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Hotel-Großprojekt mit Dorfcharakter am Königssee geplant

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Das Modell der geplanten Bebauung gewährt einen Blick auf den künftigen Hauptplatz, links im Bild der sogenannte Löwenstein.

Schönau am Königssee – Die Regierung von Oberbayern leitete am Montag mit der Versendung der Unterlagen das Raumordnungsverfahren für die touristische Ortsentwicklung der Gemeinde Schönau am Königssee ein. Konkret geht es um das Konzept der Resort Königssee GmbH zur Errichtung eines Hotelkomplexes mit Dorfcharakter nördlich der Seelände. Ein Raumordnungsverfahren ist laut Gesetz vorgeschrieben bei Vorhaben von erheblicher überörtlicher Raumbedeutsamkeit.

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Die Liste der beteiligten Behörden und Institutionen ist lang. An insgesamt 38 Adressaten gehen die Unterlagen. Sie äußern sich unter anderem zu den Belangen des Naturschutzes, der Wasserwirtschaft, der Waldwirtschaft, des Denkmalschutzes und des Verkehrs. Die beteiligten Gemeinden sind verpflichtet, die Projektunterlagen für einen Monat öffentlich auszulegen und diese Auslegung auch öffentlich bekannt zu machen. Die Regierung kann die in diesem Rahmen vorgebrachten Äußerungen im Rahmen der landesplanerischen Beurteilung dann verwerten.

Laut Unterlagen stellt das Konzept Königssee Resort eine neue Typologie in der Ferienhotellerie dar. Das Ziel soll die Schaffung eines vielschichtigen Ortszentrums anstatt eines abgeschlossenen Hotelkomplexes sein. Die gesamte städtebauliche Struktur soll frei zugänglich sein und »einen Mehrwert für die lokale Bevölkerung, für Tagesgäste und Hotelgäste bieten«. So soll ein zentraler Dorfplatz ein Ort des täglichen Treffpunktes von Einheimischen und Gästen sein. Einheimische können diesen Platz auch für Veranstaltungen wie Markttage oder Konzerte nutzen.

Im Rahmen des Konzeptes ist einmal die Errichtung eines Viersternehotels mit rund 280 Betten mit großzügigem Wellnessbereich, Gastronomieangeboten und Tagungsbereich vorgesehen. Zudem sollen hier direkt benachbart zehn Waldzimmer entstehen, die infrastrukturell an das Stammhaus angegliedert werden. Außerdem geplant ist der Bau eines »Jungen Hotels« mit etwa 170 Betten. Das Drei-Sterne-Niveau soll vor allem jüngeres Publikum ansprechen.

Ein Geschäftshaus mit Handels- und Dienstleistungsflächen soll die Seestraße mit dem neuen Hotelbereich verbinden. Darüber hinaus soll das bestehende Hotel »Königssee« um 88 Betten erweitert werden. Neu errichtet wird das Gebäude von Intersport Renoth an der Seestraße. Der historische Bahnhof bleibt laut Plänen in seiner Ursprungsform bestehen und soll städtebaulich harmonisch in das Gesamtkonzept integriert werden.

Das für den Hotelkomplex vorgesehene Areal ist aktuell schon bebaut. In dem vorgesehenen Baufeld befinden sich rund zwölf brachliegende Gebäude, die in den 70er-Jahren errichtet wurden. Von 1982 bis 2003 wurden einige davon als Asylbewerberheim genutzt. Für die Umsetzung des neuen Konzepts ist der Abbruch der alten Gebäude notwendig. Die geplante Tiefgarage soll fast alle neu geplanten Gebäude unterirdisch anbinden. Die Projektunterlagen sind auf der Internetseite der Regierung von Oberbayern (www.regierung-oberbayern.de) unter »Aktuelles/Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung« und dort unter »Aktuelle Raumordnungsverfahren« einzusehen.

Das Investitionsvolumen am Königssee soll im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen. Federführend ist der Pongauer Unternehmer Martin Harlander. Das Konzept stammt von dem in Oslo gegründeten Architekturbüro Snøhetta.

Bereits vor fünf Jahren war ein von der N&F Königssee AG entwickeltes Hotelprojekt am Königssee gescheitert. Wenige Wochen vor einem Bürgerentscheid, bei dem die Bürgerinnen und Bürger aus Schönau am Königssee über die Zukunft der geplanten Immobilienprojekte am Königssee hätten abstimmen sollen, zogen Projektentwickler und Privatinvestor im Jahr 2013 die Reißleine. Damals hatte es viele Kritiker gegeben, die sich mit der Anordnung der Baukörper und vor allem der Baudichte nicht anfreunden konnten. Zum aktuellen Bauprojekt hatte es dagegen unter anderem auf der jüngsten Bürgerversammlung viel Zustimmung gegeben. Ulli Kastner