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»Hier zählt nicht der Sieg, sondern das Miteinander«

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Bürgermeisterin Ursula Haas überreichte an SVT-Vorstand Peter Schäffler das Gemeindewappen und einen Gutschein. (Foto: Aßmann)

Taching am See – »Jetzt ist’s endlich soweit.« Peter Schäfflers Worte klangen fast wie ein Stoßseufzer. Und das nicht ohne Grund: Nach mehr als dreijähriger Planungs- und Bauphase, intensiven Gesprächen mit Behörden- und Verbandsvertretern, 4800 abgeleisteten Arbeitsstunden sowie einer Vielzahl an Planentwürfen konnte das neue Sportheim des SV Taching am See jetzt offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Diakon i. R. Anton Lörzel spendete den kirchlichen Segen.


»Es ist ein Zentrum entstanden, in dem man sich treffen und guten Sport betreiben kann«, zeigte sich Schäffler überzeugt. Die vergangenen drei Jahre hätten sich nicht immer einfach gestaltet, aber alle Beteiligten seien von dem Gedanken getragen gewesen, den Sport in Taching nachhaltig am Leben zu erhalten. In diesem Zusammenhang hob der Vorstand das Landratsamt Traunstein heraus, das sich trotz des schwierigen Genehmigungsverfahrens stets äußerst kooperativ gezeigt habe.

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»Ohne die Gemeinde nicht möglich«

Die Finanzierung des neuen Vereinsheims konnte – trotz eines über Jahrzehnte angesparten Guthabens – nicht vollständig vom SV Taching gestemmt werden. Neben einer Förderung des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) unterstützte die Gemeinde das Projekt mit einem Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro, zahlte für die Räume im Sanitärgebäude des Campingplatzes, die Mitte der 1970er Jahre vom Sportverein erstellt worden waren, eine Ablöse von 29 000 Euro und übernahm für ein Bankdarlehen des SVT den Gutstand. »Ohne die Gemeinde wäre der Neubau keinesfalls möglich gewesen«, bekräftigte Peter Schäffler.

Weitere 20 000 Euro konnten durch die »Dachziegelspende« erwirtschaftet werden, die auf einer Idee des stellvertretenden Vorstands Falko Kühnhauser basiert. Auf einer Tafel, die am neuen Schmuckstück des Tachinger Sportvereins angebracht werden soll, will man alle Firmen und Privatpersonen, die sich an der Aktion beteiligten, würdigen. Schäffler dankte ferner allen Sach- und Baumspendern sowie den vielen freiwilligen Helfern – vom Baggerfahrer bis zu den Damen des SV Taching, die die Arbeiter während des Baus mit Speis und Trank versorgten – für ihr nimmermüdes Engagement. »Mit der Hilfe aller ist ein Treffpunkt entstanden, in dem sich Sportler und Dorfgemeinschaft gerne treffen, zusammensitzen und miteinander reden«, erklärte Schäffler, der auch den sportlichen Aufschwung der vergangenen zwei Jahre beim SV Taching mit dem Neubau verband: »Die Fußball-Abteilung hat sich zu einer Riesengeschichte entwickelt, mit stark aufgestellter Jugend und einer Ersten Herrenmannschaft, die um den Aufstieg kämpft«, freute sich der Vorstand.

Bürgermeisterin Ursula Haas beleuchtete ebenfalls noch einmal kurz die Entstehungsgeschichte. Von Anfang an sei die Gemeinde stark in das Projekt involviert gewesen, habe sich intensiv an der Standortsuche beteiligt, Baugrund zur Verfügung gestellt, bei Behörden vorgesprochen und nicht zuletzt einen großzügigen finanziellen Beitrag geleistet. »Ziel war immer, eine gute Lösung für den SV Taching zu schaffen. Der Verein ist ein wesentliches Element für unser Dorf und seine Gemeinschaft«, resümierte die Bürgermeisterin. Lob zollte Ursula Haas dem Tachinger Gemeinderat. »Er ist immer mitgegangen und hat alle Entscheidungen mitgetragen. Wir müssen ja immer auch an alle Bürger denken und nicht nur an einen einzelnen«, betonte die Gemeindechefin, die hoffte, dass das neue Vereinsheim mit sportlichem Leben erfüllt zu einer weiterhin positiven Entwicklung des Vereins beitrage und zum neuen Treffpunkt des Dorfes werde.

