Hetzerische Fotomontage gegen die Corona-Impfung

Bildtext einblenden
»Impfung macht frei« steht auf einer Fotomontage, die in sozialen Netzwerken die Runde macht. Der Schriftzug »Impfung macht frei« ist eine Anspielung auf den zynischen Spruch »Arbeit macht frei«, der über den Eingangstüren der Konzentrationslager der Nazis hing. Aus Pietätsgründen hat die Redaktion unserer Zeitung die Fotomontage in Teilen unkenntlich gemacht.

Eine hetzerische Fotomontage mit dem Schriftzug »Impfung macht frei« verbreiten Corona-Leugner in den sozialen Netzwerken im deutschsprachigen Raum. Der Schriftzug bezieht sich auf den zynischen Spruch »Arbeit macht frei«, der über den Eingangstüren der Konzentrationslager der Nazis hing – womit ein Vergleich zwischen dem heutigen Staat und dem NS-Terrorregime gezogen wird. Die Hetzkampagne hinterlässt auch Spuren in der Parteienlandschaft im Landkreis Traunstein: Über WhatsApp hat ein Mitglied der Kreisvorstandschaft Traunstein der Basisdemokratischen Partei (»dieBasis«) die Fotomontage veröffentlicht.


Wer das Bild erstellt hat, ist unbekannt. Und auch wann die Fotomontage genau entstand, bleibt offen. So viel steht dann aber doch fest: Auch und gerade die Querdenker und die AfD verwendeten sie in den sozialen Netzwerken. Und neben der Veröffentlichung der Fotomontage in den »Social Media« ereigneten sich in der Vergangenheit ähnliche Entgleisungen von Impfgegnern auch in öffentlichen Veranstaltungen. So war etwa Anfang Mai auf einer Corona-Demo in Freiburg ein Schild mit der Aufschrift »Impfen macht frei« zu sehen. Der Vorfall beschäftigte alsdann die Staatsanwaltschaft Karlsruhe.

Das Vorstandsmitglied der Basisdemokratischen Partei im Landkreis Traunstein hatte die hetzerische Fotomontage »Impfung macht frei« an einem der vergangenen Tage in seinen Whats-App-Status gestellt. Jeder, der mit ihm kommunizierte, konnte sie abrufen.

Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts gab das Vorstandsmitglied keine Stellungnahme ab. Auch Anton Huber, der Kreisvorsitzende von »dieBasis«, kommentierte die Verwendung der Fotomontage durch ein Vorstandsmitglied nicht. Die Fotomontage sei, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim mitteilte, auf jeden Fall eine Geschmack-losigkeit. Ob mit ihrer Verwendung durch das Vorstandsmitglied des Kreisverbands Traunstein der Basisdemokratischen Partei auch eine Straftat vorliegt, vermöge die Polizei jedoch nicht zu entscheiden. Diese Frage zu beurteilen sei, wenn sie sich denn stellen würde, die Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Ein Anzeige in dieser Sache erhielt die Polizei nach Angaben ihres Sprechers nicht. Wenn eine eingehen würde, dann würde sie an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. pü

Unser Kommentar

Voll daneben

Von Gernot Pültz

Wenn die Polizei die Fotomontage »Impfung macht frei« und deren Veröffentlichung durch einen Funktionär einer Partei im Landkreis Traunstein als geschmacklos bezeichnet, dann ist sie sehr vorsichtig und zurückhaltend. Diese Einschätzung ist verständlich, schließlich bleibt offen, ob eine Straftat vorliegt. Ungeachtet der rechtlichen Einordnung kommt einem aber die Galle hoch, wenn man diese dreiste und dumpfe, dämliche und dumme Hetzkampagne gegen die Corona-Impfung miterleben muss.

Wer die demokratische Bundesrepublik Deutschland mit dem totalitären NS-Staat gleichsetzt, wer ihr dieselben menschenverachtenden Methoden und grausamen Praktiken unterstellt, die das Nazi-Terrorregime anwandte, um einen Völkermord an den Juden zu begehen, und wer im Impfen, das im Kampf gegen die Corona-Pandemie Hoffnung gibt, das »Arbeiten« in den Konzentrationslagern sieht, das den Häftlingen den Tod brachte, der macht sich schuldig. Er begeht Verrat an der Wahrheit, an der Ehrlichkeit – und er gibt sich in der Diskussion um die Impfung selbst die Rote Karte. Solche Leute, die offensichtlich von nichts eine Ahnung haben und nur auf Hetze aus sind, kann man nicht ernst nehmen.

Die Bewältigung der Corona-Pandemie ist die große Herausforderung der Gegenwart. Auch und gerade die Impfung steht nun im Brennpunkt. Die Bürger diskutieren über die Vor- und Nachteile, über das Für und Wider. Und diese Auseinandersetzung ist auch mehr als nur gut. Denn sie offenbart nicht zuletzt die Freiheit, die die Geschichte den Deutschen nach so vielen leidvollen Erfahrungen geschenkt hat: Jedem einzelnen obliegt die Entscheidung, sich gegen Covid impfen zu lassen oder nicht. Und auch zeigt sie die Toleranz der heutigen Gesellschaft: Wenn sich jemand kein Vakzin geben lassen will, so ist diese Entscheidung völlig in Ordnung. Etwas jedoch braucht die Debatte über die Impfung ganz bestimmt nicht: verleumderische und verunglimpfende Beiträge. Wer sie einwirft, ist voll daneben – ganz egal, ob er sie im privaten oder öffentlichen Bereich kommuniziert.

Mehr aus der Stadt Traunstein