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Heizkraftwerk deckt fast 80 Prozent des Wärmebedarfs

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Die Luftaufnahme zeigt das Biomasse-Heizwerk und die benachbarte Kläranlage. Hier könnte die Nutzung von Synergieeffekten die Energiebilanz noch verbessern. (Foto: Archiv Ostermaier)

Reit im Winkl. Bester Wert beim Anteil der erneuerbaren Energieträger bei der Wärmenutzung – letzter Wert beim Anteil der erneuerbaren Energien beim Strombedarf – auf diese zwei Kernaussagen könnte man den Vortrag von Sebastian Osenstetter im Gemeinderat zusammenfassen. Der Diplom-Ingenieur arbeitet für das Energieberatungsbüro Energiekonzept Bayern und war damit beauftragt, die neun im Ökomodell Achental verbundenen Gemeinden im Hinblick auf die Anteile erneuerbaren Energien bei der Wärme- und Stromnutzung zu untersuchen und miteinander zu vergleichen.


Seine Ergebnisse stellte er nun in der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung vor. Zu den Kernaussagen gehörte aber auch, dass in der Gesamtbilanz die Gemeinde besonders wegen des Biomasse-Heizkraftwerkes, das fast den gesamten Ort mit Warmwasser beliefert, einen guten Platz einnehme. Osenstetter wies auf Möglichkeiten hin, die helfen könnten, diese Bilanzen für den Ort wie für die Ökomodell-Gemeinden künftig noch weiter zu verbessern.

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Zwischen September 2012 und Oktober 2013 hatte das in Prien ansässige Büro Daten aus den Ökomodell-Gemeinden erhoben. Auf rund 50 000 Euro wird dieses Gesamtkonzept finanziell veranschlagt. Diese Kosten werden vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, das dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, mit 75 Prozent bezuschusst. Den restlichen Betrag teilen sich die neun Ökomodell-Gemeinden.

Ihnen war es wichtig zu erfahren, wie ihre Energienbilanzen im Bereich des Wärme- und des Strombedarfs ausfallen, und vor allem, welchen Anteil dabei die regenerativen Energien ausmachen. Die Werte der einzelnen Gemeinden wurden zunächst in Vergleich gestellt mit dem gesamten Achental, aber auch mit Werten, die für die gesamte Bundesrepublik gelten.

So ermittelte das Energie-Beratungsbüro für Reit im Winkl einen Strombedarf von jährlich 5,4 Megawattstunden (Achental: 3,2 MW/h, BRD: 3,0 MW/h) und beim Wärmebedarf von 11,8 MW/h (Achental: 10,6 MW/h; BRD 9,4 MW/h).

Die Zahlen seien beim überdurchschnittlich hohen Stromverbrauch allerdings etwas verzerrt, stellte Bürgermeister Heigenhauser im Rahmen der Sitzung klar, da diese lediglich auf den Strombedarf von 2300 Bürgern mit Erstwohnsitz berechnet seien. In die Bilanz einrechnen müsste man aber auch, dass im Jahresdurchschnitt 2000 Übernachtungsgäste als Stromnutzer hinzuzurechnen wären und dass Reit im Winkl beispielweise mit dem Hallenbad oder der Umlaufseilbahn auf die Winklmoosalm eine touristische Infrastruktur bereithalte, die eben stromintensiv sei.

Bei der weiteren Analyse fiel auf, dass der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmegewinnung von Reit im Winkl im regionalen Vergleich einen Spitzenwert erreicht: Fast 80 Prozent des Wärmebedarfs wird mit dem Biomasseheizkraftwerk erzeugt (zum Vergleich: Achental 25 Prozent; BRD: 10,4 Prozent). »Hier hat sich der Weitblick der Verantwortlichen damals gelohnt«, so Osenstetter. Das Naturwärme-Heizwerk wurde im Jahr 2000 als Bürgerwerk in Betrieb genommen, es wurde mehrfach ausgezeichnet und hat heute 460 Anschlussnehmer im Ort.

Der Anteil der erneuerbaren Energieträger beim Strom fällt dagegen verschwindend gering aus: Er liegt für Reit im Winkl bei gerade mal 5,7 Prozent (Achental 30,8 Prozent; BRD: 22 Prozent). Dies liege daran, dass Windkraft, Geothermie und Solaranlagen am Ort nur eine geringe Rolle spielten, so Osenstetter. In der Gesamtbilanz liege Reit im Winkl in der Ökomodell-Region trotz des verbesserungsfähigen Wertes beim Strombedarf dennoch an vorderster Stelle, was eben am herausragenden Wert des Heizkraftwerkes liege.

Für die gesamte Region nannte Osenstetter schließlich 44 Maßnahmen, die helfen sollten, hier die Energiewende noch stärker voranzubringen. Für Reit im Winkl nannte er die Möglichkeit einer verbesserten Synergie zwischen Heizkraftwerk und Kläranlage sowie verstärkter Öffentlichkeitsarbeit. Er betonte aber auch die Überprüfung großer, gemeindlicher Stromabnehmer auf Einsparmöglichkeiten hin, um eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Am ehesten könne Reit im Winkl seine Energiebilanz verbessern, so Osenstetter in seiner Schlussbilanz, wenn man gezielt nach Möglichkeiten des Stromsparens und der besseren Energieausnutzung suche. ost