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Hochleistungs-Sportler auf vier Beinen

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Einer der ganz großen »Kracher« der heimischen Warmblutzucht ist der Hengst »Quadrigus M« von Hannes Meindl, hier bei der Springprüfung Klasse S* in Kirchstockach unter dem Sattel von Meindls Tochter Barbara, die international erfolgreich ist. Bei der Körung erhielt der Hengst die Traumnote 10,0 und wurde damit klarer Sieger der Körung Springen im Jahr 2005. (Foto: Fotoagentur Dill)

»Das sind keine Pferde, auf die man sich nach 14 Tagen ohne Arbeit drauf setzt und im Schritt ins Gelände reitet«, sagt Renate Wimmer aus Kirchanschöring. Gemeinsam mit ihrem Mann Professor Cornelius Wimmer betreibt sie in Wolkersdorf eine kleine, aber hochwertige Warmblutzucht mit Pferden für den Spitzensport.


Hannes Meindl ist »Vater der Zuchtgenossenschaft«

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Die Geschichte der Warmblutzucht im Landkreis Traunstein ist gewiss schon wesentlich älter, die Pferdezuchtgenossenschaft Süd-Ost mit Sitz in Kirchanschöring aber wurde erst am 5. November 1985 gegründet – mit dem Ziel, die Vermarktung der Fohlen mit Stuten- und Fohlenschauen anzukurbeln.

Einer der maßgeblichen Begründer der Genossenschaft war Hannes Meindl aus Kirchanschöring, der bis heute Vorsitzender ist. Mit der Pferdezucht erfüllte er sich einen Kindheitstraum. Mittlerweile dürfte er mit rund 60 Pferden einen der größten Zuchtbetriebe in der Region haben, er gehört mit Sicherheit zum erfolgreichsten, was die bayerische Warmblutzucht zu bieten hat. Wesentlichen Anteil daran hat seine Tochter Barbara, die die Pferde international erfolgreich bei Turnieren vorstellt.

Nach einigen Jahren, in denen der Fohlenabsatz schwierig war, »ist es heuer wohl zum ersten Mal wieder etwas besser«, sagt Renate Wimmer. Problematisch sei zum einen die Überproduktion. Dazu überschwemmen billige Importpferde den Markt. Zum anderen gebe es auch immer weniger sportlich ambitionierten Reiter-Nachwuchs. »Ich höre immer wieder, dass die Reitstunden so teuer sind. Das hat mich damals nicht vom Reiten abgehalten. Ich hab' halt als Jugendliche Pferde geputzt und Ställe ausgemistet und durfte dafür reiten.«

Wie erfolgreich die heimische Warmblutzucht ist, beweist allein die Liste der in den letzten Jahren gekörten Hengste: »Cour de Noblesse« von Alois und Hans Sailer aus Tittmoning war bei der Körung zweiter Reservesieger, »Susu's Boy« von Maria Posch aus Marquartstein war 2012 Körsieger in der Dressur, »Coupex« von Alois Eder aus Weibhausen war 2013 Springsieger in Kreuth, »Sir Lanciano« von Josef Sichler aus Grassau war Körsieger 2010. Absoluter »Kracher« aber ist Hannes Meindls »Quadrigus M«, der die Körung der Springpferde 2005 mit der äußerst selten vergebenen Traumnote 10,0 (volle Punktzahl) gewann. Nachdem er erfolgreich in der Zucht eingesetzt wurde und mittlerweile zahlreiche erfolgreiche Nachkommen hat, ist er selbst hoch erfolgreich in der schweren Klasse – mit Sprunghöhen zwischen 1,35 Meter in der Klasse S* bis zu 1,60 Meter in der Klasse S****. Ebenso stammen viele erfolgreiche Zucht- und Sportpferde aus den Züchterställen unserer Region.

Drei Jahre Aufzucht kosten den Züchter rund 5000 Euro

Dabei ist das finanzielle Risiko des Züchters groß. Bei Decktaxen von 1000 Euro plus Kosten für den Tierarzt, der die Besamung vornimmt, kostet ein dreijähriges Pferd den Züchter rund 5000 Euro, schätzt Renate Wimmer – »wenn alles gut geht.« Kämen etwa Kosten für Futterkauf oder Stallpersonal dazu, »wird's ganz schnell uninteressant. Früher gab es kaum künstliche Besamung«, sagt sie. Heute werden Stuten selten im Natursprung gedeckt, etwa wenn sie den Verdünner schlecht vertragen, mit dem der Samen aufbereitet wird. »Die künstliche Besamung hat den Vorteil, dass wir keine Verletzungsgefahr haben, und wir können die besten Hengste aus Norddeutschland für die Zucht nutzen.«

Ein Fohlen bringt im Durchschnitt 3000 bis 6000 Euro. Für Spitzenfohlen werden aber auch Preise weit über 10 000 Euro bezahlt. Als Züchter müsse man wissen, welche Blutlinien gerade gefragt sind, aber auch, welcher Hengst zur Stute passt. Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz: »Das extrem nervöse Pferd, das es früher oft gab, will man heute nicht mehr. Neben der Bewegung achtet man heute immer mehr auf die Nervenstärke.«

Zu den Kunden gehört auch die bayerische Polizei

Auch hier haben Meindl und Sailer offenbar ein geschicktes Händchen, gehört zu ihren Kunden doch auch der Freistaat Bayern, wenn er vierbeinigen Nachwuchs für die berittene Polizei sucht. »Und die Jungpferde müssen wirklich jede Menge Tests durchlaufen, ehe sie in den Polizeidienst kommen. Die brauchen Nerven wie Drahtseile. Bestehen sie die Tests nicht, muss der Züchter sie zurücknehmen.« In der Regel sind die Käufer Gestüte aus ganz Deutschland, Turnierreiter, Aufzüchter und Ausbilder. »Natürlich wird man ein bisschen wehmütig, wenn die Fohlen im Spätherbst die Stallung verlassen und zu ihren neuen Besitzern wechseln, aber bis es soweit ist, genießen die Stuten mit ihren Fohlen noch den Sommer auf der Koppel.« coho

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