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Hobmaier verzichtet auf Gemeinderatsmandat

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Inzells Bürgermeister Martin Hobmaier, der nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr bestätigt wurde, nimmt auch sein Gemeinderatsmandat nicht an. (Foto: Bauregger)

Inzell. Der abgewählte Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier wird sein Gemeinderatsmandat nicht annehmen. Das erklärte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei zeigte er sich noch immer sehr betroffen und enttäuscht über den Stil des Wahlkampfes mit massiven Vorwürfen zu seiner Arbeit in den letzten zwölf Jahren. Er sei betroffen von der Art und Weise, wie diese Jahre im Wahlkampf thematisiert und Erfolge negiert worden seien. Trotzdem blickt er aber positiv die Zukunft, in der er sich zumindest im Kreistag weiterhin für seine Heimatgemeinde einsetzen will. Das versagte Vertrauen bei den Wahlen und menschliche Aspekte würden es ihm aber unmöglich machen, sein Gemeinderatsmandat anzunehmen.


Fehler und persönliches Versagen wurden ihm im Wahlkampf vorgeworfen. Obwohl viele Vorwürfe von ihm in Wahlveranstaltungen noch richtiggestellt und entkräftet worden seien, sahen die Bürger die Beschuldigungen offenbar als stichhaltiger an, so Hobmaier. Dies müsse man so akzeptieren, da an erster Stelle der Wille der Wähler ausschlaggebend ist. Die Enttäuschung darüber, insbesondere aus menschlicher Sicht, werde ihn allerdings auch in die Zukunft begleiten, so der Bürgermeister. Dass der Wahlkampf vielleicht von ihm und der CSU-Ortsgruppe zu »brav« geführt wurde, räumte er ein. Er würde dies aber auch jetzt nicht anders machen, weil für ihn menschliche Werte und werthaltiges Verhalten wichtiger seien als der momentane Erfolg. Dass es auch eine »Zeit nach dem Wahlkampf« gebe, in der man auch auf menschlicher Ebene wieder zusammenfinden müsse, haben aus seiner Sicht viele der Wahlkämpfer offenbar vergessen. Als Konsequenz daraus sei unvermeidlich, dass manche Freundschaft zerstört und auf eine sachliche Ebene reduziert werde.

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Gegen den Hauptvorwurf, er sei nicht team- und konsensfähig, wehrt sich Hobmaier dann doch entschieden. Er habe zum Beispiel das Jour fixe mit seinen Mitarbeitern eingeführt, bespreche sich kontinuierlich mit seinem Amtsleiter, den Abteilungsleitern und wöchentlich mit dem 2. Bürgermeister, habe große Veranstaltungen wie das Dorffest, das B-3-Sommerfest oder das Gautrachtenfest ausführlich mit allen Betroffenen gemeinsam vorbereitet, sei zu allen Veranstaltungen im Ort gerne hingegangen und habe auch bei den runden Geburtstagen immer persönlich den Kontakt zu den Einwohnern gesucht. Dass es, wie beim Thema Zukunftsperspektiven und Auslastung für die Eishalle, auch negative Erfahrungen und Auswirkungen gegeben habe, sei richtig. Informationen bezüglich der eingesetzten Personen hätten hier aber aus vertragrechtlichen und personenrechtlichen Gründen nicht immer so zeitnah weitergegeben werden können wie dies wünschenswert gewesen wäre. Hier sei man sicher noch bei Weitem nicht am Ziel angelangt.

Die Kritik an der ITG sieht Hobmaier ebenfalls als unberechtigt an. Verwundert sei er auch deshalb, weil jeder Vermieter und jeder Gemeinderat jährlich bei den ITG-Versammlungen Gelegenheit hatte, seine Kritik vorzutragen. Dies sei auch bei der diesjährigen Versammlung möglich gewesen. Hier wurde nichts kritisiert, bei den Wahlveranstaltungen danach dann aber massiv. Auch die »Inzell Card Plus«, die aus seiner Idee heraus entwickelt wurde, halte er nach wie vor als geniales Wertinstrument besonders für die Kleinvermieter. Verschiedene weitere Kritikpunkte wie etwa die Olympiabewerbung, den vom Landratsamt beauftragten Masterplan für die Entwicklung der Gemeinde, das »Schladminger Papier« wollte Hobmaier nicht weiter kommentieren, da alles bereits gesagt wurde und ein Nachtarocken nichts mehr bringe. Das Argument »mehr Bürgerbeteiligung« werde bereits gelebt. Generell müsse aber der Bürgermeister Akzente setzen und die Angelegenheiten so gut vorbereiten und Überzeugungsarbeit leisten, dass die Bürger zustimmen können. »Weiche Argumente« und ein Restrisiko gebe es bei allen Entscheidungen, die schlussendlich ohnehin der Gemeinderat beschließen müsse.

Seiner restlichen Amtszeit sehe er mit ein bisschen Wehmut entgegen, so Hobmaier, freue sich aber auf die Kreistagsarbeit, bei der er sicher dem neu gewählten Landrat Sigi Walch eine starke Stütze im südlichen Landkreis sein werde. Beruflich gebe es einige Angebote, die er aber erst prüfen wolle. Für Freizeitaktivitäten wie Berggehen, Mountainbiken, Skifahren und verschiedene sportliche Aktivitäten, auch mit seiner Familie, gebe es ab 1.  Mai sicher wieder viel mehr Gelegenheiten. wb