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Nur wenige Jubilare kamen zur Versammlung des VdK Traunstein. Unser Foto zeigt die neue Vorsitzende Helga Perschl (rechts) mit den Jubilaren (von links) Lorenz Lapper,Hannelore Rupertinger, Hans Peter Fischer und Christa Ihmann. (Foto: Buthke)

Helga Perschl führt den VdK-Ortsverband Traunstein

Traunstein – Bei der Jahreshauptversammlung des VdK-Ortsverbands Traunstein wurde Helga Perschl zur neuen Vorsitzenden gewählt. Sie hatte den Ortsverband in den letzten Monaten als zweite Vorsitzende bereits kommissarisch geführt, nachdem der Vorsitzende Jürgen Pieperhoff sein Amt wegen seines Umzugs nach Regensburg niedergelegt hatte. Noch während der Versammlung wurde der neue Stadtmarketingmanager Hans-Peter Weiß als 2050. Mitglied des VdK-Ortsverbands aufgenommen.


Am 8. März 2020 hatte der VdK Bayern eine Großdemonstration unter dem Schlagwort »Rente für alle« in München geplant. Der Ortsverband habe schon Verpflegung beschafft, so Perschl. Dann sei die Veranstaltung coronabedingt abgesagt worden, ebenso wie 2020 die Feier zum zehnjährigen Bestehen der VdK-Kreisgeschäftsstelle im Gewerbegebiet Kaserne. Die 2021 geplante Messe »60 aufwärts« wurde auf 2022 verschoben. Ins Wasser gefallen sei auch die Feier zum 75-jährigen Bestehen des VdK, so Perschl. Stattfinden konnten nur die Kaffeekränzchen im Sailer-Keller.

Immerhin 1250 Euro Spenden eingenommen

Erfreulich war der Kassenbericht. Der Ortsverband hat rund 19.000 Euro Guthaben. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf nur 14,2 Prozent. Dank der Ini-tiative Pieperhoffs nahm der Ortsverband bei der Sammlung »Helft Wunden heilen« (HWH) 2020 und 2021 rund 1250 Euro Spenden ein. Dazu gab es 2021 und 2022 Privatspenden von 300 Euro.

Die Vorstandschaft hatte 44 Urkunden für 25, 30, 40 und 50 Jahre Mitgliedschaft vorbereitet. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen blieben die meist älteren Jubilare jedoch zuhause. Die Urkunden erhielten Hannelore Rupertinger und Lorenz Lapper (30 Jahre) sowie Christa Ihmann und Hans Peter Fischer (25 Jahre). Ehrenurkunden für fünf bzw. zehn Jahre Mitglied in der Vorstandschaft erhielten Helga Perschl und Günter Buthke.

Vor über 75 Jahren sei der VdK gegründet worden, um die Not vieler Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu lindern, erklärte die neue zweite Vorsitzende Traudl Wiesholler-Niederlöhner. Deshalb sei es dem VdK ein wichtiges Anliegen, den vielen vom Krieg in der Ukraine Betroffenen zu helfen. Der VdK Bayern habe dafür einen Hilfsfond eingerichtet, in den Kreis- und Ortsverbände Spenden zahlen können, die an das »Aktionsbündnis Deutschland hilft« weitergehen. »Der VdK und seine Mitglieder lehnen jede Art von Krieg und Gewalt ab«, betonte sie. Er fordere ein schnelles Ende dieser Gewalt.

Der VdK habe sich als moderner Sozialverband etabliert, der viel Zuspruch erhielt. Er vertrete heute die Interessen vieler sozial Benachteiligter, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranker, Pflegebedürftiger, Arbeitsloser und unzähliger Rentner, so Wiesholler-Niederlöhner. Er sei für seine Kompetenz in der Sozialrechtsberatung bekannt. Aber es gebe auch weiter viele Schieflagen, gerade bei pflegebedürftigen Menschen, pflegenden Angehörigen oder den Pflegekosten in Altenheimen sei noch vieles nicht geregelt.

Helfen könne der Pflegestützpunkt im Landratsamt, wenn man plötzlich einen Pflegefall in der Familie habe. Die Wohlfahrtsverbände böten viel Beratung, aber eben nur zu eigenen Angeboten, nicht aus einer Hand. Der VdK-Kreisvorsitzende Rudi Göbel habe Mithilfe der SPD-Kreistagsfraktion und einem Konzept den Landkreis von der Dringlichkeit dieser Einrichtung überzeugt.

