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Heute vor 50 Jahren starb Rudolf Alexander Schröder

Bergen. Rudolf Alexander Schröder ist heute vor 50 Jahren 84-jährig in einer Klinik in Bad Wiessee gestorben. Aus diesem Anlass erinnert die evangelische Gemeinde Bergen mit einem Festprogramm an den Dichter. Seit Ende 1935 lebte der gebürtige Bremer zusammen mit seiner Schwester, die ihm den Haushalt führte, auf der Sonnleiten oberhalb von Bergen.


27 Jahre auf der Sonnleiten

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Nach seinen eigenen Worten war es der Blick auf den Hochfelln, der Schröder zum Kauf des winzigen Häuschens bewogen hat, in dem er dann 27 Jahre bis zu seinem Tod lebte. Bergen war für Schröder Zufluchtsort seiner »inneren Emigration«, wie er selbst sagte. Hier hoffte er, der Aufmerksamkeit der Nationalsozialisten möglichst zu entgehen. Von Bergen aus war München mit seinen Bibliotheken und den dortigen Freunden leicht zu erreichen. Außerdem war Neubeuern nicht weit, denn mit den beiden verwitweten Schlossherrinnen verband ihn eine lange Freundschaft.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges hat Schröder langsam zum christlichen Glauben zurückgefunden. Auch in seiner Dichtung wandte er sich immer mehr christlichen Themen zu. Zahlreiche Advents- und Weihnachtsgedichte machen Schröder zu dem deutschen Weihnachtspoeten. Seine vielen geistlichen Gedichte stehen stilistisch und inhaltlich bewusst in der langen Tradition des protestantischen Kirchenliedes.

Distanz zum NS-Staat

Sein Ziel war es nicht, neuartige Aussagen zu finden, sondern den christlichen Glauben in kunstgerechter, aber vor allem verständlicher und theologisch richtiger Weise singbar zu machen. Schröder gehörte zu den Autoren der evangelischen Zeitschrift »Eckart«, in der ausschließlich christliche Stimmen, die in klarer Distanz zum NS-Staat standen, veröffentlichten. Herausgeber war der evangelische Pfarrer Kurt Ihlenfeld, ein enger Freund Schröders. In der Zeitschrift und dem gleichnamigen Verlag publizierten neben evangelischen Autoren auch katholische Schriftsteller wie Gertrud von Le Fort.

Schröder wechselte von der Seite des freien Künstlers auf die des amtlichen Kirchenvertreters, als er sich 1942 in Rosenheim zum Lektor der evangelischen Landeskirche in Bayern beauftragen ließ. Bis 1953 hielt er in seinem Wohnzimmer Hausgottesdienste ab. Zahlreiche Einquartierte und Heimatvertriebene fanden in den Gottesdiensten im Hause Schröder Zuspruch und Beheimatung im Glauben.

Einen Eindruck vom Glaubensverkünder Schröder vermittelt der 1965 erschienene Nachtragsband zu den »Gesammelten Werken« mit ausgewählten Predigten aus den Jahren 1942 bis 1953. Als 1974 das evangelische Gemeindehaus in Bergen errichtet wurde, erhielt es den Namen Rudolf-Alexander-Schröder-Haus. Damit gedachte man des bekennenden Christen während der Zeit der NS-Diktatur, des Sammlers und Trösters der versprengten Gläubigen während des Krieges, des Verkünders des Evangeliums, des Dichters der Kirche, des stillen Wohltäters Unzähliger in der Kriegs- und Nachkriegszeit und des Mitgliedes der Landessynode in der Zeit des Wiederaufbaus.

Bundespräsident in Bergen

Im Sommer 1950 hatte bereits die politische Gemeinde Bergen Schröder mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Sogar Bundespräsident Theodor Heuss nahm an dem Festakt teil. Der Verleger Peter Suhrkamp wollte das Gesamtwerk von Schröder herausgeben. Faktisch vom Kriegsende bis zu seinem Tod 1962 arbeitete Schröder deshalb an den Bänden seiner »Gesammelten Werke«.

Die Odyssee übersetzt

Sie umfassen seine weltlichen und geistlichen Gedichte, seine Lyrikübersetzungen, zahlreiche Reden und Aufsätze, seine Übersetzung der Ilias und der Odyssee, die Übersetzungen der Aeneis des Vergil und des gesamten Horaz aus dem Lateinischen, die Übertragung der französischen Barockdramatiker Racine, Corneille und Molière. Bis unmittelbar vor seinem Lebensende arbeitete der fast vollständig erblindete Dichter, von studentischen Hilfskräften unterstützt, an seinen Shakespeare-Übersetzungen. Erst nach seinem Tod konnte der Band mit den ausgewählten Shakespeare-Übertragungen erscheinen.

Nach dem Tod seiner Schwester Dora 1960 führte Schröders Nichte, Marie Luise, die Witwe des 1945 verstorbenen Schriftstellers Rudolf Borchardt, den Haushalt des greisen Dichters. Neben der Abrundung seiner eigenen Werkausgabe half Schröder seiner Nichte, die Werke ihres Mannes herauszugeben. So ist in Bergen nicht nur die Werkausgabe von Schröder, sondern auch die von Rudolf Borchardt, mit dem Schröder befreundet war, entstanden.

Zum 80. Geburtstag Schröders 1958 stellte der Suhrkamp Verlag eine einbändige Werkauswahl zusammen. Die Auswahl wurde ein großer Verkaufserfolg.

Gedenkfeiern im September

Heute ist Schröder nahezu unbekannt. Auf dem Buchmarkt ist außer einer kleinen Übersetzung aus dem Lateinischen kaum etwas erhältlich. Die evangelische Gemeinde Übersee - Bergen - Grabenstätt hat Schröder nicht vergessen. Sie hält am 15. und 16. September zwei Gedenkfeiern ab: Am Samstag, 15. September, findet um 18 Uhr ein öffentlicher Festabend im Festsaal in Bergen statt.

Den Festvortrag wird der emeritierte Historiker und Schröder-Experte Professor Klaus Goebel aus Wuppertal halten. Darüber hinaus wird die Festschrift »Rudolf Alexander Schröder in Bergen« vorgestellt. Am darauf folgenden Sonntag, 16. September, um 10 Uhr findet im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus in Bergen ein Festgottesdienst statt.

Gedenken auch in Bremen

Auch Schröders Vaterstadt Bremen gedenkt ihres großen Sohnes anlässlich dessen 50. Todestages mit einem dreitägigen Kolloquium vom 6. bis 8. September, das unter anderem auch Schröder, den Architekten, Innenarchitekten und Designer, den Aquarellmaler, den Leiter der Bremer Kunsthalle sowie den Gründer der literarischen Zeitschrift »Die Insel« thematisieren wird.

Vom 5. bis 7. Oktober wird dann an Schröder auf Schloss Neubeuern erinnert werden. Gehörte er doch zu dem Kreis um Hugo von Hofmannsthal, der sich jährlich zu einem literarisch-geselligen Miteinander auf Schloss Neubeuern zusammenfand. Im Dezember wird dann das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar das Schröderjahr mit einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema »Schröder – Politik eines Unpolitischen?« beschließen.

Man muss allerdings nicht die Ergebnisse der Expertenrunden abwarten, um feststellen zu können, dass sowohl die weltlichen wie auch die geistlichen Gedichte Schröders für den Leser viele wunderbare Entdeckungen bereithalten. Michael Karger