im Einsatz, wie alle Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. »Mia ham ständig Bereitschaft. Wenn’s schneit, miaß ma raus« – egal ob unter der Woche, am Wochenende oder an Feiertagen. Und wenn es taut, müssen die Gullis saubergemacht werden. »Mia miaßn des selber abschätzn.« Dafür ist im Sommer weniger zu tun.

Auch den Maxplatz, die Maxstraße, die Marienstraße, einen Teil der Bahnhofstraße und alle Treppen von der unteren Stadt zum Stadtplatz geht der 54-Jährige im Laufe des Tages noch ab und schiebt sein Karrei vorbei an den vielen Menschen, die inzwischen die Innenstadt bevölkern. Immer ein freundliches Wort, immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn er nicht sogar ein Liedchen pfeift.

Bis alles sauber und zu seiner Zufriedenheit ist, dreht er seine Runden – ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint. Ob es ihm lieber ist, wenn es viel oder wenig Müll zum Einsammeln gibt? Er überlegt: »Des is ja gleich, es muaß hoid am Ende sauber sei«, sagt er, lächelt und schiebt sein Karrei weiter die Maxstraße hinauf. Es ist 15.30 Uhr. Für heute ist sein Werk vollbracht. Wirklich fertig ist Hans Hack aber nie. Am nächsten Tag um 6 Uhr geht es wieder von vorne los. ka