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Heimische Imker sehen ihr Naturprodukt Honig in Gefahr

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Vielfältig ist der Speisezettel der Honigbienen in unserer Gegend. Kirsche, Wildpflaume und Birne bieten ihnen die erste Nahrung im Frühling. Das Bild der Pollen sammelnden Biene auf einem Kriacherlstrauch schickte uns vor kurzem unsere Leserin Renate Geisler aus Surberg mit dem Kommentar, sie freue sich schon, wenn die Kriacherl reif sind. Dank ihrer herben Schale sind sie so ziemlich die einzigen Früchte, aus denen man Marmelade kochen kann, die nicht pappsüß schmeckt.

Die Imker im Landkreis Traunstein haben eine Unterschriftenaktion gegen die Zulassung der Genmais-Sorte 1507 gestartet. Sie fürchten um ihr Naturprodukt Honig. Innerhalb kurzer Zeit haben bereits mehr als 1000 Bürger das Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützt.


Deutschland hatte sich bei der Abstimmung über die Zulassung von Genmais im EU-Parlament enthalten, weil es in der Bundesregierung keine klare Linie gibt: SPD und CSU lehnen den Anbau ab, die CDU ist dafür. Bundeskanzlerin Angela Merkel erfülle damit ganz eindeutig nicht die Erwartungen der Menschen in Deutschland, kritisierten einige Bundestagsabgeordnete.

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Auf europäischer Ebene wurde außerdem die Honigverordnung insofern geändert, dass Gentechnik im Honig versteckt sein kann. Sollte die grüne Gentechnik auch in Bayern eingesetzt werden, dann ist es egal, ob man ausländischen oder heimischen Honig verzehrt – beides kann man dann nicht mehr guten Gewissens als Naturprodukt bezeichnen, wenn es nicht zuvor auf gentechnikveränderte Bestandteile untersucht worden ist. Im schlimmsten Fall könnte das das Ende der heimischen Imker sein.

Deshalb haben Julia und Martin Lenz aus Tittmoning, die Ortsvorsitzenden des Imker-Kreisverbandes und Kreisvorsitzender Peter Bichler die Unterschriftenaktion im Landkreis Traunstein und Umgebung gestartet.

Die Unterzeichner protestieren bei den Parteien CDU, CSU und SPD gegen ihr Abstimmungsverhalten zur Zulassung von Genmais in Deutschland und in der EU. Sie fordern sie auf, ihre Entscheidung sofort zurückzunehmen und den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland und Europa sofort zu verbieten. Die Listen mit den Unterschriften wollen sie den jeweiligen Parteizentralen zuleiten. Die Verunsicherung bei den Imkern ist groß. Sie können nicht kontrollieren, wohin ihre Bienen fliegen und sie können nicht wissen, ob der Mais in der Nachbarschaft womöglich genmanipuliert ist. Bevor sie ihr Naturprodukt Honig verkaufen, müssten die Imker überprüfen lassen, ob er womöglich gentechnisch veränderte Blütenpollen enthält.

Der gute Ruf des Naturprodukts Honig könnte in Gefahr geraten und einen großen Imageschaden erleiden, befürchten die Imker in der Region. Gerade im Voralpenland ist der Honig von besonders guter Qualität, da es hier so gut wie keine Monokulturen gibt. Der Speisezettel der heimischen Bienen ist ausgesprochen vielfältig: Im zeitigen Frühjahr bieten zunächst die Blüten an Kirsch-, Wildpflaumen- und Birnbäumen Nahrung, dann beginnt die Apfelblüte und der Löwenzahn auf den Wiesen bietet den Insekten einen reich gedeckten Tisch.

Im Sommer holen sich die Bienen ihre Nahrung von den Bäumen und produzieren den kräftig-malzigen Waldhonig, oft angereichert mit Bestandteilen der Lindenblüten. Im Herbst schließlich finden sie mit dem inzwischen allgegenwärtigen Springkraut noch einen reich gedeckten Tisch vor, der ihnen das Anlegen von Vorrat für den Winter erlaubt.

Viele Pollenallergiker schwören auf heimischen Blütenhonig. Er enthält die Pollen der Blüten, die ihre Beschwerden verursachen. Viele glauben, dass man durch den regelmäßigen Verzehr dieses Honigs die Beschwerden lindern kann. Deshalb gilt Honig als traditionelles Volksheilmittel gegen Heuschnupfen. Außerdem wird Honigprodukten eine antibiotische Wirkung zugeschrieben. Gerade in einer Zeit, in der Naturheilmittel und naturnahe Ernährung wieder einen größeren Stellenwert gewinnen, steigt auch die Zahl derer, die den Honig und die Nebenprodukte der Imkerei, wie zum Beispiel Propolis, besonders schätzen. -K.O.-