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Heute Ziach-Treffen in Ruhpolding

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Ruhpolding. Das Jubiläumsfest zum 110-jährigen Bestehen des Ruhpoldinger Trachtenvereins »D´Rauschberger Zell« ist in vollem Gange. Der Startschuss ist gestern Abend mit einem Volksmusik und Volkstanzabend gefallen. Mit einem Ziach-Treffen geht es am heutigen Freitag um 20 Uhr im Kurhaus weiter.


Das Programm für dieses »Oimarische Ziach-Treffn« hat Heinrich Albert, Leiter der Musikschule Inzell, zusammengestellt. Den Abend gestaltet er zusammen mit Hermann Huber und Tobi Huber jun. aus Ainring, Engelbert Aigner sen. und jun. aus Berchtesgaden, Anton Gmachl sen. aus Grödig, Martin Stief sen. und jun. aus Ruhpolding sowie dem Ziach-Duo Geisreiter/Wühr. Des weiteren runden ein Chor und eine Ziach-Gruppe der Musikschule Inzell, das Trio »Lechner Schmiß« und der Jodler-Chor aus Teufen im Appenzellerland das anspruchsvolle Programm ab.

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Großer Festabend mit Jubiläumsprogramm und »110 Jahren D´Rauschberger-Zell im Bild« ist am Samstag um 20 Uhr im Kurhaus. Neben vereinseigenen Gruppen, Bruder- und Patenvereinen wirkt auch wieder der Jodler-Chor aus Teufen mit. Nach dem Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr vor der Pfarrkirche St. Georg findet ein großer Festzug mit Musikkapellen und geschmückten Festwagen durch den Ort statt. Ausklang des Gründungsfests ist am Kurpark mit Bewirtung.

Gründung durch Raufereien am Tanzboden

Der GTEV »D´Rauschberger-Zell« ist einer der größten Trachtenvereine im Gauverband I. Elf Jahre nach dem Zusammenschluss der drei selbstständigen Gemeinden Ruhpolding, Zell und Vachenau ist 1893 bereits der GTEV »D´Miesenbacher« in Ruhpolding gegründet worden. Da die neue politische Gemeinde aber noch nicht richtig zusammengewachsen war, beharrten die Bürger in Zell weiterhin auf ihre Eigenständigkeit. Rivalitäten und Raufereien zwischen den Leuten vom Dorf und den Burschen von Zell und Vachenau waren nicht selten.

Daher taten sich letztere zusammen und gründeten 1903 einen eigenen Verein. Anfangs waren es nur sieben Gründungsmitglieder, aber bereits ein Jahr später waren es 40 Vereinsmitglieder. Gründungsvorstand war der Triftschustersohn und Ruhpoldinger Bürgermeister, Mathias Huber.

Plattlerproben und Vereinskranzl fanden beim Zellerwirt statt und brachten bald etwas Geld in die Vereinskasse. Zu auswärtigen Festen wurde oft mehrere Stunden zu Fuß gegangen oder mit dem Radl gefahren. Großzügige Förderer fand der Verein in der Familie des Malers Eduard Bauer-Bredt, sodass sich schon 1908 eine eigene Fahne finanzieren ließ. Der damalige Ortspfarrer weigerte sich allerdings anfangs die Fahne zu weihen, aber nach Einschalten des Guardians von Maria Eck kam es dann doch noch zur feierlichen Segnung. Fünf Jahre nach seiner Gründung war es das erste große Fest des jungen Vereins, der inzwischen 90 Mitglieder hatte. Man »ließ es so richtig krachen«, wie es in der Chronik der Rauschberger heißt: 100 Mark wurde für die Festmusik ausgegeben und 49 Pfund Pulver verschossen…

Beide Weltkriege rissen große Lücken in die Reihen der Mitglieder und brachten das Vereinsleben zum Teil ganz zum Erliegen. Rund 100 Männer kamen nicht mehr aus den Kriegen zurück, viele waren jahrelang in Kriegsgefangenschaft. Doch trotz aller Widerwärtigkeiten gab es in der Folgezeit wieder viele Aktivitäten des GTEV.

1935 wurde ein neues Gipfelkreuz auf dem Rauschberg geweiht. Die alljährliche Rauschbergmesse ist fester Bestandteil der Vereinstradition. In der schweren Zeit führten Otto Pertl als erster Vorstand und Schriftführer Fritz Kecht, die sich hervorragend ergänzten, auch noch nach 1945 den Trachtenverein.

Auf Otto Pertl folgten die Vorstände Hans Pichler (»der Oberhauser-Hans«), Franz Speckbacher, Alois Freibuchner, Sepp Lanzinger, Peter Flechsenhar, Claus Pichler, der heutige Bürgermeister von Ruhpolding, und der jetzige Vorstand Johannes Stief.

Die Raufereien der Anfangszeit gehören heute der Vergangenheit an. Beide Ruhpoldinger Trachtenvereine repräsentieren den Ort bei auswärtigen Festen und helfen sich gegenseitig aus, wo immer es notwendig ist. gi