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Hans Haslreiter würdig verabschiedet

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Noch einmal den Stab in der Hand: Zu seiner offiziellen Verabschiedung aus dem Bürgermeisteramt ergriff der Altbürgermeister Hans Haslreiter erstmals in 18 Jahren seiner Amtstätigkeit den Stab der Musikkapelle Wössen. Das hatte ihm sein Stellvertretender Bürgermeister und langjähriger Weggefährte Barthl Irlinger vermittelt. (Foto: Flug)

Unterwössen. Hans Haslreiter war begeistert. »Über den Titel des Altbürgermeisters freue ich mich riesig. Und auch darüber, dass ihr zu meinem Abschied in so großer Zahl gekommen seid«, sagte der ehemalige Unterwössner Bürgermeister am Ende des offiziellen Teils zu seinem Abschied am Musikpavillon.


An seiner Haustür hatten ihn und seine Familie die Musikkapelle Wössen, sein Nachfolger Ludwig Entfellner, neue und alte Gemeinderäte, Vertreter der Vereine und Freunde und Bekannte abgeholt. Im Zug ging es in den nahen Kurpark zum Musikpavillon. Unter den Gästen waren auch Pfarrer Martin Straßer und der Diakon der evangelischen Kirche, Michael Soergel. Viele Mitarbeiter der Verwaltung, Schulrektor Otto Manzenberger und Teile seines Lehrerkollegiums waren gekommen.

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Bürgermeister Ludwig Entfellner blickte auf die Amtszeit Haslreiters seit 1996 zurück. Die Geschichte habe ihm mit Hochwasser, Hallenbad, Tourismus ganz andere Themen vorgegeben, als er sich vielleicht gewünscht habe. Entfellner sah weitere Zwänge im Bürgermeisteramt als Personalchef, Repräsentant, Vertreter der Vereine und Verbände. Hinter alldem sah er in Unterwössen den Menschen Hans Haslreiter.

Entfellner beschrieb, wie Haslreiter aufmerksam, hilfsbereit, gesellig, humorvoll und nahe am Menschen die Herausforderungen bewältigte. Als Nachfolger erkannte er auch das Verborgene in der Bürgermeisterarbeit. Der Erhalt von Gebäuden, des Kanalnetzes und der Wasserversorgung werde wenig beklatscht. Die Mitverantwortung für Schule und Musikschule sei manchmal eine Last. Fleiß, Ausdauer und Nachhaltigkeit, mit diesen Merkmalen habe sich Haslreiter nachdrücklich bewiesen. Sein großes Thema habe ihm die Natur aufgegeben, so Entfellner. Der Hochwasserschutz habe sich bewährt. Da nehme Unterwössen eine Vorreiterstellung ein. Die offenen Fragen um das Gemeindegrundstück sah Entfellner erfolgreich gelöst, die Finanzen solide.

Das Bürgermeisteramt geliebt und gelebt

Ein Bürgermeisteramt sei das pralle Leben mit all seinen schönen und weniger schönen Facetten, ein Amt, das man mögen müsse. Hans Haslreiter habe es geliebt und gelebt. Entfellner bescheinigte seinem Vorgänger, dass er zufrieden sein darf. »Wir jedenfalls sind es«, schloss er. Aber Politik sei Mannschaftssport, meinte er und lobte Gemeinderat, Politik, Bevölkerung, Vereine und auch die kritischen Geister. Vor allem hob Entfellner den Rückhalt von Frau und Kindern der Familie Haslreiter hervor.

Einstimmig sei der Gemeinderat zu der Auffassung gelangt, Hans Haslreiter den Ehrentitel des Altbürgermeisters zu verleihen. Entfellner übergab zusammen mit den Stellvertretenden Bürgermeistern Barthl Irlinger und Claudia Schweinöster die Ehrenurkunde an Hans Haslreiter, Blumen an seine Frau Sieglinde und ein Geschenk.

Schülerausweis auf Lebenszeit

Ein Auftritt der jungen Blechbläser war das Dankeschön der Musikschule. Dazu überbrachte Leiter Otto Dufter deren Grüße. Ein Chor der Schulkinder unter Leitung von Sandra Hartmann leitete den Wortbeitrag von Schulrektor Otto Manzenberger ein. Der dankte dem Altbürgermeister humorvoll für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bei 17 Schulentlassfeiern sei Haslreiter dabei gewesen. Seine Kernsätze seien im Tenor immer gleich geblieben: »Auf das Erreichte könnt ihr stolz sein, aber macht was draus!« Manzenberger bemühte das Bild eines Königreiches Haslreiter über Unterwössen und brachte auch gleich eine entsprechende Fotomontage aus der Schule mit.

Viel rechnete er dem Altbürgermeister an: den Schulumbau, einen der ersten Computerräume im Achental, die energetische Sanierung der Gebäude. Haslreiter habe die Schule immer sehr am Herzen gelegen. Manzenberger lobte die offene, oft amüsante Zusammenarbeit. Vor den lebenslangen Schülerausweis, der Haslreiter Zutritt zu allen Schulveranstaltungen gibt, setzte er mit einigen Lehrerinnen dennoch einen Test. Den schaffte Haslreiter zwar, aber nicht ohne Fehler, wenn Manzenberger etwa auf sein Namensgedächtnis abzielte.

Steilpass für den Nachfolger

Nach einem Auftritt der Trachtenvereine aus Ober- und Unterwössen ergriff der Unterwössner Vorstand Reinhard Kurz-Hörterer das Wort für die Vereine. Er unterstrich die Abhängigkeit der Vereine von der Kommunalpolitik, wenn es gelte, ein funktionierendes kulturelles und soziales Netzwerk zu schaffen. Hans Haslreiter seien die Vereine im Ort immer wichtig und nie eine Last gewesen. Der Bürgermeister sei mit Freude und Herzblut dabei gewesen. Nicht zuletzt Haslreiters Arbeit sei es zu verdanken, dass die Vereine im Dorf aktuell recht gut ausgestattet sind. Kurz-Hörterer sieht in der Arbeit des Altbürgermeisters einen Steilpass für seinen Nachfolger Ludwig Entfellner. In einer sympathischen Geste verabschiedete sich Haslreiter bei den in Reihe im Musikpavillon stehenden Vereinsvertretern und Vorständen mit Handschlag.

Nach dem Ehrensalut der Gebirgsschützen ergriff der Altbürgermeister selbst das Wort. »Die Gemeinde lebt von der Solidargemeinschaft, die die Dorfteile alle zur Blüte bringt«, meinte Haslreiter. Vom viel gehörten Lob des Abends gab er reichlich an die Gemeinde und Verwaltung zurück, bedankte sich besonders für die gute Zusammenarbeit mit den Kirchen und der Lehrerschaft. Er lobte die Feuerwehren und Vereine und bedankte sich noch einmal nachdrücklich bei seiner eigenen Familie. Seine abschließenden Worte: »Lasst nicht aus! Tut immer so weiter«, gab er seiner Gemeinde auf den Weg. lukk