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Hochwasserschutz im Achental gemeinsam voranbringen

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Diskutierten über den Hochwasserschutz (von links): Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, Professor Martin Grambow, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Umweltministerium, und Landwirt Martin Schweiger. Dieser erklärte, mit welch mühevoller Arbeit das mit Schwemmholz und Unrat übersäte Gebiet wieder kultiviert wurde. Er forderte für die betroffenen Landwirte Entschädigungen. (Foto: T. Eder)

Grassau. »Wir wollen konkrete Ansätze für den Hochwasserschutz direkt in den Achentaler Gemeinden herausarbeiten«, erklärte Landtagsabgeordneter Klaus Steiner zu Beginn des Achentaler Hochwassergesprächs mit Bürgermeistern, Bauernobmännern, Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und dem Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Umweltministerium, Professor Martin Grambow.


Hochwasser-Vorkehrungen einen Tag lang begutachtet

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Einen ganzen Tag lang wurden in Schleching, Unterwössen, Marquartstein, Staudach-Egerndach, Grassau und Übersee Hochwasser-Vorkehrungen begutachtet. Steiner betonte, es gehe nicht um vorschnelle Lösungen, sondern um eine Problemanalyse, aus der Verbesserungen erarbeitet würden. Dies könne nur mit Gemeinden, Landwirten und Behörden geschehen. Allein im Achental seien die Probleme sehr unterschiedlich. Thema sei auch die Entschädigung, auf die es keinen Anspruch gebe. Hier müssten andere Wege gefunden werden.

Besonderes Augenmerk schenkte die Gruppe Dammbruchstellen in Unterwössen, Schleching und Staudach-Egerndach. Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamts betonten, der Austritt des Flusswassers an diesen Stellen sei gewünscht und habe verhindert, dass Siedlungsbereiche betroffen wurden. Insofern habe der Hochwasserschutz gehalten. Nicht vergessen werden dürfe, dass es sich nicht um ein hundertjährliches, sondern um ein zweihundertjährliches Hochwasser handelte.

Sandbänke aus der Tiroler Achen entfernen

In Unterwössen wurde angeregt, die Sandbänke aus der Tiroler Achen zu entfernen, um dem Wasser mehr Raum zu bieten. Staudach-Egerndach möchte im Gebiet Mühlstetter Feld eine 1,60 Meter hohe Spundmauer vom Damm bis zur Straße bauen, um die Siedlung zu schützen. Bürgermeister Hans Pertl (Staudach-Egerndach) informierte, dass sich der Schaden in dieser Siedlung im Sommer auf 1,3 Millionen Euro summierte. Bis zu einem halben Meter stand das Wasser im Erdgeschoß der Häuser.

An der Sollbruchstelle in Erlach, Richtung Übersee, erinnert kaum noch etwas an die Katastrophe. Wie von den Landwirten berichtet, wurden in mühevoller Arbeit Schwemmholz und Unrat aus Wiesen entfernt. Der fehlende Dammbereich wurde vom Wasserwirtschaftsamt mittlerweile wieder hergestellt.

Baudirektor Walter Raith vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein erklärte, der Hochwasserschutz habe gegriffen. Den Deich überströmungssicher zu bauen, würde viele Millionen Euro kosten. Auch hätten die Überschwemmungsgebiete viel Wasser abfangen können. Die Retentionsräume in Unterwössen und Schleching hätten sich grundsätzlich bewährt, zusätzlicher Raum müsse jetzt geprüft werden. Vor allem staatliche Flächen müssten hier einbezogen werden.

Abwehr gegen Entschädigungszahlungen

Professor Grambow wehrte hinsichtlich der Entschädigungszahlungen etwas ab, denn die Hochwasserhilfe soll Menschen dienen, die in Not geraten sind. Aber er stimmte Klaus Steiner zu, dass Landwirte entschädigt werden sollen, wenn sie Flächen für Hochwasserrückhaltung zur Verfügung stellten. Eine Deichrückverlegung könne nur an Ort und Stelle eine Lösung sein, große Retentionsräume wirkten sich für die gesamte Fläche aus.

An der Achenmündung wurde unter anderem auch mit den Bürgermeistern Marc Nitschke aus Übersee und Georg Schützinger aus Grabenstätt diskutiert, was passiert, wenn der Abfluss durch eine Dammrücknahme oder einen zusätzlichen Abfluss Richtung Osten erweitert werde. Was für den Hochwasserschutz in Übersee von Vorteil sei, könnte für Grabenstätt negativ sein. Dies müsse unbedingt mit Fachleuten geklärt werden, forderte Steiner.

Zur Verlandung der Hirschauer Bucht meinte er, dieses Problem sei auch schon vor 20 Jahren intensiv diskutiert worden. Der Verlandungsprozess sei nicht aufzuhalten, höchstens zu verzögern, sei die damalige Erkenntnis gewesen. Laut Grambow könnte sich beim Öffnen eines Achenarms die Verlandung sogar beschleunigen. Hier gelte es genau abzuwägen und die Auswirkungen auf die Gemeinden zu untersuchen.

Fazit des Gesprächs war, dass Einzelmaßnahmen in den Gemeinden punktuell nützen. Auch weitere Retentionsräume sollten geschaffen werden, ob sie allerdings eine große Entlastung bei außerordentlichem Hochwasser bieten, sei dahingestellt. Besonders für das Achendelta gelte es Lösungen zu finden, die aber für Übersee und Grabenstätt nicht zum Nachteil werden dürften. Konkrete Maßnahmen werden jetzt in Einzelgesprächen diskutiert. Für Dezember wurde deshalb nochmals ein Gespräch im Wasserwirtschaftsamt anberaumt, in dem auch der Holzeintrag in die Hirschauer Bucht ein Thema sein soll. tb

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