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Hochzeiten in Coronazeiten: Die ausgelassene Stimmung fehlt

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Hochzeiten in Coronazeiten: Die ausgelassene Stimmung fehlt | Chiemgau/Landkreis Traunstein
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»Während der Coronakrise seit Mitte März wurden nur wenige Hochzeiten komplett abgesagt, die meisten Brautpaare haben sich für eine Verschiebung der Hochzeit zu einem späteren Zeitpunkt entschieden«, sagt Daniela Kollert, die Leiterin des Standesamts in Seeon-Seebruck. (Foto: dpa)

Ganz in Weiß, stimmungsvolle Musik und die Liebsten um sich – die Hochzeit ist ein besonderer Moment im Leben von Paaren. Bei den wenigsten dürften da Mund-Nase-Schutz und Mindestabstand in ihre Vorstellung vom perfekten Tag passen. Trotzdem wird geheiratet – zumindest standesamtlich.


Nicht erlaubt sind große Hochzeitsfeiern. Das spüren auch die Musiker der Waginger Ruperti-Blosn und der Michlwirt in Palling. Im Brautmodenladen »Glücksmomente« herrscht Verunsicherung unter den zukünftigen Bräuten, wie Karin Handl erzählt. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich umgehört.

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»Die ausgelassene Stimmung bei einer Eheschließung wird durch den Abstand und den Mundschutz wesentlich beeinträchtigt«, sagt Agnes Giesbrecht, die Pressereferentin der Stadt. Trotzdem haben sich in den vergangenen Wochen Paare das Ja-Wort vor dem Standesamt Traunstein gegeben.

In den Hochzeitsmonaten Mai und Juni waren es sogar genauso viele Paare wie im vergangenen Jahr, nämlich 21. Trotzdem hatte Corona einen Einfluss. Denn abgesagt wurden in den beiden Monaten acht Eheschließungen, wie Agnes Giesbrecht weiß. Es hätten heuer also eigentlich mehr Paare geheiratet als 2019.

»Mit dem Brautpaar alleine«

Keine genauen Zahlen kann das Standesamt Seeon-Seebruck liefern. Viele Paare hätten ihre Hochzeiten in die Monate September und Oktober verschoben, betont Daniela Kollert, die Leiterin des Standesamts.

»Während der Coronakrise seit Mitte März wurden nur wenige Hochzeiten komplett abgesagt, die meisten Brautpaare haben sich für eine Verschiebung der Hochzeit zu einem späteren Zeitpunkt entschieden«, sagt sie. Doch auch während der Ausgangsbeschränkungen hätten Hochzeiten im Standesamt Seeon-Seebruck stattgefunden, »mit dem Brautpaar alleine«. Später sei die Zeremonie dann im engsten Familienkreis abgehalten worden.

Daniela Kollert spürt nun die schrittweisen Lockerungen. »Wir haben schon jetzt wieder sehr viele Eheschließungen im Rathaus Seebruck und im Kloster Seeon. Die zugelassene Personenanzahl ist hier individuell nach Raumgröße festgelegt worden, um die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können«, betont sie.

Seit Montag sind auch größere Hochzeitsgesellschaften wieder erlaubt – bis zu 50 Personen in Innenräumen und bis zu 100 Personen im Freien. Doch eine gewisse Verunsicherung bleibt. Das spürt auch Karin Handl vom Brautmodengeschäft »Glücksmomente«. Viele Bräute, die ein Kleid gekauft haben, hätten ihre Hochzeit ins nächste oder übernächste Jahr verschoben, sagt Karin Handl, die zusammen mit ihrer Schwester Petra Eckart den Laden in Traunstein führt. »Und einige heirateten trotz Krise in kleinem Kreis«, weiß die 46-Jährige.

Für sie fehlten in den vergangenen Wochen die besonderen Momente bei einem Kleidkauf – »unsere Kundinnen durften leider oft nicht alle gewünschten Begleitpersonen zu ihrem Termin mitbringen. Dies und die Maskenpflicht machten Verkäufe schwieriger.« Normalerweise bietet die Ladenbetreiberin selbstgemachte Häppchen, Getränke und Sekt zum Anstoßen an – auch das ist derzeit nicht erlaubt. »Das Persönliche fällt einfach weg, das bedauern wir sehr.« Und das wäre Karin Handl eigentlich so wichtig, »das macht 'Glücksmomente' aus«. Die 46-Jährige erinnert sich mit einem Lachen an eine Braut, die vor ihrem Geschäft einen Jubelschrei losließ, weil sie das perfekte Kleid gefunden hat. »Das ist immer ein besonderer Moment, bei dem auch wir Verkäuferinnen eine Gänsehaut bekommen.«

»Wir wären komplett ausgebucht gewesen«

Für Gänsehautmomente will eigentlich auch Rudolf Trinkberger junior im Michlwirt in Palling sorgen. Das Gasthaus ist die Adresse für große Hochzeiten in der Region, denn im Saal finden bis zu 300 Leute Platz. »Wir wären eigentlich komplett ausgebucht gewesen«, sagt der 34-Jährige. »Also jeden Samstag eine Hochzeit.« Doch aufgrund der Coronakrise seien die Feiern »oft mit viel Tränen der Braut«, wie Trinkberger sagt, abgesagt worden. »Das ist wirklich schwierig. Uns tut das natürlich auch extrem weh«, betont der Juniorchef. Er hofft, dass sich die Coronazahlen weiter positiv entwickeln und dass die Maskenpflicht »bald fällt«. »Doch leider haben wir das nicht in der Hand. Wir hängen deshalb ziemlich in den Seilen.« Bis Ende August seien zunächst einmal alle großen Hochzeiten abgesagt, »dafür wird es im nächsten Jahr schon eng«, sagt Rudolf Trinkberger.

In normalen Zeiten jeden Samstag unterwegs

Nicht nur große Gasthäuser wie der Michlwirt in Palling spüren die Coronakrise deutlich. Auch heimische Musikgruppen haben gerade kaum etwas zu tun. Zu normalen Zeiten ist die Waginger Ruperti-Blosn in den Hochzeitsmonaten Mai und Juni jeden Samstag unterwegs, um Brautpaaren den »schönsten Tag im Leben« musikalisch zu versüßen. Doch derzeit ist der Terminkalender der Musiker Konrad Huber, Emanuel Fischer, Thomas Pfeffer, Matthias Haslberger und Sepp Renoth leer, denn auch Vereinsfeste, Volks- und Weinfeste wurden abgesagt.

Nun hofft die Ruperti-Blosn auf den Herbst und das Frühjahr 2021. Denn sie, und mit ihr die gesamte Blasmusikszene, brennt geradezu darauf, wieder für Stimmung sorgen zu dürfen – zur Freude der Brautpaare, von denen viele einiges an Umplanung für den »schönsten Tag im Leben« in Kauf nehmen mussten. KR

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