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Helferkreis für Asylbewerber wurde aufgelöst

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Schleching – Vor rund einem Jahr trafen in Schleching die ersten Asylbewerber ein, genau so lange gibt es dort einen Helferkreis, der sie unterstützte. Bis jetzt: Denn aus Protest gegen das Traunsteiner Landratsamt und die Asylsozialberatung der Diakonie hat sich die ehrenamtliche Initiative aufgelöst.


Anika Hempel, Vorsitzende des Helferkreises, informierte in einer mehrseitigen, schriftlichen Erklärung, dass die Helfer keinen Sinn mehr darin sehen, ihre ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen. Die selbst gesteckten Ziele konnten nicht erreicht werden. Zu diesen gehörte unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Wirt, bei dem die Asylbewerber untergebracht sind, dem Landratsamt und der Diakonie. »Nicht nur, dass unsere Arbeit und unsere Aufgaben von keiner Seite anerkannt und geschätzt werden – so kommt es bei uns an –, mittlerweile erfahren wir offene Ablehnung für unser Verhalten und bekommen zu hören, wir sollen uns aus vielen Dingen raushalten«, so Hempel. Deshalb haben die Mitglieder beschlossen, »ihre Arbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden«, so Hempel weiter.

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Im Landratsamt sei man von der Auflösung überrascht, sagte Pressesprecher Roman Schneider. Erst vergangene Woche hatte es auf Initiative des Landratsamts ein gemeinsames Gespräch gegeben, »um die Meinungsverschiedenheiten wieder auszubügeln, damit die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wieder besser funktioniert«. Danach habe man im Landratsamt den Eindruck gehabt: »Ja, es hat etwas gebracht«, so Schneider weiter. Der Pressesprecher betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer ist. »Diese Arbeit kann keine Kommune, kein Landratsamt und kein Staat leisten.«

Der Helferkreis in Schleching wurde im Juli vergangenen Jahres ins Leben gerufen, als bekannt wurde, dass in der Gemeinde Asylbewerber aus Eritrea untergebracht werden sollen. Die inzwischen 22 Mitglieder haben die Flüchtlinge seitdem tagtäglich unterstützt. So boten sie den Asylbewerbern Sprachunterricht an, unternahmen Ausflüge und Fahrten zu Ärzten und versuchten, die Eritreer auch im sozialen Leben zu integrieren.

Sowohl Klaus Rieder, Pressesprecher der Diakonie, Schlechings Bürgermeister Josef Loferer als auch der Wirt waren gestern telefonisch nicht zu erreichen. Wie es in Schleching in Sachen Asylbewerber nun weitergeht, wird sich deshalb wohl erst in den kommenden Tagen zeigen. Wir berichten weiter. jar