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Hörbücher für Blinde und Sehbehinderte

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Yvonne Liebl ist wie ihre Mitarbeiter von der Blindenbücherei begeistert. Unser Bild zeigt sie mit Fritz Perschl aus Waging, der von Geburt an blind ist und die Blindenhörbücherei nutzt. (Foto: Sojer)

Waging am See – Über ihr besonderes Angebot für Blinde und Sehbehinderte, die Blindenhörbücherei, informierten jetzt die Mitarbeiter der Waginger Bücherei. »Wichtig sind nicht nur Angehörige oder Betreuer von Sehbehinderten, sondern auch speziell die Allgemeinmediziner und Augenärzte, die ihre Patienten auf dieses Angebot hinweisen sollen«, sagt Yvonne Liebl dazu.


Die Bayerische Blindenhörbücherei (BBH) bietet sehbehinderten und blinden Menschen Hörbücher zur kostenlosen Ausleihe an. Allein in Bayern gibt es über 70 000 Betroffene. Sie alle können in der BBH ihren Informationsbedarf decken und am kulturellen Leben teilnehmen. Bereits 1958 wurde die BBH gegründet. Ausschlaggebend waren die rund 10 000 Kriegs- und Zivilblinden der Nachkriegszeit. Zwar gab es damals wie heute Bücher in Blindenschrift – nur beherrschen 80 Prozent der Blinden die Brailleschrift nicht.

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Angefangen hat die BBH mit 200 Titeln. Mittlerweile gibt es über bundesweit über 52 000 Titel. Die BBH versorgt rund 6000 Nutzer mit Literatur aus allen Bereichen: Kinder- und Jugendbücher, Weltliteratur, Krimis und Liebes-Heimatromane, Humor und Satire, Geschichte, Religion, Philosophie, Wirtschaft bis zum populär-wissenschaftlichen Sachbuch.

Bücher vermitteln nicht nur Wissen, sondern regen die Phantasie an, sodass Bilder von Menschen, Landschaften oder Bauwerken vor den geistigen Augen entstehen. Das Hörbuch öffnet Menschen, die Gedrucktes nicht mehr handhaben können, einen Zugang zur Literatur – früher auf Tonbändern, Schallplatten und Kassetten, heute auf Daisy-CD. Daisy (Digital Accessible Information System) ist das von einem internationalen Konsortium erarbeitete Verfahren für die neue Hörbuchproduktion.

Die digitalen sind mehr als »sprechende« Bücher. Neben rauschfreier Qualität lassen sich dank Komprimierung bis zu 40 Stunden lange Titel auf einer CD-ROM abspeichern. Handelsübliche Audio-CDs umfassen nicht mehr als 80 Minuten. Die Hörbücher der BBH werden von ausgebildeten Sprechern, Sprechtrainern und Schauspielern aufgesprochen. An den Buchprojekten arbeiten derzeit 25 Sprecher unterschiedlichen Alters, darunter viele gebürtige Bayern. Österreicher, Schweizer, Briten oder Multi-Linguisten sorgen dafür, dass auch übersetzte Werke aus anderen Nationen und fremdsprachliche Texte adäquat aufgesprochen werden.

Fritz Perschl aus Waging nutzt schon länger das Angebot der Blindenhörbücherei. Er erklärte den Besuchern anhand seines Daisy-Players die Funktion eines Blindenhörbuchs – es hat ein schöneres Hörerlebnis, weil der Klang besser ist. »Ich kann in solchen Hörbüchern mit den acht zur Auswahl stehenden Abspielgeräten im Buch navigieren: von Überschrift zu Überschrift, von Satz zu Satz und Seitenzahlen«, so Perschl.

Fritz Perschl sieht selten fern, obwohl es Filmtitel mit Audio-Versionen für Blinde gäbe. »Aber die sind nicht gut, da muss man immer fünf bis sechs Bilder gleichzeitig im Kopf haben, und das ist viel zu anstrengend, weil man dann dem Film nicht mehr recht folgen kann«, sagt Perschl. »Das haben bestimmt Sehende gemacht«, witzelt er. Hier schafft die Blindenhörbücherei Abhilfe.

In Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk gibt es eine Auswahl an Hörfilmen, Audiodeskriptionen von TV-Produktionen des BR. Ein Daisy-Buch entspricht der Länge eines Films. Bisher umfasst das Angebot fünf Titel mit »Wildes München«, »Wildes Deutschland – Der Bodensee«, »Wildes Deutschland – Alpenvorland«, »Mollath – und plötzlich bist du verrückt« und »Tatort BR – Animals«. Weitere Produktionen sollen folgen. soj