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Historischer Raum mit neuester Technik

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Historisches Flair: der neue Sitzungssaal des Grassauer Gemeinderates. (Foto: T. Eder)

Grassau. Im über 200 Jahre alten, ehemaligen Pfarrhof und jetzigem Gebäude der Tourist-Information wird künftig über das Geschehen in der Gemeinde entschieden. In einem feierlichen Akt mit Segnung der Räume und musikalisch begleitet von »Grass Brass«, dem jüngsten Bläserensemble der Musikschule, stellte Bürgermeister Rudi Jantke den neuen Sitzungssaal vor.


Den akuten Raumbedarf im Rathaus nannte Jantke als Grund für die Suche eines neuen Sitzungssaals. Der bisher genützte Sitzungssaal im Rathaus sei der am besten belichtetste im Haus, wurde aber vorwiegend abends genutzt. Darum habe man entschieden, den Sitzungssaal in Büroräume umzugestalten.

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Historischer Raum sollte ins Licht der Öffentlichkeit

Für einen neuen Sitzungssaal hatten zwei Alternativen zur Wahl gestanden, zum einen der Ausbau des Dachgeschosses im Rathaus oder das Dachgeschoss im alten Pfarrhof. Im Oktober 2011 entschied der Rat sich für den alten Pfarrhof. Die bemerkenswerte Dachkonstruktion des Pfarrhofs sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und neben dem Sitzungsgeschehen auch weitere Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Des Weiteren sei hier bereits ein Aufzug installiert und im ersten Obergeschoss auch eine Behindertentoilette vorhanden. Barrierefreiheit sei damit gegeben. Außerdem könne so das Rathaus-Dachgeschoss als Reservefläche für die Verwaltung erhalten bleiben. Ein wesentlicher Aspekt waren auch die Kosten, die beim Rathausdachgeschossausbau höher ausgefallen wären. Jantke informierte, dass das ehemalige Pfarrhaus 1795 erbaut, 1909 erneuert, 1968 verändert und 2002 komplett nach den Denkmalschutzvorgaben umgebaut worden war. Nach dem Neubau des Pfarramtes 1962 kam es zur Nutzungsänderung. Verkehrsamt, Polizeidienststelle und Zeitschriftenladen fanden hier ein Zuhause.

Die Auflagen des Denkmalsschutzes für den Ausbau des Dachgeschosses waren, so Jantke, »nicht ganz ohne«. Es durfte zum Beispiel kein außen liegendes Treppenhaus gebaut werden, sodass der zweite Fluchtweg innerhalb des Gebäudes realisiert werden musste.

Alles in allem entstand ein Raum, dessen ganz besonderer Reiz in der Verbindung und Ergänzung des Baudenkmals mit vielen modernen Elementen liegt. Der Sitzungssaal ist mit neuester Medientechnik ausgestattet und auch akustisch wie belüftungstechnisch auf dem neuesten Stand.

Die Kosten für den Umbau bezifferte Jantke auf 470 000 Euro. »Eine stolze Summe, die sich allerdings relativiert, da kostengünstig neue Räume im Rathaus geschaffen werden.«

Über die besondere Herausforderung des Dachgeschoss-Ausbaus informierte Planer Hans Hornberger. Vor allem das Walmdach mit Kehlgebälk und aussteifenden Andreaskreuzen präge die besondere Atmosphäre. Auflage des Denkmalsschutzes war es, das Gebälk möglichst sichtbar zu lassen.

Die »Stuhlfrage« war schwierig zu beantworten

Als kleine Episode am Rande erinnerte Hornberger an die schwere »Stuhlentscheidung«. 20 Marktgemeinderäte diesbezüglich unter einen Hut zu bekommen, sei schwer gewesen – und so seien die Stühle zu einem riesigen Thema geworden.

Die nächste Marktgemeinderatssitzung im Juni kann nun schon im neuen Sitzungssaal stattfinden, der sowohl über das Treppenhaus wie auch mit dem Lift zu erreichen ist. tb