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Hochriskante Spekulationsgeschäfte

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Traunstein – Ein langwieriger Zivilrechtsstreit vor dem Landgericht Traunstein galt Vorgängen vor rund fünf Jahren im Firmenimperium von Professor Dr. Anton Kathrein. Dabei musste dieser einen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Privatvermögen nachschießen, um die Tochterfirma Katek in Grassau zu retten.


Der Fall hatte – auch noch nach dem überraschenden Tod von Professor Kathrein im November 2012 – juristische Konsequenzen. Sein Testamentsvollstrecker klagte auf dem Zivilweg einen enormen Zinsschaden ein und erzielte letztlich einen vollstreckbaren Titel von 60 000 Euro gegen ein Ehepaar, das früher in leitenden Positionen bei Katek angestellt war. Eine dritte Beklagte, damals in untergeordneter Funktion tätig, muss gar nichts zahlen. Ein anderslautender Bericht beruhte auf einem Irrtum unserer Gerichtsreporterin.

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Seit dem Tod von Professor Kathrein vor dreieinhalb Jahren kümmerte sich ein Testamentsvollstrecker um den Nachlass. Er strengte eine Zivilklage gegen die drei Ex-Mitarbeiter an – einen leitenden Angestellten, dessen Ehefrau und gegen eine weitere Buchhalterin. Gegenstand der Klage waren von Professor Kathrein angeblich nicht genehmigte Derivatgeschäfte mit Goldleihen, Währungsoptionen und Zinsgeschäften. Auch sollten Bilanzen verfälscht worden sein. Das Ehepaar wurde wegen dieser Vorwürfe von der Strafjustiz zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die andere Frau zu einer Strafe mit Bewährung.

Per Zivilklage forderte der Testamentsvollstrecker von allen drei früheren Mitarbeitern den Zinsschaden zurück, der dem Firmenchef durch den Verlustausgleich bei Katek entstanden sein soll. Zuletzt war in dem Zivilprozess von einem Gesamtschaden von über einer halben Million Euro die Rede.

Das Gericht verhandelte viele Tage lang, hörte um die 30 Zeugen aus Deutschland und Österreich an. Die einzig zu klärende Frage war, ob und in welcher Höhe die drei Beklagten einen Zinsschaden verursacht hatten, beziehungsweise ob sie dafür haften hätten müssen. Der Ex-Mitarbeiter und seine – zwischenzeitlich verstorbene – Ehefrau verpflichteten sich schließlich im April dieses Jahres per rechtskräftigem Vergleich zur Zahlung von zusammen 60 000 Euro, mit denen alle Forderungen der Klägerseite abgegolten waren.

Das Gericht gelangte hinsichtlich der dritten Beklagten nach Vernehmung vieler Zeugen zu dem Schluss, dass ihre Haftung »problematisch« zu beurteilen ist, wie Vorsitzender Richter Dieter Weidlich auf Anfrage unserer Zeitung erklärte. Nach vielen Vergleichsgesprächen einigten sich die Parteien im Juli auf einen – bis August widerrufbaren – Vergleich. Bei einem Scheitern des Vergleichs wollte der Testamentsvollstrecker erneut seinen letzten Klageantrag stellen, der unter anderem eine Zahlung von 526 177,60 Euro nebst Zinsen durch die dritte Beklagte enthielt.

Nachdem in der vereinbarten Frist jedoch kein Widerspruch einging, wurde auch der jüngste Vergleich rechtskräftig. Die Ex-Buchhalterin muss in keiner Weise für irgendwelchen Schaden aufkommen. Damit ist das umfangreiche Zivilverfahren insgesamt erledigt. kd