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Hilfe für kleine Frühstarter und ihre Eltern

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Damit der Übergang von der Apparatemedizin im Klinikum in die häusliche Umgebung gut gelingt, gibt es am Klinikum Traunstein Hilfsangebote für Eltern von Frühchen wie die Harlekin-Nachsorge. Eine Kinderkrankenschwester und eine Mitarbeiterin der Frühförderstelle helfen bei allen Fragen.

Traunstein – Er ist ein fröhlicher kleiner Kerl, der elf Monate alte Lukas. Dass es ihm so gut geht, ist nicht zuletzt das Verdienst von Nachsorgeschwester Connie Rahammer und von Elke Dunst vom Mobilen Dienst der Frühförderstelle Traunreut/Altenmarkt. Denn Lukas kam fünf Wochen zu früh zur Welt.


»Das kam völlig überraschend. Ich war in der Früh noch beim Frauenarzt, da war alles in Ordnung. Am Nachmittag ist die Fruchtblase geplatzt«, erzählt Lukas' Mama Susi. Weil sie davon so überrascht wurde, war noch nicht einmal die Kliniktasche fertig gepackt. Im Klinikum Traunstein kam der kleine Lukas dann innerhalb weniger Stunden zur Welt – mit nur rund 1800 Gramm Geburtsgewicht und 43 Zentimeter Größe. »Das war schon ein mulmiges Gefühl, aber in dem Moment war ich mehr im Funktionsmodus«, erinnert sich Susi. »Ich hab nur meinem Mann erklärt, was er daheim noch alles erledigen muss im Kinderzimmer und mit der Wäsche.«

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Kinderintensivstation, Monitor und Magensonde

»Da meint man immer, drei Tage und dann geht man mit dem Kind wieder heim. Und dann kommt alles ganz anders«, erinnert sich Susi. Denn Lukas musste gleich auf die Kinderintensivstation. Dort erhielt er eine Magensonde, ein Monitor überwachte die Atmung und jeden Herzschlag. »Das Ding hat oft gefiept«, erinnert sich Susi. »Das war sehr anstrengend, ich wusste ja nicht einmal, was das zu bedeuten hat. Und wenn ich gefragt hab, hieß es immer nur, da muss man Geduld haben, er braucht halt Zeit.«

Um gestillt zu werden, war Lukas anfangs zu schwach – zum Füttern musste man ihn wecken, denn er hatte kein Hungergefühl. Und er konnte weder saugen noch schlucken. Dann hat er auch noch einen Infekt aufgeschnappt. Doch langsam, aber beständig kämpfte sich der kleine Mann ins Leben. Nach fünf Tagen durfte er umziehen auf die normale Kinderstation in ein Wärmebettchen. Die Magensonde wurde gezogen, der Monitor blieb vorerst – bange erste Wochen für seine Eltern.

Noch in der Klinik bot man Susi die Harlekin-Nachsorge an. Eine Kinderkrankenschwester und eine Fachkraft der Frühförderstelle informierten über das Projekt von Kinderklinik, Diakonischem Werk und Frühförderstelle. Auch wurde ein Hausbesuch vereinbart. »Wenn die beiden mich nicht angesprochen hätten, hätte ich das Angebot so nie annehmen können«, sagt Susi. »Am meisten hat mich überrascht, dass es kostenlos ist.«

Ansprechpartner für alle Fragen

Sie war erleichtert, »dass da wer ist. Beim ersten Kind ist man eh unsicher, erst recht, wenn es ein Frühchen ist und einen Infekt hatte. Dann ist es doppelt hilfreich, einen Ansprechpartner für alle Fragen zu haben.« Die gab es zum Beispiel wegen der anfänglichen Schluckstörungen oder der Blähungen. »Da gab es zum Beispiel bestimmte Tragegriffe, die den Bauch entlastet haben.«

Wie alle anderen Mamas von Neugeborenen war auch Susi anfangs rund um die Uhr beschäftigt. »Da war es gut, wen von außen zu haben, der zuhört, auch wenn es mir mal gar nicht gut ging. Damit will man ja sonst niemanden belasten.« Gut fand sie auch das Informationsmaterial, mit dessen Hilfe man sich auf Untersuchungen beim Kinderarzt vorbereiten konnte. »Auch gibt es Informationen zur Entwicklung.«

Und mit der ist Lukas im Schnitt fünf Wochen hinterher. »Die fehlen ihm einfach. Von der Entwicklung her ist er wirklich erst zehn Monate alt«, sagt Susi. So ist er in der Krabbelgruppe nach wie vor der kleinste und schmächtigste. »Aber wenn man die fünf Wochen abzieht, ist er altersgemäß entwickelt.«

Frühgeborene sind oft mit völlig anderen Reizen konfrontiert, als es in einer normalen Schwangerschaft wäre, so das Bayerische Familienministerium in seiner Broschüre zum Harlekin-Nachsorgemodell. Das betrifft die direkte Umgebung, das Fühlen, Sehen, Hören, die Schwerkraft und plötzlich notwendige Leistungen, wie Atmen, Stabilisieren von Kreislauf und Temperatur, Nahrungsaufnahme und Verdauung, obwohl die Organe noch gar nicht ausgereift sind.

Stress und Schmerz statt Geborgenheit

Für das Kind kann dies auch Schmerzen durch lebensnotwendige Nadeln, Sonden und Beatmungsgeräte bedeuten. Das erzeugt eher Abwehr als Vertrauen und Wohlbefinden – die Erfahrung von Geborgenheit muss erst geübt werden. Das macht das eine oder andere Frühchen »schwieriger«: Es gibt Trinkprobleme, Gedeihstörungen, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Probleme beim Wickeln, Baden, beim Kontakt mit neuen Gesichtern oder in neuer Umgebung.

Deshalb brauchen diese Babys und ihre Eltern Unterstützung. Das Nachsorgemodell Harlekin richtet sich an Familien mit Frühgeborenen, Zwillingen oder Drillingen oder reif geborenen Kindern mit besonderen Belastungen. Finanziert wird die Harlekin-Nachsorge vom Bayerischen Sozialministerium. Das zweite Nachsorgemodell am Klinikum, der Bunte Kreis, kann ärztlich verordnet werden und ist eine Leistung der Krankenkassen. coho