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Heftige Diskussion im Traunsteiner Stadtrat: Rinderzuchtverband bekommt Grund in Wolkersdorf

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Traunstein: Rinderzuchtverband stoppt Pläne für Neubau in Wolkersdorf
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Auf diesem Grundstück südlich von Wolkersdorf wollte der Rinderzuchtverband Traunstein neu bauen. Jetzt zieht der RZV auch andere Standorte in Betracht. (Foto: Reiter)

Traunstein – Heftig diskutiert wurde im Traunsteiner Stadtrat über das Vorhaben des Rinderzuchtverbands. Dieser möchte in Wolkersdorf ein städtisches Grundstück kaufen und dort neu bauen. Mit 12:11 Stimmen gab das Gremium letztlich grünes Licht – eine knappe Entscheidung.

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Oberbürgermeister Christian Kegel sprach sich für das Anliegen des Rinderzuchtverbands aus. Selbstverständlich sei das Vorhaben mit einer Flächenversiegelung verbunden, »aber das hätten wir auch, wenn dort Wohnraum entstehen würde«, sagte Kegel. Denn ursprünglich sah der Flächennutzungsplan für das städtische Grundstück südlich von Wolkersdorf eine Wohnbebauung vor. Nach der Entscheidung des Stadtrats am gestrigen Donnerstag werden die 15.000 Quadratmeter nun als »Sondergebiet Rinderzuchtverband« ausgewiesen.

Wolfgang Wörner (Grüne) konnte nicht verstehen, warum der Rinderzuchtverband plötzlich vom Festplatz weg wolle. »Es wurde doch immer die ideale Verkehrsanbindung betont.« Diese sah Wörner in Wolkersdorf nicht. »Da werden die Tiere dann durch die ganze Stadt gefahren.«

Dr. Christian Hümmer (CSU) kritisierte, dass das Vorhaben des Rinderzuchtverbands aus städtebaulicher Sicht isoliert dastehe. Außerdem würden 15.000 Quadratmeter, wovon viel Fläche für Parkplätze vorgesehen sei, nicht in die Zeit passen.

Wilfried Schott (Grüne) war der Meinung, dass der Rinderzuchtverband die alte Halle und die Ställe auf dem Festplatz abreißen und dort neu bauen sollte.

Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) betonte, dass es wichtig sei, dass der Rinderzuchtverband in der Stadt bleibe. Aber die Fläche in Wolkersdorf gefiel ihm nicht. Er schlug vor, Alternativen zu suchen.

Auch Ernst Haider (UW) fand die Lage in Wolkersdorf »nicht ideal«. Er betonte, dass der dörfliche Charakter mit einem künftigen Wohngebiet erhalten bleiben sollte.

Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) ärgerte sich über die Diskussion an sich. »Der Rinderzuchtverband hat klar gesagt, er will sich verändern. Da kann ich ihm doch nicht vorschreiben, wie und wo er bauen soll. Dann geht er halt woanders hin und ist nicht länger in Traunstein.« Ähnlich äußerte sich auch Oberbürgermeister Christian Kegel, nachdem Burgi Mörtl-Körner (Grüne) einen Antrag stellen wollte, dass der Rinderzuchtverband auf dem Festplatz sein Gebäude neu errichten sollte.

Der RZV habe klar gesagt, dass er auf dem Festplatz keine Zukunft sehe, betonte auch Ernst Harrecker (CSU). »Wir sollten es mit dem Spruch handhaben: 'Stadt und Land, Hand in Hand'«, warb er für das Vorhaben des Rinderzuchtverbands in Wolkersdorf. Die Pläne für die Umsiedlung wurden letztlich äußerst knapp mit 12:11 Stimmen angenommen.

Zum Hintergrund: Ursprünglich hätte der hintere Teil der Chiemgauhalle auf dem Traunsteiner Festplatz in diesem Jahr saniert werden sollen. Der Rinderzuchtverband wollte dafür rund 1,2 Millionen Euro in die Hand nehmen. Die Sanierungspläne für die Ställe und die Heizung waren eigentlich in trockenen Tüchern. Doch dann brach aufgrund der großen Schneelast ein Teil des Dachs ein, was nach Ansicht des Rinderzuchtverbands dazu führte, dass eine Sanierung der 40 Jahre alten Chiemgauhalle ähnlich teuer kommen würde wie ein Neubau.

Angesichts der erheblichen Investitionskosten will der Rinderzuchtverband nur auf eigenem Grund neu bauen. KR

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