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Viele halfen zusammen, um dieses historische Zeugnis Marquartsteins zu bewahren

Historisches Haltestellenschild vor dem Rathaus

Marquartstein. Vor dem Rathaus in Marquartstein ist jetzt ein Hinweis auf Marquartsteins mehr als 80-jährige Geschichte als Standort einer Bushaltestelle der deutschen Reichsbahn zu sehen: ein Haltestellenschild mit dem deutschen Reichsadler und einem alten Originalfahrplan, der die Busstrecke von Bad Aibling über Marquartstein nach Reit im Winkl dokumentiert.

Das frisch renovierte Busschild von ungefähr 1928 als historisches Denkmal wurde hinter der Bushaltestelle beim Rathaus aufgestellt. (Foto: Giesen)

Zur Geschichte: 1928 richtete die Deutsche Reichsbahn einen Busverkehr ein. Die genaue Bezeichnung lautete »Reichsbahn-Kraftomnibuslinien auf Autobahnen und anderen Straßen«. Eine dieser Linien führte von München über Bad Aibling nach Reit im Winkl und natürlich über Marquartstein.

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1983 wurde ein Teil des Marquartsteiner Bahnhofs abgebrochen. Nikolaus Rappl, immer schon an Lokalgeschichte interessierter Marquartsteiner Bürger, entdeckte bei den Abbrucharbeiten ein altes, ziemlich ramponiertes Haltestellenschild, rettete es vor dem Abtransport und bewahrte es in einem Schuppen bei sich auf. 2012 zeigte er das Schild dem früheren Bürgermeister von Marquartstein, Hans Daxer, der sich seit langem intensiv mit der Geschichte der Eisenbahn beschäftigt und schon einige Zeitungsartikel darüber verfasste (zum Beispiel in den »Chiemgau-Blättern« des Traunsteiner Tagblatts). Nach einigen Recherchen gelang es Hans Daxer in dem Buch »Der Autobahn-Schnellverkehr« von Volkhard Stern und mit zusätzlichen Informationen und Bildmaterial des Autors weitere Hinweise für die genaue Zuordnung des Schildes zu bekommen. Auch das Deutsche Technikmuseum in Berlin war inzwischen aufmerksam geworden, bezeichnete das Schild als »echte Rarität« und war am Erwerb hochinteressiert, wie Hans Daxer berichtete.

Bürgermeister Andreas Dögerl stand vor der Frage, ob das Schild dem Berliner Museum überlassen werden oder renoviert werden sollte. Er entschied, das Schild als historisches Zeugnis für das Dorf nicht nachzubilden, sondern restaurieren und aufzustellen zu lassen. Dazu trug auch ein Angebot von Wolfgang Diener aus dem hessischen Reinheim bei, der Bücher über die Deutsche Reichsbahn von 1930 verfasste und daher Informatio-nen über die originale Farbgebung des Schildes beisteuern konnte. Zuletzt führten Marquartsteiner Handwerksbetriebe die notwendigen Arbeiten durch. Roland Bodenstein ließ das Material entrosten und verzinken, Thomas Drickl übernahm den originalgetreuen Farbanstrich. Schließlich gelang es Hans Daxer noch, den originalen Fahrplan aus dem Jahr 1939 aufzutreiben, der nun unter Glas zu finden ist. Wichtig mag der Hinweis sein, dass das alte Schild mit dem Reichsadler nicht aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt, sondern aus weit früherer Zeit. gi