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Haslacher Straße: Gefahrenzone Zebrastreifen

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Eine Situation wie diese erleben die drei Kinder von Wiebke Engel oft: Sie stehen am Fußgängerüberweg, um die Haslacher Straße zu überqueren, doch die Autos bleiben einfach nicht stehen.

Traunstein – Auf dem Zebrastreifen hat der Fußgänger »Vorfahrt«. Eigentlich. Denn Wiebke Engel beobachtet oft, dass Autofahrer immer seltener stehen bleiben. Im Visier hat die Traunsteinerin dabei gerade den Fußgängerüberweg an der Haslacher Straße. Ihre drei Kinder müssen dort auf dem Weg in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule die Straße überqueren. Nicht erst einmal kam es dabei zu gefährlichen Situationen.


»Es passiert uns fast täglich, dass Autofahrer nicht anhalten«, sagt die Traunsteinerin. Und nicht nur ihr: In Gesprächen habe sie wiederholt erfahren, dass andere Mütter und ihre Kinder die gleichen Erfahrungen machen – an diesem und an anderen Zebrastreifen in der Stadt. Wiebke Engel bereitet das Sorge, vor allem, weil ihre beiden »Großen« inzwischen die erste Klasse besuchen und den Schulweg alleine bestreiten.

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Plötzlich fährt das Auto einfach los...

Die Mutter, ihr Mann und die Kinder erlebten bereits mehrere gefährliche Situationen an dem Fußgängerüberweg an der Haslacher Straße. Einmal sei ein Auto, das angehalten hatte, um jemanden vor ihnen über den Zebrastreifen gehen zu lassen, in dem Augenblick wieder losgefahren, als sie und ihre Kinder den Fußgängerüberweg betreten hätten. »Wir hatten nur noch mal kurz in die andere Richtung geschaut, um zu sehen, ob von dort ein Auto kommt, in dem Moment fährt die Autofahrerin wieder los«, erinnert sich Wiebke Engel.

Ein anderes Mal, als ihre beiden älteren Kinder alleine am Zebrastreifen standen, hat ein Auto direkt vor dem Fußgängerüberweg gehalten, um jemanden aussteigen zu lassen. Dann kam von hinten ein zweiter Wagen heran, der das parkende Fahrzeug überholte – gerade als die beiden Kinder die Straße überqueren wollten. »Das hat mein Mann aus einiger Entfernung beobachtet«, erzählt die dreifache Mutter.

Schilderungen, die Hans Mayer, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Traunstein, nicht das erste Mal hört. Schon mehrmals haben sich Bürger wegen rücksichtsloser Autofahrer am Zebrastreifen an der Haslacher Straße bei ihm gemeldet. Und er erinnert sich auch an einen schweren Verkehrsunfall an dem Fußgängerüberweg. 2013 hatte ein 78-jähriger Autofahrer eine 76-jährige Fußgängerin angefahren, die gerade über den Zebrastreifen gegangen war. Die Frau erlitt schwere Verletzungen.

Öfter bekomme er auch Klagen von Bürgern zum Fußgängerüberweg an der Schützenstraße zu hören, erzählt Mayer. Die Polizei ist darum auch immer wieder an den beiden Zebrastreifen präsent, unter anderem auch im Rahmen der Schulwegüberwachung. Generell will Mayer die Situation an Zebrastreifen aber nicht dramatisieren. »Die Unfallzahl ist Gott sei Dank nicht so hoch.« Sechs Verkehrsunfälle sind laut Polizeistatistik in den vergangenen zehn Jahren an Fußgängerüberwegen im Stadtgebiet von Traunstein passiert (siehe Kasten).

Polizist Mayer: »Immer Blickkontakt herstellen«

Die allermeisten Autofahrer, das betont der Polizeibeamte, würden an Zebrastreifen stehen bleiben. Und bei den wenigen, die es nicht tun, seien in der Regel Unaufmerksamkeit beziehungsweise Unsicherheit die Ursache. »Es ist wohl manchmal schwierig für die Autofahrer zu beurteilen, wann sie stehen bleiben sollen.« Mayers wichtigster Tipp für Fußgänger an Zebrastreifen ist es darum, Blickkontakt zum Autofahrer herzustellen. Und Autofahrern rät er, »doppelt vorsichtig« zu sein, wenn sich Kinder einem Fußgängerüberweg nähern.

Denn der Polizist weiß auch, dass Kinder unter zehn Jahren trotz Blickkontakts oft nicht einschätzen können, ob ein Autofahrer stehen bleiben wird oder nicht. Die dreifache Mutter Wiebke Engel appelliert darum vor allem an die Autofahrer: Sie sollen sich an die Straßenverkehrsordnung halten.

In Artikel 26 heißt es: »An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge (...) den zu Fuß Gehenden (...), welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.« Am Zebrastreifen ist zum Beispiel auch das Überholen verboten. Wer sich nicht an die Regelungen hält, dem drohen ein Bußgeld bis zu 80 Euro sowie ein Punkt in Flensburg. san

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