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Hochspannung an der Drechselbank

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Holzschalen in verschiedenen Formen, Farben und Größen hat der 83-jährige Sepp Wolfgruber schon hergestellt und er will noch lange nicht aufhören damit. (Foto: Schick)

Ruhpolding. Zu einem immer beliebteren Hobby bei Alt und Jung wird die künstlerische Arbeit mit Holz und insbesondere dem Drechseln. Einer, der sich dem hölzernen Hobby verschrieben hat, ist Sepp Wolfgruber aus Ruhpolding.


Wenn der 83-Jährige ganz konzentriert und staubig an der Drechselbank eine hölzerne Schale ausdreht, könnte man meinen, der rüstige Rentner hätte schon immer mit dem natürlichen Werkstoff zu tun gehabt. Doch weit gefehlt: Fast 50 Jahre lang stand der gelernte Elektriker in Diensten der örtlichen Stromversorgung und sorgte mit seinen Kollegen dafür, dass im Ort das Licht nicht ausging.

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Ursprünglich wollte Sepp Wolfgruber den Beruf des Schreiners erlernen, aber der Sachbearbeiter im Arbeitsamt riet ihm damals eindringlich zur Elektriker-Ausbildung, denn schon gleich nach dem Krieg zeichnete sich ein stetig wachsender Energiehunger ab. Der machte auch vor Ruhpolding nicht halt und so durchlebte Wolfgruber bis zur Pensionierung alle technischen Entwicklungen von der Freileitung bis hin zur modernen Ortsnetzverkabelung.

Am Anfang gab es so manche Rückschläge

Als er vor gut 20 Jahren in Rente ging, erwachte in ihm wieder seine Vorliebe fürs Holz und dessen Bearbeitung. Bald darauf waren eine Drechselbank und das dazu erforderliche Werkzeug wie verschiedene Drechsel-, Aushöhl- und Sticheisen angeschafft, mit deren Hilfe er die unterschiedlichsten Verzierungen in die Objekte fräst.

Dass er anfangs so manchen Rückschlag verzeichnen musste, ist allein seiner autodidaktischen Vorgehensweise geschuldet. Da ging dann schon mal der eine oder andere, vermeintlich geeignete Rohling während der Bearbeitung vorzeitig in die Brüche. »Zu dem Zeitpunkt stand ich öfters unter Hochspannung«, blickt Wolfgruber lachend zurück.

Aber von Versuch zu Versuch verbesserten sich seine Holzkenntnisse und damit auch das Auswahlverfahren, welcher Rohling für welchen Vorgang am besten passt. Zum Leidwesen von Nachbar Hans, der die Ausschussware als Blumenübertöpfe immer gut gebrauchen konnte.

Am liebsten verwendet Sepp Wolfgruber die Holzsorten Apfel, Kirsch, Ahorn, mitunter auch Lärche, Nussbaum oder Zirbenholz, wegen seines unverwechselbaren harzigen Geruchs.

Bis ein Rohling allerdings zu gebrauchen ist, vergehen schon mal einige Monate, ab und an sogar Jahre. Denn mehr als 18 Prozent Feuchtigkeit soll das Holz nicht aufweisen, um es richtig bearbeiten zu können. Dazu muss es erst mal in einer Kiste mit Holzspänen lagern, bis aus ihm eine dekorative Obstschale oder ein funktioneller Kerzenleuchter entsteht.

Ein Großteil seiner handwerklichen Kunststücke landet meist bei Freunden und Bekannten, denn Anlässe wie Geburtstage oder andere Jubiläen gibt es genug.

Unikate stehen hoch im Kurs

Auch beim Weihnachtsmarkt des Katholischen Frauenbundes stehen die dekorativen Unikate aus seiner Werkstatt hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr präsentierte Wolfgruber zum ersten Mal eine Auswahl während einer Ausstellung im Holzknechtmuseum.

Nachdem der passionierte Chorsänger – er war Gründungsmitglied beim Ruhpoldinger Männerchor und 59 Jahre im Kirchenchor – nun zuletzt das Notenblatt auf die Seite gelegt hat, bleibt ihm künftig noch mehr Zeit für sein hölzernes Hobby, die Drechslerei. ls

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