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»Hartnäckige 20-jährige Erziehung hat sich rentiert«

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Trotz manch uncharmanten Wortwechsels: Gemeindebedienstete und Fegerlvereinsdamen zeigten sich nach dem Erhalt des großen Rathausschlüssels in großer Eintracht. (Foto: H. Eder)

Waging am See – 11.11., 11.11 Uhr in Waging am See – vollständige Ruhe im und ums Rathaus? Fällt da heuer der Faschingsauftakt aus? Nein, selbstverständlich nicht. Aber die rathausstürmenden Damen vom Feichtner Fegerlverein nehmen Rücksicht auf die Arbeitsmoral der Rathausmitarbeiter, die von ihnen gern despektierlich als »Häusl-Schnecken« bezeichnet werden. So wurde also der Faschingsbeginn auf 12.12 Uhr verschoben, wohlwollend gerechnet – denn die Schnellsten sind die Damen im 19. Jahr ihres Bestehens auch nicht mehr.


Und vor allem: Sie sind so handsam. Es gab heuer gar nichts zu kritisieren an der Gemeinde. Sekt war da, reichlich, gut gekühlt, ganz frisch. Mundschenk Heinrich Thaler hätte beim Öffnen der Sektflaschen beinahe die Holzdecke des Sitzungssaals beschädigt, mit solcher Wucht entlud sich der Korken. Dass die Kasse leer sei, wie Bürgermeister Herbert Häusl angab, schreckte die Damen nicht – das kennen sie seit Jahren. Immerhin aber erhielten sie dann doch den Rathausschlüssel überreicht und dürfen somit in den kommenden Monaten im Rathaus nach Belieben ihr Unwesen treiben. Wegen des Faschingsbeginns war sogar die Bauausschusssitzung von Mittwoch auf Donnerstag verschoben worden.

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Sie sind wirklich schon viel ruhiger geworden, die Fegerldamen – und zufrieden mit der Gemeinde: Die »hartnäckige zwanzigjährige Erziehung der Gemeindemitarbeiter hat sich für uns doch noch rentiert«, wurde bilanziert. So laufe es inzwischen »im Allgemeinen schon sehr gut mit euch«. Zu bekritteln sei allenfalls die Musik von Faschings-DJ Willi, die vielleicht ein bisschen moderner sein dürfte.

Heinrich Thaler ist Faschingsbeauftragter

Heinrich Thaler ist ja nicht nur Mundschenk, er ist seit einigen Jahren auch Faschingsbeauftragter beziehungsweise, wie das die Damen sehen, Fegerlvereins-Beauftragter. Und so hatte er nicht nur den Sekt vorbereitet, sondern auch eine Rede in Reimform – und entschuldigte sich gleich im Vor-hinein, dass er auf die übliche »Unverschämtheit« der Damen vorbereitet gewesen sei, die jetzt aber im Kuschelstatus auftraten. Dennoch ersparte er ihnen nicht die bittere Wahrheit, dass ein Asylantrag im Rathaus »im gelobten Land«, keine Aussicht auf Erfolg haben werde; denn die »Integration mit euch könnte nie gelingen; eure vorlauten Goschn kann ma ja net zur Ruhe bringen«.

Und, wie bekannt, die Rathauskasse sei sowieso leer. Aber so ganz auch wieder nicht: Zu einer Einladung zum Weißwurstessen beim Egger reichte es dann doch noch. Zumindest äußerte Kämmerer Bernhard Kraus die Einschätzung, dass die Gemeinde dort im Wirtshaus ja wohl noch kreditwürdig sein werde.

Einladung zur 20-Jahr-Feier des Fegerlvereins bekommen

Andererseits erwarte sich die Gemeinde – so hieß es übereinstimmend bei den Rathausvertretern Franz Röckenwagner, Heinrich Thaler, Bernhard Kraus und Robert Stief – eine Einladung zur 20-Jahr-Feier des Fegerlvereins. Schon wurde über die mögliche Größe eines Festzeltes diskutiert. Allerdings scheinen die Erwartungen unterschiedlich zu sein; denn die Fegerldamen meinten ihrerseits, man werde sich für ein eventuelles Fest von der Gemeinde gern überraschen lassen.

Immerhin aber wurde von der Gemeinde zugesagt, dass es im kommenden Jahr ein Geschenk für den Fegerlverein geben werde; das haben sich die Damen ganz fest gemerkt. Und dafür nahmen sie dann eine weitere uncharmante Bemerkung des Faschingsbeauftragten in Kauf. Auf die Frage, wie sich die Damen im Fasching wohl verkleiden würden, lautete die Antwort: »sexy!« Da runzelte der Fragende die Stirn und gab zu bedenken: »Das ist in eurem Alter gar nicht mehr so einfach!« he