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Hörenswertes aus dem fiktiven Schulranzen

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Nahm die Zuhörer auf eine interessante Schulreise in die Ruhpoldinger Vergangenheit mit: Heimatforscher Helmut Müller. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Wie es früher so zuging im Schulunterricht, das konnte man erfahren, als Helmut Müller senior im Haus des Gastes in Ruhpolding seinen fiktiven Schulranzen mit allerlei Hörenswertem aus längst vergangenen Zeiten auspackte.


Die Themenpalette reichte dabei von den bescheidenen Anfängen des Schulbetriebs im Miesenbacher Tal über die Aufrechterhaltung während des 2. Weltkriegs, die Gebäudesituation im Wandel der Zeit bis hin zu gängigen Prügelstrafen sowie die Rollenverteilung zwischen Kirche und Schule.

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Auf der Grundlage des Ruhpoldinger Heimatbuches, der derzeit laufenden Ausstellung in der Alten Schule, Erzählungen älterer Bürger sowie eigenen Erfahrungen gelang es dem versierten Heimatforscher, einen kurzweiligen Ausflug nicht nur in die Psyche der Schülerinnen und Schüler, sondern auch die der Lehrkräfte zu unternehmen.

Zumal diese oftmals neben ihrem ansatzweise pädagogischen Auftrag auch noch als Gemeindeschreiber und Mesner ihren Dienst ausüben mussten, um halbwegs finanziell über die Runden zu kommen. Außerdem war es bei Klassenstärken von 60 Schülern und mehr sicherlich kein leichtes Unterfangen, für Ordnung und Ruhe zu sorgen. Und das zweimal pro Tag, denn damals wurde auch noch nachmittags unterrichtet.

Nach Müllers Worten ist es leicht nachvollziehbar, dass dann der Besuch der Sonntags- oder »Feyerstagsschule« ziemlich im Argen lag. Denn die Buben wurden zuhause als Arbeitskräfte gebraucht, als Viehhüter oder zum Holztransport, während die Dirndln auf den Almen mithelfen mussten. Die aus Sicht der Lehrer untragbare Situation veranlasste diese, mit häuslichen Besuchen bei den Eltern auf die Wichtigkeit des Schulbesuchs hinzuweisen.

Müller streifte auch die Auswirkungen in der NS- und Nachkriegszeit. Beim Bau des neuen Schulhauses während der Währungsreform 1948, als es vor allem an Baumaterial fehlte, starteten die Lehrkräfte eine Spendenaktion, die 20 000 Mark einbrachte und den Weiterbau ermöglichte.

Müller würzte seine Erzählungen immer wieder mit lustigen und nachdenklichen Anekdoten über Schwerterkämpfe mit Kommunionskerzen oder das Ausspionieren einer Liebelei zwischen LehrkräftenKriegswaffen und vieles mehr. ls

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