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Hilfe, die nicht verpufft

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Diese kleine Patientin war mit der traditionellen Gesichtsbemalung zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gekommen.
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Während Dr. Eberhard Biesinger operierte, sahen ihm HNO-Ärzte aus Myanmar über die Schultern.

Traunstein – Die Hilfe in Myanmar ist ihm nach wie vor eine Herzenssache: Der Traunsteiner Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Eberhard Biesinger ist zum achten Mal mit einem Ärzteteam in das südostasiatische Land gereist, um dort Menschen mit Ohrenkrankheiten zu behandeln. Nach arbeitsintensiven zwei Wochen fuhr er nicht nur mit »einem beseelten Gefühl« nach Hause, sondern auch mit einer renommierten Auszeichnung im Gepäck.


Der »Fellowship Award« ging an den von Dr. Biesinger gegründeten Hilfsverein »Eagle«, der es zum Ziel hat, die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in fremden Ländern zu unterstützen. Der Traunsteiner Arzt nahm den Preis bei einem Kongress in der myanmesischen Hauptstadt Yangon entgegen, an dem rund 500 HNO-Ärzte aus ganz Asien teilnahmen.

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In der »HNO-Welt« Asiens Gehör gefunden

»Ich bin stolz darauf, dass unser Verein nun in der 'HNO-Welt' ganz Asiens Gehör gefunden hat«, sagt Dr. Biesinger. Als er knappe zwei Wochen vor der Preisverleihung in das Land gereist war, wusste er noch nichts von der hohen Auszeichnung. Der Preis habe ihn auch darum so gefreut, weil er und seine Mitstreiter so wieder etwas zurückbekommen hätten. »Das zeigt, dass unsere Hilfe nicht verpufft.«

Der Arzt mit der HNO-Gemeinschaftspraxis in Traunstein war auch bei seinem achten, ehrenamtlichen Hilfseinsatz in Myanmar nicht mit leeren Händen gekommen. Er hatte medizinische Instrumente als Geschenk dabei. Der zweiwöchige Aufenthalt im November startete mit einem Operationskurs für myanmesische Kollegen in Mandalay. 26 Teilnehmer aus dem ganzen Land nahmen daran teil. »Mich beeindruckt immer wieder, wie wissbegierig und fleißig die Ärzte in Myanmar sind«, erzählt Dr. Biesinger.

Das neunköpfige Team aus Deutschland behandelte diesmal zwischen 500 und 600 Patienten und führte 34 Operationen durch. Dr. Biesinger standen unter anderem sein früherer Traunsteiner Praxiskollege Dr. Christian Heiden, seine ehemaligen Traunsteiner Assistenzärztinnen Dr. Anne Groth und Dr. Christin Idler, die Traunsteiner OP-Schwester Magdalena Fischer sowie drei Anästhesisten und eine Studentin zur Seite.

Ein HNO-Arzt für 1,5 Millionen Menschen

Die HNO-ärztliche Versorgung in Myanmar ist nach wie vor sehr schlecht. Rein rechnerisch gibt es für 1,5 Millionen Menschen nur einen HNO-Arzt. Dazu kommt der niedrige Ausbildungsstand vieler Mediziner. »Nur fünf HNO-Ärzte in Myanmar können überhaupt Ohren operieren«, sagt Dr. Biesinger. Darum verwundert es nicht, dass viele Burmesen von weit her kommen, um sich von den deutschen Medizinern behandeln zu lassen. »Es gab Leute, die hatten eine dreitägige Anreise hinter sich«, so der 63-Jährige.

In Myanmar sterben immer noch viele Menschen an den Folgen einer Mittelohrentzündung. Viele haben wegen einer chronischen Ohrenentzündung ihr Gehör verloren. Immerhin: Seit Dr. Biesingers erster Reise in das südostasiatische Land im Jahr 2010 hat sich viel getan. Besonders die Nachhaltigkeit seiner Hilfe macht ihn stolz. »Das Wissen pflanzt sich mittlerweile auch ohne uns fort«, sagt der Traunsteiner.

Die zweiwöchige Reise ist auch strapaziös

Seine Hilfseinsätze in Myanmar gehen mittlerweile leichter von der Hand. Dennoch verlangen sie ihm und seinen Mitstreitern viel ab. Klima und Durchfall machen ihnen regelmäßig zu schaffen, dazu kommt die Malaria-Gefahr. Die Dankbarkeit der Menschen und die Begegnung mit ihnen würden aber alles wieder aufwiegen, so Dr. Biesinger.

Leider blieb ihm diesmal kaum Zeit, sich das Land anzusehen, das ihn von Anfang an fasziniert. »Eine Reise dorthin ist wirklich zu empfehlen«, sagt er – und das trotz des ethnischen Konflikts mit den Rohingya.

Ein Baustein der Hilfe ist auch die Weiterbildung myanmesischer HNO-Ärzte in Traunstein bei Dr. Biesinger sowie in Salzburg bei Universitätsprofessor Dr. Gerd Rasp. Im Frühjahr ist der nächste Besuch in der Region geplant. Dr. Biesinger will im nächsten Herbst wieder nach Myanmar reisen. Dann ist er 64 Jahre alt. In seiner Praxis in Traunstein will er dann »ein bisschen kürzertreten«. »Das ehrenamtliche Engagement in Myanmar will ich aber auch in den nächsten Jahren fortführen«, sagt er. san

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