Justiz Gericht Justitia Urteil
Bildtext einblenden
Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Hohe Haftstrafen und Unterbringung zum Entzug – Drogenlieferanten auch der Hells Angels

»Ein ausgefeiltes Geschäftsmodell« für den Drogenhandel im Gebiet München/Rosenheim hatten zwei 43 und 37 Jahre alte Männer entwickelt. Unter anderem belieferten sie Mitglieder der Hells Angels in Rosenheim mit Rauschgift, aber auch mit Waffen. Die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune verurteilte die Männer wegen mehrerer Betäubungsmittel- und Waffendelikte zu Freiheitsstrafen von zehn Jahren vier Monaten beziehungsweise zwölf Jahren vier Monaten. Weiter ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.


Ehe die Angeklagten ihre jeweils zweijährige Drogentherapie antreten können, müssen sie vorab noch einige Jahre im Gefängnis verbüßen. Der Vorwegvollzug für den 43-Jährigen beträgt drei Jahre zwei Monate, für den 37-Jährigen vier Jahre zwei Monate. Zwei psychiatrische Sachverständige, Dr. Susanne Pächler aus München und Dr. Verena Klein aus Taufkirchen, hatten den Tätern Drogenprobleme attestiert. Zu verminderter Schuldfähigkeit führten die Gutachten jedoch nicht. Die Männer hätten hochprofessionell gearbeitet, wenn auch »leider mit illegaler Ware«, wie die Vorsitzende Richterin im Urteil betonte. So ein Geschäft könne man nur »mit klarem Kopf« betreiben, aber nicht, »wenn man ständig zugekifft ist«.

Hervorragende Kontakte ins Drogenmilieu

Die Angeklagten aus Aschheim und Neubiberg, die ab 2020 zusammenwirkten, waren bestens organisiert. Sie führten eine gemeinsame Kasse, stationiert auf einem Firmengelände in Rosenheim. Der 37-Jährige hatte hervorragend Kontakte ins Drogenmilieu, zu Lieferanten wie zu Abnehmern. Der 43-Jährige kümmerte sich um die Lagerhaltung in einem »Bunker« bei einer nicht in die kriminellen Machenschaften eingeweihten Bekannten in deren Keller in Taufkirchen und war zuständig für den Vertrieb der Unmengen von harten und weichen Drogen – von Marihuana über Kokain und Heroin bis hin zu Crystal Meth. Per Auto lieferte das Duo die Bestellungen gemeinsam aus. In dem »Bunker« konnte die Polizei neben drei umgebauten funktionsfähigen Feuerwaffen samt Schalldämpfern und Munition sowie über 80.000 Euro Bargeld eine ganze Palette an Drogen sicherstellen: Knapp 15 Kilogramm Marihuana, 75 Gramm Haschisch, über 3,9 Kilogramm eines Kokaingemischs, 18.823 Tabletten Ecstasy, über 838 Gramm MDMA sowie mehr als 4,9 Kilogramm Crystal Meth. In einer Wohnung tauchten weitere 56.130 Euro auf.

Einige Vorwürfe aus der Anklage stellte die Kammer in der sechstägigen Hauptverhandlung auf Antrag von Staatsanwältin Barbara Miller mit Blick auf die verbleibenden Taten ein. Weiterhin erzielte die Kammer mit den Prozessbeteiligten eine Vereinbarung über die Strafhöhen im Fall vollständiger Geständnisse.

An diese Zusagen hielten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und das Gericht. Alle sprachen sich darüber hinaus für eine Unterbringung der Angeklagten in einem Fachkrankenhaus zum Entzug aus. Staatsanwältin Barbara Miller plädierte gestern auf elf Jahre Haft für den nicht vorgeahndeten 43-Jährigen und 13 Jahre für den siebenfach vorbestraften, zur Tatzeit unter Führungsaufsicht stehenden 37-Jährigen mit Gefängniserfahrung. Verteidiger Dr. Kai Wagler aus München beantragte für den älteren Angeklagten zehn Jahre Freiheitsstrafe, sein Kollege Jörg Sklebitz aus München für den Jüngeren elf Jahre und neun Monate.

»Gemischtwarenladen« an Betäubungsmitteln

Im Urteil war von einem »Gemischtwarenladen« an Betäubungsmitteln die Rede. Die Vorsitzende Richterin hob heraus, die Täter hätten ihre Abnehmer mit allem, was möglich war, bedient. Strafmindernd seien die Geständnisse, die sichergestellten Drogen, Waffen und Barmittel. Zum »letzten Wort« des 43-Jährigen merkte sie an: »Wir nehmen Ihnen Ihre Reue ab. Aber Sie sind nicht reingeschlittert. Sie waren sich sehr wohl bewusst, was Sie tun.« Negativ zu werten seien die »riesigen Mengen« an Rauschgift von durchwegs sehr guter Qualität und die scharfen Waffen samt Zubehör. Die Tatbeiträge beider Angeklagter seien letztlich strafrechtlich gleichwertig: »Beide waren aufeinander angewiesen und haben bis zum Schluss Gewinne hälftig geteilt.«

Die Vorsitzende Richterin warnte: »Sollten Sie die Unterbringung nicht überstehen oder gegen Regeln verstoßen, müssen Sie damit rechnen, die Haftstrafen vollständig zu verbüßen.« Einen Wertersatz über die schon eingezogenen Barmittel hinaus verfügte die Strafkammer nicht.

kd

Mehr aus der Stadt Traunstein