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»Harter Geist« und weiches Herz

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Die Vertreter der einzelnen Klassen verabschiedeten sich von ihrem Rektor mit Blumen. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Er polarisierte bis zuletzt. Selbst bei der von den Schülern nett und amüsant gestalteten Abschiedsfeier wollte der scheidende Rektor der Waginger Grundschule, Manfred Mundel, nicht auf klare Worte verzichten. In seiner Verabschiedung stellte er fest, dass durchaus manche seinen »harten Geist« hätten zu spüren bekommen, während er den Schülern gegenüber stets sein weiches Herz gezeigt habe. Letztlich aber wolle er alles vergeben, meinte er in Form eines Zitats – mit einer Ausnahme, dem Schulamt.


Zuvor war ihm eine wirklich schöne Feier bereitet worden, eingeleitet von einer von Pfarrer Andreas Ager sehr kindgerecht gestalteten Andacht. Der Pfarrer sprach dabei in erster Linie zu den Kindern über die verschiedenen Lebensalter und bat sie, ihrem Schulleiter für seinen neuen Lebensabschnitt gute Wünsche auszusprechen. Den größten Lacherfolg erzielte ein kleines Mädchen mit ihrem Wunsch, »dass er nicht zusammengefahren wird«. Die Andacht wurde von zwei Liedern aufgelockert, die der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmeier an der Gitarre begleitete.

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Der Schulchor, den der Rektor selbst aufgebaut und geleitet hat, trug seinem Leiter dessen Lieblingslied vor, das Lied von den »Gummibärchen«. Flötengruppen der 4a und der 2a steuerten Melodien bei, und schließlich überreichten Vertreter aller Grundschulklassen Papierblumen. Dann gaben alle Schüler dem scheidenden Rektor einen musikalischen Rat für den Ruhestand mit: »Probier's mal mit Gemütlichkeit.«

Eine rechte Gaudi war ein Sketch von Mundels Klasse, der 3b. Zunächst spielten sie einen Alptraum im Leben eines Lehrers: »Schreckliche, fürchterliche Schüler, ein richtiger Sauhaufen«, wie Moderator Pfarrer Ager kommentierte, dazu zickige Lehrer, ungeduldige Eltern und die Kündigung vom Bürgermeister. Dann aber kam die Traum-Variante: laute kreuzbrave Schüler, die sich fleißig melden, Lehrer, die ihrem Rektor zu Füßen liegen, Eltern, die ihm huldigen, und die Beförderung zum neuen Musikschulleiter.

Das genoss Mundel ebenso wie die Reden. Bürgermeister Herbert Häusl erzählte, wie die Waginger Delegation angetan war von Mundels »Wohlfühlschule« in Tegernsee samt »White Board« (Weißwandtafel) und wie er von Anfang an viele Änderungen angepackt habe: das umstrittene »White Board«, eine Umgestaltung der Verwaltungsräume, frische Farbe in den Gängen, getrennte Toiletten, Neugestaltung im Pausenhof, wenn auch, so Häusl, nicht alles auf ungeteilte Zustimmung gestoßen sei. Große Verdienste habe sich Mundel in der musikalischen Bildung erworben: nicht zuletzt mit seinem Schulchor und der Bläserklasse. Mundel sei ein sehr engagierter Lehrer und Rektor gewesen mit klaren Vorstellungen, wie eine Schule zu leiten sei. Für seinen Einsatz überreichte Häusl ein Geschenk.

Elternbeiratsvorsitzender Andreas Kronast trug seine Abschiedsrede in Reimform vor. Die viereinhalb Jahre mit Rektor Mundel seien für manche lange Jahre, für andere kurze Jahre gewesen. Auch er erinnerte an die Neuerungen und kommentierte: »Es kann nicht allen gefallen, was man tut.« Für die Zukunft wünschte er Mundel, dass sein Golf-Handicap bald einstellig werde, dass er weiterhin viel Freude am Mitspielen bei der Blaskapelle habe und dass er künftig musikalische Projekte mit weniger Stress organisieren könne.

Rektor Mundel selbst ließ seine schulische Karriere Revue passieren, die genau 42 Jahre und sechs Monate gedauert habe, und stellte fest, dass er in seiner Familie bereits die dritte Generation von Schulleitern verkörpere. Vor allem die Gemeinde Waging am See würdigte er für ihr Entgegenkommen in allen Bereichen. Er habe sich für die letzten viereinhalb Jahre vor seinem Ruhestand vorgenommen gehabt, nochmals so richtig anzugreifen; schließlich habe es auch einiges zu tun gegeben. Das Verhältnis zu seinen Lehrern sei »manchmal nicht ganz reibungslos« gewesen, und er wisse sehr wohl: »Das lag auch an mir«. Während er in diesem Bereich von »Vergebung« sprach, war dies dem Schulamt nicht vergönnt: »Ein dienstliches Verhalten wie das des Schulamtes in Traunstein habe ich in meiner ganzen Dienstzeit nicht erlebt«, sagte er. Dies sei durch nichts zu entschuldigen. Deshalb habe er darum gebeten, dass das Schulamt zu seinem Abschied keinen Vertreter schicken möge – woran man sich auch gehalten hat. he