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Heimische Geschäftsleute freuen sich auf die Öffnung ihrer Läden

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Traunstein: Geschäftsleute freuen sich auf die Öffnung ihrer Läden
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In den Geschäften der Region laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung. (Foto: dpa)

Viele Geschäfte, die bedingt durch die Corona-Krise geschlossen sind, dürfen am Montag wieder aufmachen. Wer über eine Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern verfügt, darf die Tür aufsperren. Unter den Geschäftsleuten im Landkreis Traunstein ist zwar die Freude groß, dass sie jetzt wieder durchstarten können. Doch auch Kritik ist zu hören.


Das Ende der wochenlangen Schließungen kommt in Sicht – und in der Kreisstadt sieht man Licht am Ende des Tunnels. Der Verein Traunstein erleben, vormals Werbegemeinschaft Traunstein, begrüßt es nach Angaben von Vorsitzendem Thomas Miller »außerordentlich, dass ab Montag die meisten Geschäfte wieder öffnen dürfen«.

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Im Rückblick macht Miller jedoch kein Hehl daraus, dass aus seiner Sicht einiges schief gelaufen sei. Miller: »Wir alle haben großes Verständnis dafür, dass die Gesundheit an erster Stelle steht und dass dafür auch so manche Einschränkung hingenommen werden muss.«

Allerdings habe sich in den vergangenen Wochen sehr schnell gezeigt, dass die von der Regierung beschlossenen Laden- und Lokalschließungen »fast ausschließlich zu Lasten der kleinen und mittleren Betriebe« gehen. »So haben wir kein Verständnis dafür, dass in den letzten Wochen die großen Handelsketten, Discounter und Drogeriemärkte neben den Lebensmitteln und Drogerieartikeln auch alle anderen Waren wie Grillgeräte, Spielzeug, Gartengeräte, Pflanzen, Textilien, Haushaltswaren et cetera verkaufen durften, während der lokale Händler mit genau den gleichen Waren nicht öffnen durfte.«

Diesbezüglich habe sich der Verein Traunstein erleben schriftlich an Ministerpräsident Markus Söder, an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und an den Stimmkreisabgeordneten Klaus Steiner gewandt. Während Söder bisher noch nicht geantwortet habe, seien aus dem Landwirtschaftsministerium letzte Woche und aus dem Wirtschaftsministerium diese Woche Antwortschreiben gekommen. Klaus Steiner habe versichert, dass er sich in dieser Sache an das Wirtschaftsministerium gewandt habe und auch darauf dringen werde, dass dies korrigiert wird.

Aus dem Schreiben des Landwirtschaftsministeriums gehe sinngemäß hervor, so der Vorsitzende, dass man es den großen Handelsketten nicht zumuten könne, das Sortiment zu beschränken. Das Wirtschaftsministerium habe es so begründet, dass man in den wegen der Hamsterkäufe ohnehin gestörten Betriebsablauf der Lebensmittel- und Drogeriemärkte nicht eingreifen wolle. Miller: »Geht's eigentlich noch? Hier muss man sich schon fragen, warum man dann den kleinen Händlern, bei denen es um die Existenz ging und immer noch geht, zumuten konnte, die Läden zu schließen.«

Unverständlich sei auch, so der Vorsitzende weiter, »dass man im Fernsehen zwar große Reden schwingt und verkündet, man werde die kleinen Händler vor Ort seitens des Staates unterstützen, dann aber eine Hilfe anbietet, die diesem Anspruch nicht im Geringsten entspricht«. Während man zum Beispiel den Banken durch eine 100-prozentige Bürgschaft bei Krediten deren Einnahmen absichere, speise man den Kleinunternehmer mit wenigen Tausend Euro ab und empfehle auch noch einen »günstigen« Sofortkredit. »Mit Hilfe hat das aus unserer Sicht nichts zu tun«, betont Thomas Miller, »oftmals ist das nur eine Hinauszögerung des bevorstehenden Insolvenzverfahrens.«

Viele Betriebe »finanziell sehr in Bedrängnis«

Die Einzelhändler und Dienstleister des Siegsdorfer Gewerbeverbunds sind laut Vorsitzendem Dr. Jürgen Leikert »sehr froh, dass sie ihre Geschäfte die nächsten Wochen weitestgehend wieder öffnen können«. Dies sei auch »dringend nötig«.

Wie Miller blickt Leikert kritisch zurück. Trotz teilweise schnell ins Leben gerufener, alternativer Geschäftsmodelle seien viele Mitgliedsfirmen aufgrund von Fixkosten wie Miete, Versicherungen, Personal- und weiteren Kosten »finanziell sehr in Bedrängnis« geraten. »Auch die psychische Belastung für Inhaber und Mitarbeiter ist sehr groß.« Gerade viele kleinere Geschäfte hätten sehr gerne mit entsprechenden Schutzvorkehrungen wie Abstandsregeln, Plexiglasscheiben und einer sehr begrenzten Anzahl an gleichzeitig anwesenden Kunden in ihren Räumen weitergearbeitet.

»Besonders schwer haben es unsere Gastronomen in Siegsdorf«, so der Vorsitzende des Gewerbeverbunds. »Gerade sie blicken weiterhin in eine ungewisse und schwere Zukunft, da aktuell noch kein Fahrplan für die Eröffnung der Restaurants und Hotels absehbar ist.« Auch das für die Gastronomen so wichtige Cateringgeschäft falle aufgrund von abgesagten Veranstaltungen komplett aus.

»Wir hoffen auf eine so bald wie mögliche Lockerung der Beschränkungen für unsere Mitgliedsfirmen«, sagt Leikert. Und er wünscht sich, dass die Bürger auch weiterhin die Mitgliedsfirmen so gut wie möglich unterstützen.

»Erster Schritt zurück zur Normalität«

»Das Öffnungsverbot für Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche betrifft uns hier am Ort nicht«, sagt Andreas Pfautsch, der Kassier des Vereins Aktives Grassau. »Vielmehr gab es teilweise Unverständnis über die verschiedenen Wiedereröffnungen unterschiedlicher Branchen, nämlich einerseits bereits am 20. andererseits erst am 27. April.« So bemühten sich auch einige Mitglieder um Sonderrechte. Auch wenn die Gründe für diese Regierungsentscheidung nicht jedermann ersichtlich seien, habe man im Verein dazu geraten, sich an die Vorschriften zu halten.

»Wir müssen alle darauf vertrauen, dass die Maßnahmen der Regierung durchdacht sind und vermutlich auch Informationen eingearbeitet wurden, die nicht jedem bekannt sind«, sagt Pfautsch. »Wir freuen uns, dass der erste Schritt zurück zur Normalität getan ist. Gemeinsam werden wir diese schwere Situation meistern.«.

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