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Hehlerei mit über 600 teuren Uhren

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Traunstein – Aus dem Uhren-Versandlager einer amerikanischen Firma in Eggstätt verschwanden zwischen 2006 bis März 2012 mehr als 3000 Edelchronometer im Wert von mindestens 1,3 Millionen Euro. 2012 wurde ein Teil der Diebstähle abgeurteilt. Ein 29 Jahre alter Ex-Angestellter und ein 44-jähriger Traunreuter erhielten mehrjährige Freiheitsstrafen (wir berichteten).


Auch Jahre später beschäftigen die Diebstähle die Justiz noch immer. Ein seit Februar 2015 in Untersuchungshaft sitzender 31-jähriger Traunreuter, ebenfalls ein früherer Mitarbeiter des Unternehmens, muss sich derzeit wegen Hehlerei sowie wegen Besitzes verbotener Waffen vor dem Schöffengericht Traunstein verantworten. Ein Urteil erging gestern noch nicht. Der Prozess wird am kommenden Montag um 9 Uhr fortgesetzt.

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Über 1500 Zeitmesser mit einem Verkaufswert von mehr als 600 000 Euro hatten Unbekannte allein in den vier Tagen zwischen dem 14. und 17. Oktober 2011 entwendet. Der 31 Jahre alte Traunreuter soll davon über 600 Stück mit einem Verkaufspreis von einer Viertelmillion Euro auf nicht bekannte Weise übernommen und sie im Internet verkauft haben. Rund 40 000 Euro erhielt er dafür.

Unter den Zeugen des jetzigen Prozesses war wieder der Geschäftsführer des Versandlagers, das ein amerikanischer Uhrenhersteller als sein europäisches Lager und Verteilerzentrum betreibt. Der 52-Jährige betonte, für die enormen Diebstähle seien wohl mehrere Leute verantwortlich. Auf die Spur des Angeklagten sei man über das Internet gekommen. Testkäufe hätten bewiesen, dass die Ware aus dem besagten Beutezug vom Frühjahr 2011 rührte, berichtete der 52-Jährige im Zeugenstand. Die Edeluhren der Marken Armani und Burberry seien als »zweite Wahl« zu Preisen von um die 50 Euro angepriesen worden. Tatsächlich seien sie jedoch einwandfrei und von erster Güte gewesen.

Richter Wolfgang Ott hatte sich bei der Vorbereitung des jüngsten Prozesses viel Mühe gemacht. So hatte er Fabriknummern von Hunderten der teuren Uhren abgeglichen, gab es doch in manchen Fällen Unklarheiten. Für die komplizierte Vorarbeit erntete der Vorsitzende das Lob des Geschäftsführers.

Kritisierende Worte des Verteidigers, Hanns Barbarino aus Altötting, zog Ott mit dem rechtlichen Hinweis auf sich, sein Mandant könne nicht nur Hehlerei begangen haben: »Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kann ein Käufer an einer gestohlenen Uhr kein Eigentum erwerben. Der Verkauf der 606 Uhren im Internet bedeutet auch Betrug in 606 Fällen«, so der Richter. Betrug sei nicht angeklagt, erwiderte der Verteidiger. Das ändere rechtlich nichts, so der Vorsitzende des Schöffengerichts. Barbarino forderte, dass der Prozess ausgesetzt werden solle.

Daraufhin merkte Richter Ott an, dass der Untersuchungshaftbefehl für den Angeklagten auch bei Aussetzen des Verfahrens mit Neubeginn im August oder September bestehen bleibe. Darüber empörte sich der Verteidiger ebenfalls. Die Prozessbeteiligten zogen sich auf Anregung des Richters daraufhin zu einem Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück. Das Ergebnis: Das Verfahren platzte gestern nicht, sondern geht weiter. kd