Die BLSV-Kreisvorsitzende Claudia Daxenberger verband ihre Gedanken mit Textpassagen aus dem Sportfreunde-Stiller-Song »Das Geschenk«: »Das neue Sportheim ist ein Geschenk des Vereins an die Mitglieder und Tachinger Bürger. Die vielen Helfer, die tatkräftig mitgearbeitet und sich engagiert haben, hat der Himmel geschickt.« Darauf dürften alle Beteiligten stolz sein. In dem Neubau drehe es sich nicht ausschließlich um das sportliche Geschehen. »Das Vereinsheim wurde auch für kommende Generationen geschaffen und bereichert die Dorfgemeinschaft«, verdeutlichte die BLSV-Kreisvorsitzende.

»Hier wurde Großartiges geleistet«

»Hier wurde Großartiges geleistet«, konstatierte Architektin Simone Riesemann vom gleichnamigen Architekturbüro, das das Vorhaben von der Idee bis zur Fertigstellung begleitete. Als man 2013 mit den Planungen begann, musste zunächst ein Raumprogramm erarbeitet werden. Strikt wurden sämtliche Vorgaben des BLSV berücksichtigt, um eine finanzielle Förderung in Anspruch nehmen zu können. Streng waren auch die Auflagen des Landratsamtes bezüglich der Architektur, da der Standort im Außenbereich sowie in einem Naturschutzgebiet liegt.

Bei der Planung habe sie Wert auf eine »klare, gefällige und funktionale Architektur ohne Sportcharakter und eine hochwertige, ökologische Bauweise« gelegt. Alle Räume in dem Gebäude mit einer Nutzfläche von 175 Quadratmeter sind natürlich belichtet. Eine Gasheizung sorgt für Wärme; in Bälde soll eine Solaranlage die Warmwasser-Aufbereitung unterstützen. Gemeinsam mit ihrer Mama Simone nahm Marie Riesemann im Anschluss die obligatorische Schlüsselübergabe an Peter Schäffler vor.

Bauleiter Heinrich Riesemann entschuldigte sich zunächst bei allen, »die ich gefordert und drangsaliert habe«, damit Planung und Bauumsetzung zügig voranschreiten. In seinem Abriss erinnerte der Bauleiter zunächst an das Jahr 1975, als die Räume im Sanitärgebäude am Campingplatz entstanden: »Das geschah schon damals mit viel Eigenleistung. Es ist seinerzeit sogar etwas Geld übrig geblieben, das angespart wurde. Diese 6000 DM bedeuteten den Grundstein für das heutige Vereinsheim.«

Am 4. Mai des vergangenen Jahres gab der BLSV grünes Licht für den Bau, zwei Tage später rückten bereits die ersten Bagger an. Riesemann würdigte neben allen Helfern auch die beteiligten Firmen, die dem Verein mit Ermäßigungen und Spenden entgegengekommen seien und stets ein offenes Ohr für die Wünsche und Belange des Bauherrn gehabt hätten. »Heini, wos host?« – mit dieser verständnisvollen Frage sei er in der Hochphase des Baus oft von den Firmeninhabern empfangen worden. Noch einen Tag vor der Einweihung habe man in dem rund 200 000 Euro teuren Bau gewerkelt. »Hätten wir alle Arbeiten vergeben, wäre der Bau doppelt so teuer geworden. Aber ich denke, wir haben inzwischen alle überzeugt, dass hier etwas Sinnvolles für die Zukunft geschaffen wurde«, bemerkte Riesemann.

Auch Diakon i. R. Anton Lörzel würdigte den Einsatz des Vereins und seiner Mitglieder: »Hier haben viele Menschen zur Entstehung beigetragen.« Die vielen Hände der stillen Helfer seien richtig und wichtig gewesen; das Projekt habe die Menschen zusammengeführt. »Hier zählt nicht der Sieg. Hier zählen das Spiel und das Miteinander«, zeigte Lörzel auf, ehe er die Räume des Sportheims segnete. Musikalisch umrahmt wurde die Einweihung von den »4 Zwidern«. mia