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Hochwasserhilfe ist noch nicht abgeschlossen

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Bilder, die man nicht so schnell vergessen wird: Beim Juni-Hochwasser haben viele Menschen auch im Landkreis Traunstein Hab und Gut verloren. (Foto: Archiv/Müller)

Zwölf Wochen nach dem Juni-Hochwasser sind bereits mehrere Millionen Euro an Geschädigte im Landkreis Traunstein ausbezahlt worden. Das teilte das Landratsamt gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die meisten Schäden in Privathäusern und Betriebsgebäuden sind bereits beseitigt; es »tröpfeln« aber immer noch ein paar Anträge herein, wie Pressesprecher Roman Schneider mitteilte.


Erste Phase des Hilfsprogrammes war das sogenannte Sofortgeld, mit dem Menschen unterstützt werden sollten, die durch die Flut in finanzielle Not geraten waren, weil zum Beispiel ihr Hausrat zerstört oder unbrauchbar wurde. Unbürokratisch wurden dabei 1500 Euro ausbezahlt, ohne zunächst groß zu prüfen, ob die Zahlung auch berechtigt ist. Von missbräuchlicher Antragsstellung ist im Landkreis Traunstein im Gegensatz zur Donauregion nichts bekannt geworden. 1427 Anträge auf dieses Sofortgeld sind von Bürgern im Landkreis gestellt worden; rund 3,2 Millionen Euro wurden über die Gemeinden ausbezahlt.

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Schwerpunkt der Ölschäden lag im Achental

In der zweiten Phase ging es um die sogenannte Soforthilfe. Sie wurde bis zu einer Höhe von 5000 Euro für Schäden an Gebäuden und Hausrat bezahlt. Bei Ölschäden konnten Betroffene bis zu 10 000 Euro beantragen. Voraussetzung war dabei allerdings der Nachweis, dass das betreffende Gebäude nicht gegen Hochwasserschäden versichert werden konnte.

Von den Hilfsleistungen für Gebäude und Hausrat haben 60 Hochwasseropfer Gebrauch gemacht. Ausbezahlt wurde eine Summe von rund 1,4 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Ölschäden lag im Achental. Jeweils zwei Fälle in den Gemeinden Marquartstein und Staudach-Egerndach sowie je einer in Altenmarkt und Traunreut mit einem Gesamtschaden von rund einer halben Million Euro wurden in den Gemeinden bzw. im Traunsteiner Landratsamt registriert. Ausbezahlt wurden mehr als 263 000 Euro. Man darf jedoch annehmen, dass einige Betroffene gar keine Anträge auf staatliche Hilfe gestellt haben.

Die Spendenbereitschaft der Menschen für die Hochwasseropfer war auch diesmal groß. Auf das Spendenkonto des Landkreises sind rund 200 000 Euro eingegangen. Darin enthalten sind 37 500 Euro aus der Spendenaktion der Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank. Von diesen rund 200 000 Euro wurden bisher etwa 112 000 ausbezahlt. Vorrangig behandelt wurden Härtefälle, wobei jeweils die Gemeinden Anlaufstelle waren. Noch stehen 88 000 Euro zur Verfügung, die für weitere Härtefälle zurückbehalten werden. »Das Pulver ist also noch nicht verschossen«, hieß es dazu aus dem Landratsamt.

Noch bleibt genügend Zeit, Anträge zu stellen

Nun läuft die Aufbauhilfe von Bund und Land. Sie sieht vor, dass bis zu 80 Prozent der jeweiligen Schadenshöhe bei Privathaushalten und Gewerbebetrieben bezahlt werden. Dazu müssen Betroffene Anträge beim Landratsamt stellen; sie haben dazu aber noch jede Menge Zeit, bis die tatsächlichen Schäden exakt ermittelt und gegebenenfalls behoben sind. Bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Traunstein sind bisher Schäden in Höhe von 4,3 Millionen Euro gemeldet worden.

Neben diesen Bargeldhilfen wurde den Flutopfern umfangreiche materielle Hilfe zuteil. Zahlreiche Firmen gewährten Geschädigten beim Einkauf großzügige Rabatte oder stellten kostenlos Baumaterial zur Verfügung. Auch die Gutscheine eines Möbelhauses fanden inzwischen den Weg vom Landratsamt zu den Gemeinden, wo sie für Menschen bereitliegen, die nach dem Hochwasser neue Möbel brauchen. So summiert sich die Hochwasserhilfe sicherlich auf weit über 10 Millionen Euro allein im Landkreis Traunstein.

Die tatsächlich entstandenen Schäden betragen ein Vielfaches davon; denn nicht eingerechnet sind die Kosten für Reparaturarbeiten an Straßen wie zum Beispiel der Autobahn im Bereich Grabenstätt. Nicht eingerechnet sind abertausende von Arbeitsstunden, die Betroffene und Helfer aufbringen mussten und noch aufbringen, um Schäden zu beseitigen. Nicht eingerechnet sind ferner die immens hohen Schäden, die der Landwirtschaft entstanden sind.

Die Wunden, welche die Natur durch das Hochwasser erlitten hat, sind nicht in Euro zu benennen. Allein die Umweltkatastrophe, von der langfristig die Hirschauer Bucht und damit der ganze Chiemsee betroffen sind, wird lange nachhallen. -K.O.-