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Holzschnitzer aus Traunwalchen im Freilichtmuseum Schliersee

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Markus Wasmeier beim Fachsimpeln mit Mathias Schneider (rechts) über dessen ungewöhnlichen Wohnsitz im Frauenbrunn in Traunwalchen. (Foto: Mittermaier)

Traunreut. Was haben ein Schnitzer und ein ehemaliger Skirennfahrer gemein? Natürlich Bretter. Der eine die unbearbeiteten, der andere die aus der Fabrik, die zwar längst nicht mehr aus Holz sind, im Sportjargon aber noch so genannt werden. Mathias Schneider und Markus Wasmeier haben aber tatsächlich eine große Liebe zum natürlichen Holz. Für einen Schnitzer ist das normal. Für einen Skisportler ist das dagegen nicht alltäglich.


Aber Wasmeier hat schon als Schüler mit elf Jahren damit begonnen, seinen ersten historischen Bauernhof abzubauen und dabei festgestellt, dass ihn der Rohstoff Holz fasziniert. Daraus ist eine Leidenschaft geworden.

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Einmal pro Monat fährt er nach Schliersee

Die Liebe zum Holz ist Markus Wasmeier bis heute geblieben und so finden der Bildhauer aus Traunwalchen und Wasmeier schnell gemeinsamen Gesprächsstoff, wenn sie einander begegnen. Mathias Schneider, der seine Werkstatt in Pertenstein hat, fährt seit Sommer vergangenen Jahres einmal pro Monat nach Schliersee, um im Freilichtmuseum von Markus Wasmeier zu schnitzen.

Die Verbindung ergab sich, als Schneider im Museum anfragte, ob er dort eine Ausstellung seiner Skulpturen organisieren könnte. Daraufhin fragte man ihn, ob er nicht zusätzlich an Ort und Stelle schnitzen wolle.

Altes Handwerk zu präsentieren gehört zum Konzept des Freilichtmuseums, das seine Gäste in die Lebens- und Arbeitswelt des 18. Jahrhunderts entführt. Mathias Schneider war einverstanden und demonstriert seitdem jeden Monat interessierten Besuchern sein Handwerk.

»Vor allem Kinder fragen mich beinahe Löcher in den Bauch, was ich denn da mache, welche Werkzeuge ich verwende und warum ich das mache.« Manche würden sogar mehrmals zurückkommen, weil sie immer noch etwas wissen oder einfach zuschauen wollen. Mathias Schneider ist den Umgang mit Kindern von seinen Kunstprojekten mit der Carl-Orff-Schule Traunwalchen gewohnt und deshalb ein geduldiger Gesprächspartner.

Einmal sei er allerdings sprachlos gewesen, gesteht der Schnitzkünstler: Ein kleines Mädchen aus München habe ihn gefragt, was das denn sei, woraus er schnitze. Das Mädchen hatte den Rohstoff Holz nicht erkannt. Das ähnelt übrigens dem Schlüsselerlebnis, das Markus Wasmeier dazu gebracht hat, aus seiner Leidenschaft für alte Bauernhöfe ein Museum zu machen. 1995 standen in München Kühe aus Pappmaché in allen Farben herum. Anlass war eine Umfrage unter Schülern, bei der herauskam, dass 60 Prozent der Münchner Kinder glauben, eine Kuh sei lila. Wasmeier: »Das war der Moment, wo ich mir gesagt habe, jetzt musst du was machen«.

Vier historische Höfe mit Ställen und Gärten aus der Zeit um 1700 stehen mittlerweile im Freilichtmuseum, weitere Projekte wie zum Beispiel die Präsentation ländlicher Mechanisierung um 1900 entstehen gerade. Wasmeier, der selbst auf ehrenamtlicher Basis tätig ist, hat sich mit 75 Mitarbeitern, die im bzw. fürs Museum arbeiten, zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Region Schliersee entwickelt.

Gemeinsam wird über die Arbeit gefachsimpelt

Wenn es seine Zeit erlaubt, ist der Doppelolympiasieger auch persönlich in »seinem« altbayerischen Dörfchen anzutreffen, was Besucher begeistert ausnutzen, um Fotos zu machen und um Autogramme zu bitten. Für Mathias Schneider ergibt sich auch ab und zu die Gelegenheit, mit Wasmeier über die Arbeit zu fachsimpeln. Der Schlierseer hat sich jüngst zum Beispiel sehr für Schneiders Wohnsitz, den Frauenbrunn in Traunwalchen interessiert, einem Gebäude, das genau in die Zeit passt, die im Museum wiederauferstanden ist.

Für den Künstler Mathias Schneider sind seine Vorführungen im Museum auch eine gute Gelegenheit, seine Arbeit bekannt zu machen. Besonderen Anklang findet dabei sein verkleinertes Modell eines Paar Ski mit dem Clou, dass die Ski miteinander verknotet sind. Ein Urlauber aus Baden-Württemberg, der am Schliersee Station gemacht hatte, fand so großen Gefallen an dieser Plastik, dass er eine Woche später extra nach Pertenstein gefahren ist, um in der Werkstatt von Mathias Schneider ein Exemplar zu erwerben. mim