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Hochgefährliche Dopingmittel

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Ein »Untergrundlabor« für Dopingmittel betrieb ein 45-jähriger Brite in Waldkraiburg. Jetzt muss er für mehr als vier Jahre ins Gefängnis.

Traunstein – Das größte bislang in Bayern bekannte »Untergrundlabor« für Dopingmittel aus dem Kreis der anabol androgenen Steroide betrieb ein 45-jähriger Brite in Waldkraiburg. Bei Produktion und Vertrieb übers Internet in ganz Deutschland half ihm ein 36-jähriger Rosenheimer. Die beiden sowie vier Stammkunden verurteilte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein wegen jeweils zahlreicher Delikte nach dem Arzneimittelgesetz zu Freiheitsstrafen zwischen vier Jahren und neun Monaten und zwei Jahren mit Bewährung.


Die ab 2009 gebrauten Dopingpräparate im Wert von 120 000 Euro dienten dem schnellen Kraft- und Muskelaufbau für Kraftsportler. Die Ampullen wurden zu Hunderten über das Netz verkauft. Die vier Abnehmer hatten jeweils einen eigenen Kundenkreis. Sämtliche Angeklagte waren im Fitness-Sektor tätig und konsumierten selbst Anabolika. Die illegalen Aktivitäten waren durch Ermittlungen gegen einen österreichischen Fabrikanten für Laborbedarf zutage gekommen, bei dem der 45-Jährige Zubehör bestellt hatte.

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Reue wirkt sich strafmildernd aus

Am ersten Verhandlungstag hatten sich die Angeklagten reuig gezeigt. Das wirkte sich mit der Aufklärungshilfe strafmildernd aus. Staatsanwältin Antonie Hübl sah den Sachverhalt der 43-seitigen Anklageschrift voll bestätigt. Sie wolle nicht stehen lassen, dass ohne die Geständnisse die Taten nicht nachzuweisen gewesen wären. Die Staatsanwaltschaft München I habe viele Ermittlungsansätze gehabt. Hauptabnehmer für die Dopingmittel sei ein 37-jähriger Dortmunder gewesen. Alle Angeklagten hätten gewerbsmäßig gehandelt. Der Gesetzgeber sehe pro Fall zwischen einem und zehn Jahren Freiheitsstrafe vor.

Durch die Herstellung in einem Untergrundlabor sei die Ware »besonders gefährlich«: »Ein absoluter Laie arbeitet ohne pharmazeutische oder medizinische Kenntnisse – unter nicht sterilen Bedingungen und ohne zu wissen, was in den Grundsubstanzen steckt. Das ist verantwortungslos, wenn man bedenkt, welche Verfahren Medikamente durchlaufen müssen, um zugelassen zu werden«, so die Staatsanwältin. Die »Gefährlichkeit der Nebenwirkungen« komme hinzu.

Für den 45-Jährigen seien fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe die unterste Grenze. Den »Wertersatzverfall« nach dem Motto »Verbrechen darf sich nicht lohnen« bezifferte Hübl bei dem Labor-Betreiber mit gut 91 000 Euro. Der 37-jährige Hauptabnehmer solle ebenfalls fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Der »Wertersatzverfall« betrage bei ihm 95 000 Euro.

Angebracht bei dem 31-Jährigen seien drei Jahre und elf Monate Haft, für den 46-Jährigen drei Jahre und drei Monate und für den 59-Jährigen zwei Jahre mit Bewährung und eine Geldauflage von 3000 Euro. Der 36-jährige Rosenheimer solle wegen Beihilfe zwei Jahre mit Bewährung bekommen. Die neun Verteidiger hielten jeweils etwas niedrigere Strafen für ausreichend. Die Anwälte führten zum Beispiel Minderwertigkeitsgefühle ihrer Mandanten als Motiv für Doping an – um sich stärker zu fühlen.

Im Urteil griff Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel die Argumente der Staatsanwältin wie der Verteidiger auf. Doping sei eine gefährliche Sache - für die eigene Gesundheit und die anderer Menschen. Der 45-jährige Hauptangeklagte erhielt vier Jahre neun Monate Haft und muss aus vorhandenen Vermögenswerten mehr als 91 000 Euro Wertersatzverfall zugunsten der Staatskasse aufbringen.

Vier Täter akzeptierten die Strafen sofort

Sein Helfer im Labor und beim Vertrieb, der 36-jährige Rosenheimer, kam mit zwei Jahren zur Bewährung davon. Der 37-jährige Hauptabnehmer muss ebenfalls vier Jahre und neun Monate in Haft. Der Wertersatzverfall bei ihm summiert sich auf 95 000 Euro. Zwei weitere Abnehmer, 31 und 46 Jahre alt, verurteilte das Gericht zu drei Jahren drei Monaten beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Gegen den 59-Jährigen verhängte die Kammer 18 Monate mit Bewährung und eine Geldauflage von 2000 Euro. Vier Täter akzeptierten ihre Strafen sofort. Der 45-Jährige und der 59-Jährige ließen offen, ob sie Revision einlegen werden. kd