Neben den Schieflagen im Pflegebereich werde auch die Armut im Landkreis besorgniserregend, fuhr Wiesholler-Niederlöhner fort. Es sei beschämend, dass in einem so reichen Land immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze fielen. Deshalb fordere der VdK, dringend die Regelsätze bei Grundsicherung und Hartz-IV-Beziehern zu erhöhen.

Man plane eine Musterklage gegen die Ungleichbehandlung bei der Energiepauschale der Bundesregierung, weil Rentner, pflegende Angehörige oder Bezieher von Kranken- oder Elterngeld leer ausgingen. Selbst mittlere Einkommensbezieher schluckten, wenn sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren könnten. »In einer Zeit wie dieser ist es besonders wichtig, einen großen und starken Partner an seiner Seite zu haben«.

Die VdK Sammlung »Helft Wunden heilen« gebe es seit 1946, so Beisitzer Denis Holl, der für die Vergabe der Beihilfen zuständig ist. Weil es in Traunstein keine Sammler mehr gebe, habe Pieperhoff Unternehmen angeschrieben. Ursprünglich sei die Sammlung für die Versorgung von Kriegsopfern gedacht gewesen. Heute würden Rentner, Familien, Grundsicherungsempfänger, chronisch Kranke und Behinderte unterstützt. Die Beihilfen könnten aus Mitteln des Orts- und des Kreisverbands gestemmt werden. Zusammengearbeitet werde auch mit der Aktion »Die im Dunkeln sieht man nicht ...«, dem Verein »Vergissmeinnicht Chiemgau« und der Bürgerhilfestelle des Landratsamts.

Erfreut berichtete die Frauenbeauftragte Renate Schuster, dass die Kaffeekränzchen und die Grillnachmittage wieder stattfinden können. Nachdem das Café Intreff der Lebenshilfe geschlossen wurde, sei sie bei der Suche nach einem Ort mit Parkplatz und barrierefreier Toilette für die Kaffeekränzchen am letzten Dienstag im Monat im Gasthaus Sailer-Keller fündig geworden.

Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: Vorsitzende Helga Perschl, stellvertretende Vorsitzende Traudl Wiesholler-Niederlöhner und Günter Buthke, Schriftführerin Manuela Krammer, Kassier Sepp Hinterschnaiter, Beisitzer Renate Schuster (Frauenbeauftragte), Ellen Fischer, Denis Holl, Werner Fertl, Claudia Trapp und Jutta Schnell (Behindertenbeauftragte).

Der VdK Traunstein leiste wichtige Arbeit, vor allem im sozialen Bereich, so dritter Bürgermeister Sepp Kaiser. Im Namen der Stadt dankte er der Vorstandschaft für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Dass die Arbeit mit der neuen Vorstandschaft weitergehe, sei gut für den Verband. Sein ausdrücklicher Dank galt dem vorherigen Vorsitzenden Pieperhoff.

VdK fordert:»Nie wieder Krieg«

Die Vorstandsmitglieder hätten dem Verband etwas geschenkt, was sie nicht zurückbekommen könnten, nämlich Zeit, lobte Pieperhoff. Er erinnerte an die 70-Jahr-Feier, bei der Altoberbürgermeister Stahl einen Vortrag über die Zeit kurz nach Kriegsende gehalten hat. »Wir hätten nie geglaubt, dass wir den Krieg in unmittelbarer Nähe erleben müssen«, sagte Pieperhoff. Umso wichtiger sei die Aussage »Nie wieder Krieg«.

Er habe den Ortsverband Regensburg-Mitte mit 1500 Mitgliedern übernommen – jedoch ohne eine Vorstandschaft. Insofern sei er ins Paradies nach Traunstein gefahren, wo in der Vorstandschaft jeder an seiner Stelle das mache, was er am besten könne. Göbel habe den Pflegestützpunkt massiv gefördert – im ganzen Landkreis Regensburg gebe es keinen solchen Pflegestützpunkt. Der VdK werde gebraucht, denn er lege immer mehr die Finger in die soziale Wunde. Er sei eine Institution zum Schutz der Menschen, auch wenn sie ihn derzeit nicht bräuchten, so Pieperhoff.

Bjr

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