weather-image
19°

Handyortung vom Hubschrauber aus immer wichtiger

5.0
5.0
Bildtext einblenden
»Pilot« Christian Schmitz (links) und Alex Beaury an der Fernbedienung der Wärmebildkamera führen im Freien den Flugroboter vor. (Foto: Mergenthal)

Mit ihren Spezialisten unterstützt sie die Bergwachtbereitschaften von Schleching bis zur österreichischen Landesgrenze, vom Alpenvorland bis Berchtesgaden: die Bergwacht Region Chiemgau. Zahlreiche Neuerungen, wie die Wärmebildkamera, die an einem Flugroboter befestigt die Personensuche revolutioniert, und den bevorstehenden Austausch des Rettungstaus am Hubschrauber durch eine Rettungswinde, stellte Regionalleiter Dr. Klaus Burger bei einem Pressetermin am Predigtstuhl vor.


Steigend ist bei den Notlagen am Berg laut Burger die Zahl der sogenannten »Blockierungen« – das sind Situationen, aus denen sich Menschen nicht mehr selbst befreien können, obwohl sie unverletzt sind. »Die Ursache ist nicht schlechte Ausrüstung«, erklärt Burger. »Die Leute überschätzen ihre körperliche Fitness und ihre bergsteigerischen Fähigkeiten.« Dies führe dazu, dass sie beispielsweise im Schrofengelände feststeckten oder sich vom GPS oder Handy in steilstes Gelände lotsen ließen.

Anzeige

Über Nachwuchsmangel könnten sich die Bergretter noch nicht beklagen, freut sich der Regionalleiter. Lob zollte er den alpinen Verbänden für die stark verbesserte Ausbildung der meisten Bergsportler.

Retter wurden für neue Winde geschult

160 der 1289 Flüge des Rettungshubschraubers Christoph 14 seien Bergrettungseinsätze gewesen. Ende September ist laut Burger die Umstellung vom Rettungstau, mit dem in den vergangenen 20 Jahren rund 15 000 Einsätze geflogen wurden, auf eine Winde geplant. Deren Vorteile seien unter anderem eine schnellere Patientenversorgung – die Patienten würden sofort in den Hubschrauber gebracht, nicht erst an einen Zwischenlandeplatz – und mehr Sicherheit für Patienten und Retter. Alle Bergretter in der Region Chiemgau seien bereits für die Winde geschult worden. Die Schulung der Piloten und der Notfallsanitäter, die später an der offenen Tür die Winde bedienen, laufe.

In Traunstein solle auch eine neue Rettungsmaschine stationiert werden, ein Hubschrauber des Typs EC 135 des europäischen Herstellers Eurocopter in verbesserter, bei Hitze und großer Höhe leistungsfähigerer Version. Dies erleichtere zum Beispiel Rettungen am Watzmanngrat. Zwei im Gebiet verteilte Notbetankungsanhänger sorgten für schnellen Treibstoff-Nachschub. »Die Handyortung vom Hubschrauber aus wird immer wichtiger«, erklärte Burger. »In Zukunft wird es auch möglich sein, ausgeschaltete Handys zu orten.«

Wärmebildkamera mit Spenden finanziert

Eine technische Neuerung stellte Alex Beaury vor, der neben seinem Engagement bei der Bergwacht Traunstein als Technik-Freak das sogenannte »LKLD« leitet, eine Abkürzung der vier Tätigkeitsschwerpunkte Lokalisation, Kommunikation, Lagedarstellung und Dokumentation. Er präsentierte die brandneue Wärmebildkamera, die im Winter durch Spenden in Höhe von 12 000 Euro finanziert wurde. An einem nur 3,5 Kilo schweren Flugroboter (Drohne) befestigt und durch einen Bergwachthelm vor Regen geschützt, erleichtert sie die Personensuche ungemein. »Wenn kein Hubschrauber fliegen kann oder verfügbar ist, werden wir gerufen«, erklärt Beaury. Auch bei Nebel oder in der Nacht kann die vom Piloten per Fernbedienung gesteuerte Drohne mit der von einem eigenen Steuerer bedienten Kamera in Windeseile Vermisste suchen.

Abseilaktionen, oft in gefährliches Absturzgelände, dauern pro Graben eine halbe Stunde bis Stunde, während die Drohne den Graben in nur fünf bis zehn Minuten erkundet hat. Sie kann etwa 1,5 Stunden fliegen. So wird wertvolle Zeit gespart und das Risiko auch für die Retter minimiert. Bei Einsätzen untertags achtet eine dritte Person darauf, dass die Drohne rechtzeitig anderen Flugobjekten wie zum Beispiel Gleitschirmfliegern ausweicht.

Die Kamera erkennt Menschen und andere Wärmequellen auf 400 Meter Abstand. Besonders eignet sie sich zum Absuchen großer Gebiete. Im Winter lokalisierte sie Fuß- oder Skispuren noch Stunden später. Ein Skitourengeher wurde bereits am Tag danach aufgrund seiner Spur gefunden.

Es gibt neun solche LKLD-Teams in Bayern. Jede Einheit hat ein Spezialfahrzeug und dasselbe Equipment, das an die lokalen Herausforderungen angepasst wird. »Wir sind das einzige Team mit Teleskop und können Menschen am Berg in bis zu fünf Kilometer Entfernung orten«, erläutert Beaury. Sein Team besteht aus etwa zehn Personen, meist seien sieben bis acht einsatzfähig. »Den Umgang mit den Geräten muss man sich selbst beibringen. Und man muss ein bisserl ein Fanat sein«, erklärt er. Der »Technikbus« ist an der Autobahn nahe Traunstein stationiert. Die längste Fahrt, 60 Minuten, hat er nach Berchtesgaden. »Aber die Einsätze, zu denen wir dazu kommen, dauern meistens so lange, dass es auf eine halbe Stunde nicht drauf ankommt.«

42 Einsätze für das LKLD-Team

Seit seiner Gründung vor dreieinhalb Jahren hatte das Chiemgauer LKLD-Team 42 Einsätze, den ersten als »Feuertaufe« an der Riesending-Höhle. Bei Großeinsätzen nimmt das Team den Einsatzleitern die Dokumentation oder auch den Funkverkehr ab, stellt die Einsatzlage optisch dar zwecks besserem Überblick für die Retter und unterstützt Einsätze technisch – von Hochwassereinsätzen wie in Simbach über Waldbrände bis hin zu Lawineneinsätzen. vm