weather-image
14°

Heidnische Bräuche ließen den Winter ausbleiben

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Postbote Sepp (Sepp Aschauer) hatte gepfefferte Reden und kuriose Briefe im Gepäck. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Überwiegend »C- und W-Promis«, aus den Reihen der Gastgeber CSU und Wieninger, seien mal wieder gekommen, scherzte Postbot' Sepp in seiner gesalzenen und gepfefferten Starkbierrede. Innerhalb kürzester Zeit waren beide Starkbier-Anstiche im Poststall ausverkauft.


Sepp Aschauer aus Gumperting erklärte zur allgemeinen Belustigung, warum es keinen Winter mehr gibt. Die heidnischen Bräuche, die immer mehr Zulauf haben und die den Winter austreiben sollen, sind schuld: das Aperschnalzen, der Perchtenlauf und der Faschingszug.

Anzeige

Sechs Euro pro Stunde Faschingszug

Wobei er sich eine Randbemerkung über das »Faschingszüglein« nicht verkneifen konnte: »Früher hast wenigstens no für zwei Euro zwei Stunden lang Fußgruppen und große Trakkein gseng.« Das seien ein Euro pro Stunde gewesen. »Jetzt kostet er 2,50 und dauert nur 25 Minuten. Des macht sechs Euro pro Stunde Faschingszug.« Der Perchtenlauf hingegen habe fünfmal so lange gedauert. Das Einzige, das dem Postboten an dem »grimmigen Brauch« gefällt, ist, »dass der Kramer-Mäc und der Birnbacher-Gaudenz unmaskiert mitganga san und keiner hat's gmerkt«.

Die Fußballer bekamen ebenso ihr Fett weg wie die Seelsorger. Der Pfarrer Klein halte gerne den Sonntagsgottesdienst in Neukirchen, »dann is er schneller daheim bei seiner Mama in Ruhpolding beim Mittagessen«. Gottesdienst in Neukirchen sei, wie es neulich der Kaplan einmal formuliert habe: »'Da wird dann dem Volk, das im Dunkeln wohnt, das Licht gebracht.' I glaab, der hat des Achthal gmeint«.

Ein wichtiges Thema sei die Integration. Am meisten stört den Postler an den vielen Asylbewerbern, dass durch sie eine Debatte aufkommt, die ihm Gesichter seiner Mitmenschen offenbart, die er lieber gar nicht kennengelernt hätte. »Rechte Aufmärsche in Freilassing! Wenn ma dann amoi a Hochwasser brauchat, dann kimmt koans!«

In Teisendorf laufe alles ganz gut, so dass das Bayerische Fernsehen sogar den Film »Asyl im Heimatidyll« über den Ort gedreht habe. Der Asylbewerber Filemon habe übrigens nicht beim Stoißer-Alm-Lauf mitmachen wollen, weil er gehört habe, dass er durch den Wald führt. Bei ihm daheim sei Wald gleichbedeutend mit wilden Tieren. Als der Schwarz-Hans ihm erklärt habe, dass am Teisenberg das Gefährlichste rauschige Almradler seien, die den Berg herab schießen, sei er beruhigt gewesen.

Ein weiteres Thema war die Suche nach Nachfolgern bei diversen Organisationen. Bei der KLJB sei dies ja immer recht einfach: »KLJB-Vorsitzende werden die Kinder von ehemaligen KLJBlern«. Das Problem aber sei, wie Dr. Monika Konnert in einem vorgelesenen Brief an den Kaplan beschwörend schilderte, die »Tendenz, sich KLJB-intern fortzupflanzen«, bei den Kindern ebenso wie damals bei ihren Eltern. Sie sorgte sich daher um die genetische Vielfalt in den Reihen der KLJB und warnte vor Zuständen wie jenseits des Hallthurms in Berchtesgaden.

Warum der Dorfpolizist am Wertstoffhof arbeiten will

Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt von Stefan Schimmel als Dorfpolizist, der es besonders auf Bräu Christian Wieninger abgesehen hatte und ihn drei Mal hintereinander aufstehen und wieder hinsetzen ließ. In seiner Rente wolle er Wertstoffhof-Mitarbeiter werden, erklärte Schimmel, »weil i des absolut lässig find', dass ma do so z'wider sei konn«. Ein auswendig gelernter Satz reiche: »Mit dem Zeig konnst glei' wieder hoamfahrn«. Der Rassegeflügelzuchtverein habe in der Zeitung einen »Vögelmarkt« angekündigt, und am nächsten Tag sei gleich ein ganzer Bus Barrassler vor der Tür gestanden.

Der Herr der Ringe im Standesamt Teisendorf

Wieninger schlug aufgrund der vielen schauspielerischen Talente als Motto für nächstes Jahr »Teisendorf goes Hollywood« vor und regte eine Neuverfilmung der Top 10 der Kinoklassiker an. Mögliche Projekte könnten etwa sein: »Der Herr der Ringe – heitere Ansprachen zu Trauungen und Lebenspartnerschaften im Standesamt. In den Hauptrollen Josef Gruber und Bürgermeister Thomas Gasser« oder »Der mit dem Wolf läuft – mit Ferdl Kraller«.

Die Gstanzln von Georg Wetzelsperger, Maria Lindner und Ludwig Pastötter nahmen unter anderem die Feuerwehr mit ihrer 150-Jahr-Feier aufs Korn. Über die ehemalige Kindergartenleiterin sangen sie: »Da Schwester Brigitte is langweilig, und drum hod sie verkündt, dass sie ois Ausgleich zur Rentn zwanzig Kinder ins Kloster aufnimmt.« Für musikalische Unterhaltung sorgten auch die Musikkapelle Teisendorf und das Ensemble »Schaurig-Schee« aus Stefanskirchen und Nußdorf mit frechen Gesängen und Stückln. Bürgermeister Thomas Gasser, der auch moderierte, erheiterte das Publikum mit seinen Schüttelreimen. vm