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Hilfe nach Missernte auf dem Balkan bitter nötig

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Eine Familie im bosnischen Banja Luka freut sich über die Hilfsgüter aus dem Chiemgau.

Schon zum 21. Mal formieren sich kirchliche Gruppen der Landjugend, Pfadfinder, Burschenvereine, Kolpingfamilie, KAB, Frauengemeinschaft- und Frauenbund, Pfarr-Caritasvereine sowie Pfarrgemeinderäte aus 85 Pfarreien zwischen Inn und Salzach, um mit einem Hilfsaufruf für den Balkan erneut bittere Not zu lindern. Missernten und die europäische Wirtschaftskrise bedrängen die Menschen in dieser ärmsten Region Europas. Die Hilfspakete nehmen Ehrenamtliche an den Samstagen 1. und 8. Dezember an (siehe Kasten). Dass die Hilfe ankommt, dokumentieren allein 55 Hilfstransporte im vergangenen Jahr.


Der Kosovo bleibt dabei der Schwerpunkt der Hilfeleistung, da es mit einer extremen Arbeitslosigkeit von über 40 Prozent das ärmste Land Europas darstellt. Das Durchschnittseinkommen liegt bei lediglich sieben Prozent von Deutschland. Laut Weltbank lebt dort ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze beziehungsweise in extremer Armut. Besonders Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker und Öl sind in der Wirtschaftskrise teuer geworden. Über die Caritas in Ferizaj unter Leitung von Pfarrer Viktor Sopi gehen die Hilfspakete von »Junge Leute« helfen darum in alle Landesteile und an alle Volksgruppen.

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Verhältnisse sind oft katastrophal

Auch in Bosnien hemmen ungelöste politische Verhältnisse die Entwicklung und immer noch haben eine Million Menschen auf dem Balkan ihre Heimat effektiv als Flüchtlinge verloren. Kriegsbedingte Zerstörungen sind noch allerorts sichtbar und eine zehnwöchige Dürre hat zu katastrophalen Ernteausfällen von bis zu 40 Prozent oder umgerechnet einer Milliarde Euro geführt. »Die Lebensmittelpreise steigen und für viele ist der nahende Winter ohne Heizmaterial und bitterem Hunger ein existenzielles Problem« erläutert Caritasdirektor Pfarrer Mirko Schimic. Aufgrund von Bittgesuchen von der Caritas in Banja Luka und Sarajevo werden deshalb erstmals von der Aktion Hilfstransporte für diese Regionen zusammengestellt.

Nach dem Motto »Lieber die Angel statt dem Fisch« sollen zudem mit der Aktion »Der gute Hirte« durch den Erwerb von Kühen, Schafen, Schweinen, Hühnern und Saatgut verarmte Bauernfamilien nachhaltig unterstützt werden und die eigene Produktion steigern. Da eine Kuh etwa 1000 Euro vor Ort kostet, wird auch auf die Unterstützung hiesiger Betriebe, Vereine oder Bauernverbände gehofft, die so konkret eine Existenz sichern können.

Auch in Albanien wird geholfen. Der Hilfe zur Selbsthilfe dient der Bau von Häusern in den kärglichen Bergdörfern in der Region Fush Arrez in Nord-albanien, an welchen Gruppen von Jugendlichen aus dem Chiemgau regelmäßig beteiligt sind. 6000 Euro sind für ein einfaches Heim für eine Familie nötig, welche bisher in unvorstellbaren Behausungen leben müsse. Schwester Bernadette Ebenholz koordiniert dieses Vorhaben. Eine Ambulanz, eine Hauswirtschaftsschule und mehrere Kindergärten gehören außerdem zu den dortigen Projekten.

An den Brennpunkten der Not sind die jungen Helfer auch in Montenegro engagiert. Dazu gehören die 200 Waisen des Waisenheimes in Bijla, die 250 geistig Kranken der Psychiatrie in Dobro oder 270 Senioren im Altenheim von Risan. Bis zu 25 Sozialeinrichtungen vorsorgt die Chiemgauer Initiative laut Pfarrer Coric von der Caritasstation Kotor.

Lebensmittel, Kleidung, Spielzeug werden gebraucht

Zu den Langzeitprojekten gehört auch eine Armenküche im kroatischen Zagreb. Hier verteilen die Franziskaner unter Leitung von Pater Ivica Radeljac täglich an 750 Bedürftige eine warme Mahlzeit. Mit einem kleinen Laster von »Junge Leute helfen« verteilt zudem Schwester Dorotheja Grubacevic in abgelegenen Dörfern direkt die Hilfspakete an die Ärmsten.

Vorrangig benötigt werden Grundnahrungsmittel wie Zucker, Speiseöl, Mehl, Nudeln, Reis oder Babynahrung, die im Großhandel günstig gekauft werden können. Sachspenden in Form von Lebensmitteln, Kleidung, Spielzeug, Windeln sowie Baby- und Kindersachen kann man, unbedingt möglichst in Bananenkisten verpackt, an den beiden Sammeltagen an den bekannten Sammelstellen abgeben. Aber auch für die gestiegenen Spritkosten benötigt man finanzielle Hilfe, und so hoffen an den Abgabeorten Spendenschweinchen auf einen Beitrag in Höhe von vier bis sechs Euro pro Paket.

Damit die Hilfe weitergeht, kann auf 24 Konten bei allen Raiffeisen- und Volksbanken oder auf das Zentralkonto 801843060 der Pfarrkirchenstiftung Obing bei der Raiffeisenbank Chiemgau-Nord (BLZ 701 691 65) eingezahlt werden.

Weitere Auskünfte erteilen alle Pfarrämter sowie die Ortsverantwortlichen der einzelnen Gemeinden.